Digitale Funkgeräte der Bundeswehr: Übertragung einer Chatnachricht dauert 59 Minuten

Nach dem jüngsten Test der Bundeswehr mit der Umrüstung der Truppenfahrzeuge auf digitale Funkgeräte auf dem Truppenübungsplatz im niedersächsischen Munster kritisieren die Grünen die Führung der Truppe um Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Der Verteidigungsexperte Niklas Wagener, der an dem Test teilgenommen hatte, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland der Madsack Mediengruppe: "Von einem einsatzbereiten Digitalfunk sind wir weiterhin weit entfernt. Übertragungszeiten für Chatnachrichten von 59 Minuten und für Stellungsskizzen von bis zu 25 Minuten sind inakzeptabel."
Man habe außerdem erfahren, dass mehr als 20 Funkteilnehmer nicht stabil zusammengeschaltet werden konnten. "Von einer verbandsweisen Digitalisierung einer ganzen Brigade kann also keine Rede sein."
Wagener forderte: "Ich erwarte von Minister Pistorius, dass er nun in Aktion tritt und Konsequenzen aus dem Versagen der Industrie und einiger Führungskräfte seines Ministeriums zieht. Ein Abwarten bis zum heute angekündigten nächsten Test im Mai 2026 werden wir angesichts des Projektumfanges von mehr als 11,5 Milliarden Euro Steuergeld nicht hinnehmen."
Was soll D-LBO bringen?
Beim Projekt Digitalisierung Landbasierter Operationen (D-LBO) geht es nicht nur um digitale Funkgeräte, sondern ein digitales Führungs- und Informationssystem für Landstreitkräfte. Mehr als 200 verschiedene Fahrzeugtypen sollen auf abhörsichere, abstrahlgeschützte und kryptografiefähige Funkgeräte umgerüstet werden. Zu dem System gehören ein Gefechtsführungssystem mit Karten und Daten und eine Schnittstelle, über die unbemannte Systeme und Mobiltelefone eingebunden werden können.
Die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Sara Nanni, sagte dem RND: "Das Problem liegt beim Projekt-Management im Verteidigungsministerium. Doch der Minister hat uns noch im Sommer gesagt, es liefe alles nach Plan. Die Energie wird darauf verwandt, das Problem kleinzureden, und nicht darauf, es zu lösen." Eine Lösung haben die Grünen laut Nanni aber auch nicht.
D-LBO wird maßgeblich von einer Allianz aus Rheinmetall Electronics(öffnet im neuen Fenster) und dem Softwareentwickler Blackned verantwortet, während Unternehmen wie Airbus, Rohde & Schwarz und KNDS (Krauss-Maffei Wegmann und Nexter Defence Systems) zentrale Komponenten und Infrastruktur beisteuern.



