Digitale Souveränität: Viele Unternehmen haben keine Cloud-Exit-Strategie
Digitale Souveränität hat sich für Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz von einem abstrakten Leitbild zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor entwickelt. Wie aus einer Studie des Analyseunternehmens Lünendonk(öffnet im neuen Fenster) hervorgeht, geht es Firmen dabei nicht um Abschottung oder Autarkie, sondern darum, mit einer bewussten Steuerung von Abhängigkeiten die eigene Handlungsfähigkeit zu sichern.
Für die Studie wurden zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 155 Telefoninterviews mit IT-Bereichsleitern, Security- sowie C-Level-Verantwortlichen geführt. Dabei gaben 93 Prozent der Befragten an, dass digitale Souveränität in ihren Unternehmen bereits eine hohe Relevanz hat, und 96 Prozent erwarten, dass das Thema in den kommenden drei Jahren noch wichtiger wird.
Als wesentliche Treiber dieser Entwicklung werden die Reduktion zu hoher Abhängigkeiten, die Stärkung der Krisenfestigkeit und regulatorische Anforderungen genannt. Für 83 Prozent der Befragten besteht zudem ein realistisches Risiko durch die Abschaltung digitaler Dienste durch ausländische Staaten.
Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Trotz des gestiegenen Bewusstseins für die Risiken durch zu hohe Abhängigkeiten, haben lediglich 14 Prozent der an der Umfrage beteiligten Unternehmen eine Exit-Strategie, um Anbieter kurzfristig wechseln zu können. In 65 Prozent der Unternehmen erschweren komplexe, gewachsene Systeme die Umsetzung von Souveränitätsmaßnahmen und bei 87 Prozent werden überwiegend proprietäre Anwendungen ausgeführt.
Open-Source-Software (OSS) wird von 90 Prozent der Befragten als Chance gesehen, sich von Abhängigkeiten zu lösen. Allerdings fehlt es oft an internen Kompetenzen, um OSS nachhaltig einsetzen zu können. Europäische Alternativen zu US-Hyperscalern werden zwar wertgeschätzt, gelten aber funktional noch als unterlegen und werden nur von 31 Prozent der Befragten als wettbewerbsfähig eingeschätzt.
Laut den Studienautoren hat sich digitale Souveränität zu einem wirtschaftlich rationalen Risikoschutz für Unternehmen entwickelt. Unternehmen versprechen sich davon nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch mehr Vertrauen bei ihren Kunden, heißt es weiter.
Hinweis in eigener Sache
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