Digitale Manipulation: Kfz-Branche bekommt Tachobetrug nicht in den Griff

Bei jedem dritten Gebrauchtwagen wird laut Schätzungen der Kilometerstand gefälscht. Selbst Neuwagen sind vor Manipulation nicht sicher.

Ein Bericht von Haiko Prengel veröffentlicht am
Digitale Kilometerstände sind weiterhin nicht manipulationssicher.
Digitale Kilometerstände sind weiterhin nicht manipulationssicher. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Früher griff man rabiat zur Bohrmaschine, um die Tachowelle eines Autos zurückzudrehen. In digitalen Zeiten ist der Eingriff simpler: via OBD-2-Schnittstelle. Tools zur "Tachojustierung" gibt es im Internet schon für 160 Euro, getarnt als OBD-Diagnosegeräte. Ob Nissan Qashqai, Citroen C3 oder Mercedes Sprinter: Unterstützt werde die "Korrektur" von Kilometerständen bei einer breiten Palette von Fahrzeugen, wirbt beispielsweise ein Anbieter aus Shenzhen in China.

Inhalt:
  1. Digitale Manipulation: Kfz-Branche bekommt Tachobetrug nicht in den Griff
  2. Gesamtschaden von sechs Milliarden Euro
  3. ADAC setzt auf technische Lösung
  4. Kilometerblocker manipulieren Datenübertragung

Bei Kriminellen sind die Geräte beliebt. Denn ein kleiner Zahlendreher beim Tachostand reicht aus, um einen Gebrauchtwagen im Nu um tausende Euro teurer zu machen. Besonders gerne wird bei jungen Leasing-Fahrzeugen auf illegale Weise der Tachostand manipuliert. "Ich habe gesehen, wie leicht es ist, mit verhältnismäßig günstigen Geräten aus dem Internet den Kilometerstand in allen im Fahrzeug befindlichen Steuergeräten zu modellieren", berichtet Thomas Schuster.

Jeder dritte Gebrauchtwagen betroffen

Schuster ist Prüfingenieur bei der Kfz-Sachverständigenorganisation KÜS mit Sitz in Losheim am See im Saarland. Unzählige Autos hat er auf ihren technischen Zustand überprüft. Einem Missstand stehen Schuster und seine Kollegen jedoch recht hilflos gegenüber: Tachomanipulation.

Der grassiert in Deutschland immer noch in erstaunlichem Ausmaß. Polizei und Versicherungswirtschaft schätzen, dass bei jedem dritten Gebrauchtwagen die Laufleistung frisiert wird, um beim Verkauf einen höheren Preis zu erzielen. Die Gekniffenen sind die Gebrauchtwagenhändler und vor allem die Käufer.

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EU-Verordnung gegen Tachobetrug

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Mit einem Gesamtumsatz von 103 Milliarden Euro im Jahr 2020 ist der deutsche Gebrauchtwagenmarkt riesig. Das Problem: Selbst den Fachleuten von KÜS, TÜV, Dekra und den anderen offiziellen Prüforganisationen fällt der Tachobetrug häufig nicht auf, weil sie bei der Hauptuntersuchung (HU) den Kilometerstand bloß ablesen. Eine verlässliche Dokumentation der Fahrzeug-Historie fehlt, denn auch Scheckhefte können heute kinderleicht gefälscht werden. "Mir wurden Servicehefte mit Wartungsleistungen vorgelegt, die nie durchgeführt wurden", sagt KÜS-Ingenieur Schuster.

2017 wurde eine EU-Verordnung erlassen, um Autofahrer vor Tachobetrug zu schützen. Nach Verwaltungsvorschrift 2017/1151 müssen neue Modelle mit "systematischen Techniken" ausgerüstet sein, um die Integrität der angezeigten Laufleistung zu gewähren.

Doch die Vorschrift greift nicht, wie Recherchen des ADAC zeigen.

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Gesamtschaden von sechs Milliarden Euro 
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Artchi 13. Okt 2021

Wie soll das helfen? Du kannst doch vor jedem TÜV-Besuch einfach den Zähler runter...

ForumIpsum 10. Okt 2021

Zeig mal bitte ein Beispiel, ich kann keins finden

ApfelTasche 09. Okt 2021

Die Strategie ist doch ähnlich, wie bei einer derzeitigen Pandemie. Obwohl in ( D ) über...

Bluejanis 08. Okt 2021

Das Recht auf Reparatur wurde am 01.03.2021 von der EU eingeführt.



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