Digitalausschuss: Facebook-Contentmoderator nach Bundestags-Aussage abgestraft
Die Vorsitzende des Digitalausschusses im Deutschen Bundestag, Tabea Rößner (Grüne), hat scharfe Kritik an der Freistellung eines Contentmoderators wenige Tage nach einer Anhörung(öffnet im neuen Fenster) geübt. "Dass die Stellungnahme in einer Ausschusssitzung des Deutschen Bundestages zu beruflichen Nachteilen führt, ist ungeheuerlich" , sagte Rößner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Damit würden der Erkenntnisgewinn und Beratungen des höchsten Verfassungsorgans Deutschlands behindert.
Mitte Juni hatte der Contentmoderator Cengiz Haksöz im Digitalausschuss von seiner belastenden Arbeit für das Unternehmen Telus International in Essen(öffnet im neuen Fenster) , einem Dienstleister des Facebook-Mutterkonzerns Meta berichtet, wo er Tausende Stunden Videomaterial teils mit Gewaltdarstellungen gesichtet habe. Danach wurde Haksöz von Telus freigestellt und mit einem Betretungsverbot der Firma belegt.
Verdi sieht Behinderung von Betriebsratswahl
"Cengiz Haksöz hat im Digitalausschuss eindrücklich die Arbeitsbedingungen in der Content-Moderation beschrieben und damit völlig zu Recht große Anerkennung und Anteilnahme der Abgeordneten erfahren" , sagte auch die stellvertretende Ausschussvorsitzende Anna Kassautzki (SPD) der Funke Mediengruppe. "Ich erwarte von den großen Plattformen, dass sie selbst die Verantwortung über die Content-Moderation übernehmen, und dies nicht länger in Subunternehmen auslagern" , fügte sie hinzu.
Öffentlich gemacht wurde der Fall durch die Gewerkschaft Verdi(öffnet im neuen Fenster) , nach der Haksöz Vorsitzender des Wahlvorstandes für einen Betriebsrat für die rund 1.800 Telus-Beschäftigten ist. Verdi kündigte rechtliche Schritte an. "Wir fordern die Rücknahme der Freistellung und das Zugangsrecht zum Betrieb und werden das zur Not auch einklagen. Und wir prüfen, ob wir die Behinderung der Betriebsratswahl gemäß Paragraf 20 Betriebsverfassungsgesetz anzeigen. Diese ist strafbar" , sagte Verdi-Vorstandsmitglied Christoph Schmitz.
Die Beschäftigten bei Telus haben unter anderem die Aufgabe, illegale und jugendgefährdende Inhalte zu prüfen sowie extreme Gewaltdarstellungen von den Social-Media-Plattformen Instagram und Facebook des Meta-Konzerns zu löschen.
Beschäftigte in den Auftragsfirmen hätten oft deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen und geringere Bezahlung als direkt bei den Social-Media-Unternehmen angestellte Content-Moderatoren. Verdi fordert Zugang zu externer psychologischer Betreuung für die Moderatoren, bessere Arbeitszeitgestaltung sowie bessere Bezahlung in Form einer Gefahrenzulage.
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