Digitale Assistenten: Amazon-Mitarbeiter hören Alexa-Mitschnitte von daheim

Es gibt neue brisante Details dazu, wie Amazon-Mitarbeiter Mitschnitte von Alexa anhören und auswerten sollen: Diese würden teils von zu Hause ausgewertet, heißt es in einem Zeitungsbericht.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Amazon-Mitarbeiter hören Alexa-Mitschnitte daheim an.
Amazon-Mitarbeiter hören Alexa-Mitschnitte daheim an. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

In der Debatte um die Auswertung von Nutzerdaten aus Sprachassistenten ist Amazons Dienst Alexa erneut in den Fokus geraten. Laut einem Bericht der Welt am Sonntag sollen befristete Angestellte teilweise von zu Hause aus Daten aus Alexa auswerten. "Einigen Mitarbeitern ist es gestattet, von anderen Orten aus zu arbeiten", erklärte Amazon. "Dabei gelten strenge Sicherheitsmaßnahmen und Richtlinien, an die sich jeder Mitarbeiter halten muss." Es sei eindeutig festgelegt, "dass Mitarbeiter niemals an öffentlichen oder nicht-autorisierten Orten arbeiten dürfen".

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In den vergangenen Wochen gab es zunehmend Kritik daran, dass sich auch Menschen aufgezeichnete Fragmente von Unterhaltungen der Nutzer anhören und abtippen, um die Spracherkennung zu verbessern. Die jahrelange Praxis war den Nutzern bis vor wenigen Monaten weitestgehend unbekannt.

Nun weist die Alexa-App Nutzer in den Datenschutzeinstellungen erstmals ausdrücklich darauf hin: Die Sprachaufnahmen werden "möglicherweise bei der Entwicklung neuer Funktionen verwendet und hierbei manuell überprüft, um unsere Services zu verbessern". Davon sei nur ein "sehr kleiner Anteil" der Mitschnitte betroffen. Über dem Software-Schalter, der das ablehnt, platzierte Amazon einen Warnhinweis, dass das Ausschalten möglicherweise Funktionen einschränke.

In Polen bewarb ein Zeitarbeitsdienstleister die Jobs zur Auswertung von Alexa-Aufnahmen in inzwischen gelöschten Anzeigen der Welt am Sonntag als "Telearbeit im ganzen Land". Ein Zeitarbeiter sagte dem Blatt, er und viele seiner Kollegen arbeiteten vom Küchentisch aus und würden dabei auf die Kinder daheim aufpassen. Teilweise seien in den Aufzeichnungen Angaben wie Namen oder Ortsbezeichnungen zu hören, die Rückschlüsse auf die Identität von Alexa-Nutzern ermöglichen könnten.

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Amazon betonte: "Der Zugang zu internen Systemen wird streng kontrolliert, und wir verfolgen eine Null-Toleranz-Politik, wenn unsere Prozesse nicht befolgt werden." Alle Mitarbeiter nutzten "sichere, proprietäre Tools, um Alexa zu verbessern". Nach Angaben der Welt am Sonntag wurden die Stellenanzeigen gelöscht, nachdem die Zeitung Amazon mit den Recherchen konfrontiert hatte.

Dass Fragmente von Alexa-Aufnahmen auch von Menschen ausgewertet würden, war im Frühjahr durch einen Bericht des Finanzdienstes Bloomberg bekanntgeworden. Damals ging es um das Anhören der Aufnahmen bei einem Dienstleister in Rumänien.

Google und Apple haben Auswertung von Mitschnitten gestoppt

Schnell kam heraus, dass dies auch bei den beiden anderen vielgenutzten Sprachassistenten - Apples Siri und Google Assistant - der Fall sei. Bei Apple gab es zumindest einen Hinweis auf solche Transkriptionen in einem Sicherheitsdokument für Entwickler. Keiner der Anbieter wies aber bei der Einrichtung der Assistenten ausdrücklich darauf hin, dass auch ihre Mitarbeiter oder Dienstleister die Aufnahmen zu hören bekommen könnten.

Anfang Juli gab es neue Kritik, nachdem Mitschnitte vom Google Assistant aus den Niederlanden geleakt worden waren. Das veranlasste den Hamburger Datenschützer Johannes Caspar, ein Verwaltungsverfahren gegen Google einzuleiten. Google setzte Anfang Juli die Auswertung der Aufnahmen durch Menschen aus - das wurde allerdings erst einen Monat später bekannt. Apple folgte mit einem weltweiten Stopp am vergangenen Freitag - und kündigte an, Nutzer künftig um Erlaubnis zum nachträglichen Anhören von Mitschnitten durch Mitarbeiter zu fragen. Die Funktion solle in einem späteren Software-Update umgesetzt werden.

Wenn der digitale Assistent ungewollt lauscht

Digitale Assistenten wie Alexa, Google Assistant oder Siri reagieren auf Sprachbefehle des Nutzers. Ein Beispiel: Auf "Alexa, regnet es heute?" gibt es den aktuellen Wetterbericht. Die Alexa-Software wird vor allem auf den Echo-Lautsprechern des Unternehmens genutzt. Amazon arbeitet aber - genau wie Google bei seinem Assistant - daran, sie in möglichst vielen Geräten verschiedener Hersteller unterzubringen. Siri lässt sich nur auf Apple-Geräten aufrufen. Der Google Assistant ist außer auf smarten Lautsprechern auf vielen Smartphones vertreten, Ähnliches gilt für Siri.

Die Assistenten starten die Aufzeichnung erst, wenn sie das Aktivierungswort hören, dafür müssen die entsprechenden Mikrofone aktiv sein. Im Fall von Alexa ist es voreingestellt der Name des digitalen Assistenten. Nur Besitzer von Echo-Geräten können wahlweise auch Echo, Amazon oder Computer als Signalwort bestimmen. Für Alexa-Lautsprecher anderer Hersteller steht diese Option nicht bereit. Google Assistant wird mit "Hey Google", "Okay Google" oder den weniger verbreiteten Phrasen "Hey Buubuu" respektive "Okay Buubuu" aktiviert - das erhöht das Risiko etwas, dass die Geräte ungewollt anspringen, weil der Assistent auf so viele unterschiedliche Signalwörter reagiert. Apples digitaler Assistent wird mittels "Hey, Siri" aktiviert.

Ein Problem sind dabei fehlerhafte Aktivierungen, bei denen die Software glaubt, ihr Weckwort gehört zu haben, obwohl die Assistenten nicht vom Nutzer aktiviert wurden. Vor allem in solchen Situationen können Sätze und Unterhaltungen aufgezeichnet werden, die nicht an die Sprachassistentin gerichtet waren. Beim nachträglichen Anhören sollen die Mitarbeiter auch herausfinden, welche Worte oder Geräusche die versehentliche Aktivierung auslösten, um die Software entsprechend anzupassen. Laut Google werden rund 0,2 Prozent der Aufzeichnungen nachträglich angehört, Apple und Amazon zufolge sind es weniger als ein Prozent.

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gbpa005 06. Aug 2019

Volle Zustimmung.

heikom36 06. Aug 2019

...soll herausfinden, auf welche Spracheingaben falsch reagiert worden ist. Natürlich...

Anonymer Nutzer 05. Aug 2019

Geht noch mehr Polemik? Die Spracherkennung ist erst mal an sich völlig Gefahrlos und...

Anonymer Nutzer 05. Aug 2019

Warum sollten es? Nur weil das Märchen immer wieder irgendwelche Ahnungslosen...



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