Digitale Forensik: Deutsche Behörden nutzen sieben Anbieter zum Handy-Auslesen

Das Auslesen von Mobilfunk-Geräten kann Ermittlern wichtige Hinweise liefern. Deutsche Behörden nutzen nach Angaben der Bundesregierung dazu die Software verschiedener Hersteller. Der CCC kritisiert den "Wildwuchs an Auslese-Tools".

Artikel veröffentlicht am ,
Das UFED-Tablet von Cellebrite liest ein Samsung-Smartphone aus.
Das UFED-Tablet von Cellebrite liest ein Samsung-Smartphone aus. (Bild: Cate Cadell/Reuters)

Deutsche Behörden greifen beim Auslesen von beschlagnahmten Mobilfunkgeräten derzeit auf die Software von sieben Anbietern zurück. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage des Grünen-Abgeordneten Konstantin von Notz hervor, über die Netzpolitik.org berichtet. Neben bekannteren Anbietern wie Cellebrite oder Elcomsoft zählen dazu die Unternehmen MSAB, Oxygen Forensic, X-Ways, Access Data und Magnet Forensics. Produkte der US-Firma Grayshift, die angeblich jedes iPhone knacken kann, werden demnach hingegen nicht verwendet.

Stellenmarkt
  1. KIS-Betreuer iMedOne (m/w/d)
    Helios IT Service GmbH, Leipzig
  2. Full Stack Java Software Developer (m/w/d)
    NOVENTI Health SE, Lübeck (Home-Office möglich)
Detailsuche

Die Bundesregierung konnte hingegen keine Angaben darüber machen, welche Produkte wie oft von den Behörden verwendet würden. "Auch kann es zu Mehrfachnutzungen eines Produktes oder zur Nutzung verschiedener Produkte während einer Untersuchung kommen. Speziell für die Zollverwaltung kommen die Produkte der Firmen MSAB und Cellebrite zum Einsatz", hieß es weiter. Die israelische Firma Cellebrite ist ebenso wie Grayshift dafür bekannt, dass ihre Tools wie Cais oder UFED iPhones entsperren und auslesen können. Elcomsoft wirbt damit, die Whatsapp-Nachrichten von Android-Nutzern extrahieren zu können.

Details bleiben geheim

Das umstrittene Auslesen von Handys bei Flüchtlingen ist nach einer Gesetzesänderung vom Juli 2017 möglich, wenn Asylsuchende ihre Identität nicht anderweitig nachweisen können. Das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) arbeitet der Regierung zufolge dazu ausschließlich mit seinem Vertragspartner Atos zusammen. Atos setze für diesen Zweck unter anderem Produkte des schwedischen Unternehmens MSAB ein.

Darüber hinaus gehende Auskünfte wollte die Bundesregierung nicht öffentlich erteilen. So forderte Notz in seiner Frage eine Auflistung nach einzelnen Anbietern, deren Programmen sowie den Behörden, die diese nutzen. "Die erbetenen Auskünfte sind schutzbedürftig, weil sie Informationen enthalten, die im Zusammenhang mit der Arbeitsweise und Methodik der Nachrichtendienste und insbesondere deren Aufklärungsaktivitäten und Analysemethoden stehen", hieß es.

Grüne: Regierung arbeitet mit "hochdubiosen Firmen" zusammen

Golem Akademie
  1. Advanced Python – Fortgeschrittene Programmierthemen: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    27.–28. Januar 2022, Virtuell
  2. LDAP Identitätsmanagement Fundamentals: virtueller Drei-Tage-Workshop
    , Virtuell
Weitere IT-Trainings

Der Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), Frank Rieger, kritisierte auf Netzpolitik.org den "Wildwuchs an Auslese-Tool-Beschaffungen durch die Behörden" und fügte hinzu: "Dass es nicht einmal eine Statistik darüber gibt, wie oft und in welchen Fällen sie eingesetzt werden, lässt nur den Schluss zu, dass das Auslesen der ausgelagerten Gehirne in unseren Hosentaschen - ohne Rücksicht auf die Privatsphäre - zum Normalfall wird." Notz kritisierte, dass die Regierung "mit einer Vielzahl hochdubioser Firmen auf einem sowohl verfassungs- wie auch menschenrechtlich extrem sensiblen Gebiet" zusammenarbeite.

Aus der Antwort der Bundesregierung geht nicht hervor, ob die deutschen Behörden auch eigene Tools zum Auslesen von Smartphones entwickelt haben oder entwickeln wollen. Dies ist bereits bei der sogenannten Quellen-Telekommunikationsüberwachung (Quellen-TKÜ) und Online-Durchsuchung der Fall.

Die Umgehung einer Handy-Sperrung ist zudem erforderlich, wenn die Behörden Überwachungssoftware nicht über das Internet, sondern bei einem physischen Zugriff installieren wollen. Für diesen Fall forderte die Mehrheit der Länder-Justizminister Anfang Juni 2018, dass die Polizei künftig zur Installation von Überwachungssoftware und zur Durchsuchung von Geräten in die Wohnung von Verdächtigen eindringen darf.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Giga Factory Berlin
Warum Tesla auf über eine Milliarde Euro verzichten musste

Tesla kann die Milliarde Euro Förderung für die Akkufabrik Grünheide nicht beantragen - weil es sonst zu Verzögerungen beim Einsatz neuer Technik käme.

Giga Factory Berlin: Warum Tesla auf über eine Milliarde Euro verzichten musste
Artikel
  1. Paketboom zu Weihnachten erwartet: DHL startet in die heiße Phase
    Paketboom zu Weihnachten erwartet
    DHL startet in die heiße Phase

    DHL hat dieses Jahr viele Paketsendungen vom Lkw auf die Schiene verlagert, um die Klimabelastung zu verringern.

  2. Black Friday 2021 - Deals am Cyber Monday bei Amazon & Co.
     
    Black Friday 2021 - Deals am Cyber Monday bei Amazon & Co.

    Nach gut drei Wochen voller Rabatte und Schnäppchen endet heute Abend mit dem Cyber Monday die Black Friday Woche.
    Ausgewählte Angebote des E-Commerce-Teams

  3. Doppelbildschirm: Kickstarterprojekt Slide brauchte 6 Jahre bis zum Erfolg
    Doppelbildschirm
    Kickstarterprojekt Slide brauchte 6 Jahre bis zum Erfolg

    Das Kickstarter-Projekt Slidenjoy kann nach 6 Jahren seinen Doppelbildschirm Slide für Notebooks ausliefern.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Black Friday Wochenende • WD Blue SN550 2 TB ab 149€ • LG UltraGear 34GP950G-B 999€ • SanDisk Ultra 3D 500 GB M.2 44€ • Boxsets (u. a. Game of Thrones Blu-ray 79,97€) • Samsung Galaxy S21 128GB 777€ • Premium-Laptops • Cooler Master V850 Platinum 189,90€ • Astro Gaming Headsets [Werbung]
    •  /