Digitale Erschöpfung: Immer mehr Menschen ziehen sich aus Social Media zurück
Incogni, ein Dienstleistungsunternehmen mit Spezialisierung auf die Entfernung personenbezogener Daten, hat das Phänomen der digitalen Erschöpfung untersucht(öffnet im neuen Fenster) und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass viele Nutzer sozialer Medien die Pflege ihrer Onlinepräsenz als belastende Arbeit sowie als Auslöser von Stress empfinden und deshalb ihre Aktivitäten reduzieren.
Für die Studie wurden in einer repräsentativen Stichprobe 1.000 US-Amerikaner befragt. Von diesen gaben 55 Prozent an, dass sie ihre Konten bei Social-Media-Plattformen zwar nicht löschen, sich aber aus der aktiven Teilnahme zurückgezogen haben. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) gab an, die Regeln zur Sichtbarkeit ihrer Beiträge stärker eingeschränkt zu haben.
Dass sie schon einmal eine Social-Media- oder Messaging-App gelöscht haben, weil diese Stress oder Angstzustände auslöste, bejahten 47 Prozent. Bei jüngeren Generationen – laut Studie namentlich Millennials (geboren 1981 bis 1996) und Gen Z (geboren von 1996 bis 2012) – führt der digitale Druck häufiger zu derartigen Belastungen. Von dieser Altersgruppe gaben 61 Prozent an, Apps wegen Stress oder Angstzuständen gelöscht zu haben.
Politische Polarisierung und Datenschutzbedenken tragen zur Abkehr bei
Die Haupterkenntnis der Studie ist, dass das Beantworten von Nachrichten, das Verfolgen von Konversationen und die Entscheidung darüber, was gepostet wird oder nicht, für 51 Prozent der Befragten als zusätzliche Belastung oder Arbeit empfunden wird. Bei Befragten der Gen Z liegt der Wert bei 60 Prozent.
Auch die politische Polarisierung und Datenschutzbedenken tragen zur Abkehr von sozialen Medien bei. So gaben 44 Prozent an, dass sie sich aufgrund von politischen Inhalten und der starken gesellschaftlichen Spaltung aus sozialen Medien zurückziehen. Datenschutz- und Sicherheitsrisiken waren für 51 Prozent der Hauptgrund, ein Social-Media-Konto endgültig zu löschen. Algorithmen, die ständige Aufmerksamkeit einfordern und die Zunahme minderwertiger KI-Inhalte frustrieren Nutzer waren ebenfalls wichtige Gründe.
Das Fernhalten von sozialen Medien löst bei 27 Prozent ein Gefühl von Frieden und bei 21 Prozent ein Gefühl von Entspannung aus. Gleichzeitig verspüren 22 Prozent der Befragten aber auch die Angst, etwas zu verpassen (fear of missing out, Fomo). Bei Angehörigen der Gen Z sind negative Emotionen durch Social-Media-Abstinenz mit einem Anteil von 34 Prozent am stärksten ausgeprägt.
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