Digitale Unabhängigkeit: Regierung will KI-Kapazitaten vervierfachen
Um im globalen Technologiewettlauf nicht den Anschluss zu verlieren, plant die Bundesregierung einen Ausbau der Rechenzentrumskapazitäten. Im Vergleich zum Jahr 2025 soll bis 2030 die Leistung von allgemeinen Rechenzentren gegenüber 2025 mindestens verdoppelt werden, die Kapazitäten für Künstliche Intelligenz (KI) mindestens vervierfacht.
Das sieht ein Strategiepapier des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung vor, das am 18. März im Kabinett beschlossen werden soll. "Damit wollen wir im Rennen bleiben, um in Europa weiterhin zu führen, aber eben auch, um international sehr attraktiv zu bleiben" , sagte Digitalminister Karsten Wildberger (CDU). Hintergrund der Offensive ist der weltweit rasant wachsende Bedarf an Rechenleistung.
Getrieben wird der Bedarf von datenintensiven KI-Anwendungen, Cloud-Diensten und der voranschreitenden Digitalisierung der Wirtschaft. Um Deutschland als führenden, souveränen Datenstandort in Europa zu etablieren, sieht das Paket des Digitalministeriums insgesamt 28 Maßnahmen vor.
Finanzielle Anreize für die Gemeinden
Um neue Ansiedlungen von Rechenzentren zu beschleunigen, rückt die Regierung die Flächenverfügbarkeit und Planungsverfahren in den Fokus. Künftig sollen bevorzugt sogenannte Brownfield-Flächen genutzt werden.
Im Gegensatz zu Greenfield-Flächen handelt es sich hierbei um bereits erschlossenes Gelände. Oft sind das alte Kraftwerkstandorte im Rheinischen Revier oder in Lübbenau im Spreewald, die bereits über entsprechende Netzanschlüsse verfügen.
Um die Akzeptanz bei den Anwohnern vor Ort zu erhöhen, plant die Regierung einen finanziellen Anreiz: Die Gewerbesteuer soll künftig direkt dort anfallen, wo das Rechenzentrum steht, und nicht mehr am Hauptsitz des Unternehmens.
Für das geplante große Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe in Lübbenau würde dies bedeuten, dass die Gewerbesteuern künftig vor allem in Lübbenau und nicht am Standort der Konzernzentrale in Neckarsulm anfielen. Zur Schwarz-Gruppe gehören Lidl und Kaufland.
Betrieb mit erneuerbaren Energien
Ein Problem beim Ausbau ist aktuell häufig der Zugang zum Stromnetz . Die Branche konkurriert hier teilweise mit geplanten Batteriespeicherprojekten um Netzkapazitäten.
Künftig sollen laut Strategiepapier Netzanschlüsse nach dem tatsächlichen Reifegrad der Projekte vergeben werden. Dennoch soll der Neubau von Rechenzentren nicht zulasten der Energiewende gehen: Vorgesehen ist die vollständige Versorgung von Rechenzentren aus erneuerbaren Energien, wenn auch ohne konkreten Zeitplan.
Um die Abwärme der Server für kommunale Wärmenetze nutzbar zu machen, will sich die Bundesregierung auf EU-Ebene dafür einsetzen, die kostenlose Abgabe von Abwärme steuerfrei zu stellen.
Eigene europäische Wege gehen
Das Strategiepapier sieht weiterhin vor, dass die Abhängigkeit von außereuropäischen Hyperscalern wie Amazon AWS, Google Cloud oder Microsoft Azure verringert wird. Um das Ziel zu erreichen, sollen die neuen Kapazitäten bevorzugt von deutschen und europäischen Unternehmen aufgebaut werden.
Ein Leuchtturmprojekt ist die Unterstützung beim Aufbau mindestens einer kommerziellen KI-Gigafabrik in Deutschland, die in einem öffentlich-privaten Konsortium unter europäischer Führung realisiert werden soll.
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