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Digitale Souveränität: Google stoppt Cloud-Vergabe der Bundesregierung

Ein Konsortium um Google blockiert die 250-Millionen-Euro-Vergabe für eine souveräne deutsche Cloudlösung. Das Projekt droht zu stocken.
/ Nils Matthiesen
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Google blockiert deutsche Cloudprojekte. (Bild: Annegret Hilse/Reuters)
Google blockiert deutsche Cloudprojekte. Bild: Annegret Hilse/Reuters

Die Pläne der Bundesregierung für eine moderne IT-Infrastruktur in der Verwaltung stoßen auf juristische Hindernisse. Ein Konsortium um den US-Konzern Google hat gegen die geplante Vergabe eines Cloud-Großauftrags an die Deutsche Telekom und SAP Beschwerde eingelegt. Wie die FAZ berichtet(öffnet im neuen Fenster) (Paywall), führt dies zu einem vorläufigen Stopp des Projekts, das ein Volumen von rund 250 Millionen Euro über eine Laufzeit von vier Jahren umfasst.

Juristisches Tauziehen um Cloud-Vergabe

Ursprünglich sollten die deutschen Unternehmen SAP und Telekom den Zuschlag für den Aufbau einer souveränen Cloudlösung erhalten. Das Konsortium um Google und den IT-Dienstleister Adesso lässt die Entscheidung nun im Rahmen eines Eilverfahrens durch die Vergabekammer prüfen. Während sich Google offiziell bedeckt hält, droht dem Digitalministerium unter Karsten Wildberger (CDU) ein erheblicher Zeitverzug. Das Verfahren könnte die Modernisierung der deutschen Behörden-IT um Monate verzögern.

Ziel des Ministeriums ist es, die bisherige Struktur aus isolierten Serverlösungen in kommunalen Kellern durch eine einheitliche und geopolitisch belastbare Architektur zu ersetzen. Um Abhängigkeiten zu reduzieren, sieht die Planung vor, auch die Unternehmen SVA und Schwarz Digits mit einem Anteil von 30 Prozent einzubinden. Wildberger forciert diese Redundanzen, um die Handlungsfähigkeit des Staates auch in internationalen Krisenfällen zu gewährleisten. Bisher gleicht die deutsche IT-Landschaft einem Flickenteppich, den der Minister durch eine professionelle Infrastruktur ablösen will.

Strategische Autonomie und digitale Identitäten

Als Vorbild für die Nutzung von US-Technologie unter strikter Kontrolle gilt die Bundeswehr. Diese plant den Einsatz der Google-Dienste in einem Air-Gapped-System, das physisch vom öffentlichen Internet getrennt in eigenen Rechenzentren betrieben wird. Beim Streben nach digitaler Eigenständigkeit blickt die Bundesregierung auch auf europäische Nachbarn. In Frankreich existiert mit dem Siegel Secnumcloud der Behörde Anssi ein nationaler Standard für sensible Daten. Deutschland setzt hingegen primär auf den C5-Katalog des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Ein einheitliches europäisches Zertifizierungsschema (EUCS) befindet sich noch in der Abstimmung. Ob die Bundesregierung trotz des Google-Vorstoßes an ihrem langfristigen Zeitplan festhalten kann, hängt nun von der Entscheidung der Vergabekammer ab.

Nachtrag vom 30. April 2026, 17:22 Uhr

Nach Angaben der für die Einführung der EUDI-Wallet zuständigen Sprind GmbH gibt es keine Pläne, die Wallet auf der genannten Cloudinfrastruktur zu betreiben. Dazu werde auf andere Hostinganbieter in Deutschland und Europa zurückgegriffen. Dadurch stehe die Einführung der Wallet zum Beginn des Jahres 2027 auch nicht in einem technischen Abhängigkeitsverhältnis zu dem beschriebenen Cloudprojekt oder dessen möglicher Verzögerung durch ein Vergabeverfahren.

Wir haben die entsprechenden Angaben aus dem Artikel entfernt.


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