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Inhouse vergebene Aufträge

Derweil hat Govtech Deutschland e.V. – obwohl das BMDS die Inhouse-Fähigkeit nach eigenen Angaben noch immer prüft – bereits zahlreiche öffentlich dokumentierte Inhouse-Aufträge von teils erheblichem Umfang von verschiedenen staatlichen Institutionen erhalten und abgewickelt. Der Verein selbst bezeichnet sich in einer aus dem Mai 2024 stammenden Präsentation (PDF)(öffnet im neuen Fenster) als "inhouse-fähig". Gegenüber Golem wies der Verein darauf hin, dass "die Govtech Deutschland-Gruppe seit Mitte 2023 eine mittlere zweistellige Anzahl an Aufträgen durch öffentliche Bedarfsträger erhalten" hat.

Zudem bezeichnete die hessische Landesregierung Govtech in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage von drei Abgeordneten der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (PDF)(öffnet im neuen Fenster) im August 2025 explizit als "inhouse-fähig".

Bereits im Juli 2024 hatte das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum (HMWVW) zwei Verträge für Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur künstlichen Intelligenz mit Govtech im Wege der Direktvergabe abgeschlossen. Ebenso wurden bis zu drei KI-Projekte jährlich angekündigt, die über das Hessische Ministerium der Justiz (HMdJ) mit Govtech abgewickelt werden sollen.

Zum finanziellen Volumen der von Govtech mit dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum abgewickelten Aufträge teilte Govtech Deutschland e.V. auf Golem-Anfrage mit: "Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass wir keine Angaben zu konkreten Aufträgen oder Geschäftsbeziehungen machen dürfen."

Aufträge an Fördermitglieder

Diese vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum beauftragten Forschungsprojekte wurden an die deutsche Sopra Steria SE mit Sitz in Hamburg vergeben(öffnet im neuen Fenster). Das Unternehmen gehört zur international tätigen Sopra-Steria-Gruppe mit Hauptsitz in Frankreich.

Die Sopra Steria SE ist Fördermitglied von Govtech Deutschland e.V. Die Gesamtkosten für mehrere von Govtech Deutschland mit der Sopra Steria SE abgeschlossene Verträge beliefen sich nach Recherchen von Golem in den Jahren 2023 bis 2025 auf genau 1.799.187,07 Euro, während für das Jahr 2026 allein 2.795.072,00 Euro veranschlagt sind (PDF)(öffnet im neuen Fenster).

Ein offenbar zusätzlich abgeschlossener Dienstleistungsvertrag zwischen dem HMWVW und Govtech Deutschland, bei dem Sopra Steria als Unterauftragsverarbeiter fungiert, schlägt bis zum Jahr 2028 mit maximal zusätzlichen 2.716.875,00 Euro zu Buche.

Fragen werfen auch weitere Aufträge auf, die von Govtech Deutschland über die operative Govtech Platforms GmbH und die nachgeschaltete Beratungsgesellschaft Forvis Mazars Rechtsanwaltsgesellschaft mbH an eigene Fördermitglieder erteilt wurden: So wurde im Mai 2026 bekannt, dass Govtech nach einem EU-weiten Verhandlungsverfahren mit einem zuvor durchgeführten Teilnahmewettbewerb einen Rahmenvertrag zur Nutzung eines Multi-Cloud-Brokers an die Bechtle AG vergeben hat(öffnet im neuen Fenster).

Der Rahmenvertrag umfasst ein maximales Volumen von 250 Millionen Euro. Über ihn können abrufberechtigte staatliche Bedarfsträger auf die Leistungen von sieben Cloudanbietern zugreifen. Dabei handelt es sich um die Anbieter Amazon Web Services (AWS), Google Cloud Platform, Microsoft Azure, Bechtle Open Cloud Services, Exoscale, T Cloud Public und Stackit (Schwarz-Gruppe). Allen genannten Unternehmen ist gemein, dass sie Fördermitglieder von Govtech Deutschland e.V. sind.

Wenige Wochen zuvor war bereits nach einer EU-weiten Ausschreibung ein Auftrag von Govtech über eine Laufzeit-Komponente zum anbieterübergreifenden Einsatz digitaler Anwendungen im Rahmen des Govtech-Frameworks an die Codesphere SE aus Karlsruhe vergeben worden(öffnet im neuen Fenster).

Dieser Auftrag dient der Entwicklung der technischen Basis für die Deutschlandplattform und die Gesundheitsplattform Medicus (Eigenschreibweise: MEDI:CUS). Als Unterauftragnehmer fungiert die Enclaive GmbH mit Sitz in Hofheim am Taunus. Beide Unternehmen sind Fördermitglieder von Govtech Deutschland e.V. Das maximale Auftragsvolumen liegt bei 30,8 Millionen Euro.

Im März 2026 gab die Govtech Platforms GmbH bekannt, dass sie beabsichtigt, einen Auftrag zur "Untersuchung und Entwicklung eines KI-basierten Fachverfahrensmodernisierungssystems im Land Baden-Württemberg" mit einem kumulierten Auftragswert von 652.870,00 Euro an die Exxeta AG aus Karlsruhe zu vergeben (PDF)(öffnet im neuen Fenster). Die Exxeta AG wird auf der Webseite von Govtech Deutschland e.V. ebenfalls als Fördermitglied ausgewiesen.

An die Exxeta AG ging auch ein weiterer, bereits Ende Juni 2025 von der Govtech Platforms GmbH publizierter Auftrag zu "Forschungs- und Entwicklungsleistungen für eine prototypische Implementierung und Veröffentlichung einer frei verfügbaren GenAI-Referenzarchitektur für das Land Baden-Württemberg".

Den Aufträgen an die Exxeta AG und an die Sopra Steria SE gemein ist zudem, dass sie im Rahmen eines Verhandlungsverfahrens ohne Aufruf zum Wettbewerb erteilt wurden, somit ohne eine öffentliche Ausschreibung. Begründet wurden diese Direktvergaben ohne ein Wettbewerbsverfahren an Fördermitglieder von Govtech Deutschland e.V. mit dem Charakter der Aufträge als Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen, welche von der Anwendung des Vergaberechts gemäß § 116 Abs. 1 Nr. 2 GWB ausgenommen sind.

Golem wollte deshalb wissen, ob es auch Aufträge gibt, die von der Govtech Platforms GmbH nicht an Fördermitglieder des Govtech Deutschland e.V. vergeben worden sind. Die operative Leitung des Vereins teilte uns auf eine entsprechende Nachfrage mit, dass man "grundsätzlich keine Angaben zu konkreten Aufträgen oder Geschäftsbeziehungen machen" dürfe. Es sei jedoch die "überwiegende Anzahl an Aufträgen an Unternehmen und Einrichtungen erteilt worden, bei denen keine Fördermitgliedschaft zugunsten des Vereins besteht".

Das lässt sich zumindest anhand der von uns ausgewerteten Vergabebekanntmachungen im offiziellen TED-Portal der Europäischen Union nicht ohne Weiteres nachvollziehen: Zum Zeitpunkt unserer Anfrage waren dort bei zwei von 17 betrachteten Vergabeverfahren Auftragnehmer ausgewiesen, die nicht dem Govtech-Konglomerat angehören(öffnet im neuen Fenster).


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