Digitale Souveränität: Die gefährliche Idee des Schlandnet neu aufgelegt

Mit dem Schlagwort Digitale Souveränität gehen Provider nun gegen Apples Private Relay vor. Das Internet Chinas sollte hierzulande aber kein Vorbild sein.

Ein IMHO von und veröffentlicht am
Manche Provider wollen kein grenzenloses Internet.
Manche Provider wollen kein grenzenloses Internet. (Bild: Jens Schlueter/Getty Images)

Die größten europäischen Mobilfunkbetreiber - Vodafone, Telefonica, Orange and T-Mobile - haben sich offenbar bereits im vergangenen Jahr in einem Brief an die Europäische Kommission gewandt, um vor der Einführung von Apples Private Relay zu warnen. Das berichtet die britische Zeitung Telegraph. Dies geschieht wohl unter dem politischen Schlagwort der Digitalen Souveränität, das sich damit spätestens jetzt als politischer Kampfbegriff gegen ein freies Internet entpuppt, wie wir es kennen. Als großes Vorbild erscheint dabei ausgerechnet China.

Inhalt:
  1. Digitale Souveränität: Die gefährliche Idee des Schlandnet neu aufgelegt
  2. Fadenscheinige Argumente der Provider
  3. Gefährliches Schlagwort der digitalen Souveränität

Mit dem Begriff der Digitalen Souveränität versuchen Politiker wie auch Wirtschaftstreibende seit einigen Jahren, ein ideelles Gegenmodell zu einem dienstegetriebenen Internet zu etablieren, das nicht von US-Konzernen wie Apple, Facebook, Google oder auch Microsoft dominiert wird. Bisher wird dies meist auf die Nutzung von Open-Source-Software, eigenen Cloud-Strategien und eben auf eine freie Auswahl bei Produkten bezogen. Soweit also eigentlich gut. Doch genau dagegen wollen die Provider nun offenbar vorgehen.

Im Browser integriertes VPN

Private Relay ist letztlich ein in Apples Browser integrierter VPN-Dienst, der den kompletten Browser-Traffic über Apple Server leitet um den Netzwerkverkehr dort zuerst von der IP-Adresse der Nutzer zu lösen. Soweit ein klassischer VPN. Die Besonderheit von Apples Private Relay ist jedoch, dass der Traffic verschlüsselt an einen zweiten Server eines anderen Anbieters, beispielsweise Cloudflare, weitergeleitet wird und damit Anleihen an dem Konzept von Tor oder JonDo nimmt, bei denen kein Server die IP-Adresse des Nutzers oder die angesurfte Webseite kennt.

Die Privatsphäretechnik ist derzeit optional und wird als Teil des Abomodells iCloud+ angeboten. Dabei ist Apples Safari nicht der einzige Browser, der einen integrierten VPN gegen Aufpreis anbietet. Mit Mozilla VPN gibt es eine entsprechende Funktion auch im Firefox.

In dem Brief an die Kommission heißt es laut dem Telegraph: "Private Relay soll die Privatsphäre der Benutzer beim Herstellen einer Verbindung mit dem Internet und beim Surfen im Internet verbessern, indem der Datenverkehr verschlüsselt und umgeleitet wird (...), wodurch andere Netzwerke und Server vom Zugriff auf wichtige Netzwerkdaten und Metadaten abgeschnitten werden, einschließlich der Betreiber, die für die Konnektivität verantwortlich sind." Damit richtet sich das Schreiben der Provider letztlich nicht nur gegen Apples Private Relay, sondern gegen klassische VPN-Technik, die auch von vielen Unternehmen eingesetzt wird. Mit der Technik scheinen die Provider allgemein ein Problem zu haben.

Digitale Souveränität wird angeblich untergraben

Denn weiter heißt es in dem Brief aber: "Die Art und Weise, wie die private Weitergabe umgesetzt wird, wird erhebliche Auswirkungen auf die Untergrabung der europäischen digitalen Souveränität haben". Apples Private Relay werde außerdem andere daran hindern, "auf den digitalen Märkten Innovation einzuführen und zu konkurrieren und kann sich negativ auf die Fähigkeit der Betreiber auswirken, Telekommunikationsnetze effizient zu verwalten."

Das ist nicht nur technisch falsch, auch ist der damit erstmals von den Providern eingeschlagene Weg politisch hochgefährlich. Besonders bitter ist dies, da dahinter offenbar auch nur die Geschäftsinteressen der Provider selbst stehen, um mit Werbung oder Tracking Geld zu verdienen - statt mit ihrem eigentlichen Angebot des uneingeschränkten Netzzugriffs, für das die Nutzer die Provider ja bezahlen.

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Fadenscheinige Argumente der Provider 
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ovbspawn 13. Jan 2022

Stimme ich zu, das größte Problem ist eher der Euro bzw. dass die Leitung der EZB schon...

jsonn 12. Jan 2022

Dem steht insbesondere bei der Telekom der Missbrauch ihrer Kunden entgegen. Mit Apple...

Analysator 11. Jan 2022

In Ländern mit brauchbaren Handyverträgen würde niemand streamOn buchen müssen, aber wir...

TurbinenBewunderer 11. Jan 2022

Solange mit dem Finger auf einzelne Entitäten gezeigt werden kann, werden wir immer...



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