Es geht ohne Server, aber nicht gut
Ich lande relativ schnell bei Nextcloud(öffnet im neuen Fenster) , das eine Installation für Webspace anbietet. Das bedeutet: Ich lade eine kleine PHP-Datei hoch und rufe sie im Browser auf. Im Hintergrund wird dann alles Wichtige aus der Ferne automatisch installiert.
Beim ersten Mal kommen kryptische Fehlermeldungen, weil ich irgendeinen Verweis auf eine Datenbank falsch gesetzt habe – ich habe nicht die geringste Ahnung, was das überhaupt bedeutet. Dann entdecke ich das eigentliche Problem: Ich habe zwar Webspace, aber keinen eigenen Server mit Zugang auf die Konsole. Immerhin kann ich mit ein paar Klicks eine Datenbank einrichten, was anscheinend ein wichtiger Schritt ist.
Zweiter Anlauf: Ich lösche alles und starte neu. Diesmal klappt es auf Anhieb, ich bekomme ein hübsches Dashboard und einige nützlich aussehende Apps und werde ein wenig aufgeregt, als ich den echten Funktionsumfang begreife: Wie, ich kann auch meinen Kalender, meine Kontakte und Fotos mit meinem Telefon synchronisieren? Ich beschließe, die Sache etwas ernster zu nehmen, und wage den Umstieg.
Der Kalender ist fix aus Google exportiert, der Import bei meiner neuen Nextcloud dauert hingegen ein Weilchen, ohne dass ich den Fortschritt beobachten kann. Dazu sei gesagt, dass mein Kalender viele Tausende Einträge umfasst, weil ich mir nichts merken kann.
Mehr Aufwand als nur ein paar Klicks
Bald stelle ich fest, dass wohl etwas mehr dazugehört als einfach nur eine neue Kalender-App und ein Link zu meiner Nextcloud. Ich kaufe eine App(öffnet im neuen Fenster) , welche die Synchronisierung der Daten automatisiert übernimmt. Leider hat der Kalenderumzug all meine schönen farblichen Hervorhebungen der Termine gelöscht – die sind offenbar nicht in den exportierten Daten enthalten.
Macht nichts, in Nextcloud kann ich neue Farben bestimmen. Ich habe jetzt schon bedeutend mehr über den technischen Hintergrund meiner Cloudaktivitäten gelernt als je zuvor.
Tag zwei meiner digitalen Unabhängigkeit beginnt mit Euphorie und endet mit Enttäuschung. Ich entdecke die Apps in meiner Nextcloud. Neben Mail, Kontakten, Dateien und Kalender findet sich ein ganzes Ökosystem mit verlockenden Webanwendungen. Am meisten interessiert mich Nextcloud Office(öffnet im neuen Fenster) – eine Onlineversion von Libreoffice. Zunächst versuche ich aber einfach, Libreoffice-Dokumente über eine WebDAV-Verbindung(öffnet im neuen Fenster) remote in meiner Cloud zu bearbeiten.
Das funktioniert zwar, ist aber sehr fummelig und entspricht nicht meiner von Google Docs verwöhnten Vorstellung davon, online zu arbeiten. Also installiere ich kurzerhand das benötigte Collabora-Paket(öffnet im neuen Fenster) – in der Hoffnung, danach Zugriff auf Nextcloud Office zu bekommen.
Das ist der entscheidende Schritt zu viel. Meine Cloud gibt Fehlermeldungen aus, möchte einen mir bis dato unbekannten Dienst namens Cron(öffnet im neuen Fenster) aktivieren und haufenweise andere Dinge, die mich auf eine wilde Suche durch das Internet und entsprechende Foren schicken.
Am Ende stoße ich auf das wahre Problem: Ich habe keinen eigenen Server. Ich kann nicht per SSH auf die virtuelle Maschine zugreifen(öffnet im neuen Fenster) , somit nur marginale Änderungen vornehmen und mit meiner mangelnden Erfahrung auch nichts daran ändern.
Da meine Cloud nun nur noch in Zeitlupe läuft, lösche ich erneut alles und starte an Tag drei mit gedämpften Erwartungen. Ich setze mir klare Ziele: Dateien, Kalender, Mails – das sind die Grundfunktionen, die ich wirklich benötige. Immerhin schaffe ich die Installation inklusive des Umzugs meiner Mails von Gmail nun schon in weniger als einer Stunde. Für echte Produktivität brauche ich dann wohl doch einen echten Server.
Der Lernfaktor ist hoch
Das ist nicht die einzige Erkenntnis, die ich aus meinem Digitale-Unabhängigkeitsprojekt ziehe. Ich habe gelernt, wie viele Dienste im Hintergrund zusammenarbeiten müssen, damit meiner Bequemlichkeit Genüge getan wird. Außerdem fand ich das Basteln an meiner – zugegebenermaßen sehr laienhaften – Lösung ungemein befriedigend.
Nextcloud selbst macht es einfach, die Grundfunktionen zu installieren und auszuprobieren. Das gesamte Paket mutet in puncto Umfang und Aussehen sehr professionell an. Das ist natürlich unter anderem deshalb so, weil es eine lebendige Community hat und sich auf professioneller Ebene an Unternehmen richtet.
Nach zwei Jahren Nextcloud überwiegen für mich noch immer die Vorteile. Meine eigene Cloud läuft zuverlässig. Natürlich geht das auch mit einem Nachteil einher: Backups und Datensicherheit sind jetzt mein Problem, nicht mehr das von Google oder Adobe. Andererseits ist das ein guter Anlass, mal etwas weniger schlampig mit meinen Daten umzugehen. Lernen tue ich dabei auch noch was – wie bei dem gesamten Projekt des Umstiegs auf Nextcloud.
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