Digital souverän in Schleswig-Holstein: Die Mühen der digitalen Ebene
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Bei Eigenentwicklungen für den Staat sei "gezielt Technologie zur Souveränität zu fördern" . Zudem sei es notwendig, "unabhängige und offene Sicherheits- und Verschlüsselungslösungen" zu entwickeln, "um Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern systematisch zu reduzieren" . Und generell habe für den Staat das Prinzip "Public Money, Public Code" zu gelten.
Diese Forderungen könnten zwar auch den Statuten der Piratenpartei entnommen sein, tatsächlich handelt es sich aber um einen CDU-Parteitagsbeschluss von Ende Februar. Bis vor Kurzem hatten dieselben Politiker die jahrzehntelange Dominanz proprietärer Software aus den USA noch als gleichsam gottgegeben hingenommen. Wie man sieht, ändert sich das jetzt.
Transitionen und Friktionen
Während der Umstellungsprozess auf freie Software auf Bundesebene noch ganz am Anfang steht , ist ein kleines Bundesland im Norden schon weit vorgeprescht. Im schwarz-grün regierten Schleswig-Holstein wurde der Umstieg nämlich bereits 2023 eingeläutet. Aus diesem Jahr stammt auch der Ansatz einer digitalen Souveränitätsstrategie, die mittlerweile alle Bereiche der landeseigenen IT durchdrungen hat.
Naturgemäß geht eine so bedeutende Umstellung nicht ohne Friktionen ab. Das gilt besonders für das Software-Ökosystem von Microsoft, bei dem multiple Abhängigkeiten der Programme untereinander bestehen. Golem hat dazu bei Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter mit Fokus auf die Probleme angefragt , die bei dieser Transition bis jetzt aufgetreten sind.
Strategisches No-Go, die erste
Etwas verkürzt gesagt ergab eine Umstellung die nächste. Applikationen, deren Transition erst im späteren Verlauf vorgesehen war, mussten vorgezogen und einige Prozesse unter Zeitdruck parallel abgewickelt werden. Und das passierte längst nicht immer nach Plan, denn der Zeitpunkt diverser Umstellungen wurde auch durch ablaufende Lizenzen vorgegeben.
Der Wechsel zu Libre Office war eine Reaktion auf eine Änderung in der Produktpolitik bei Microsoft, die Büro- und Mailprogramme nur noch in der Azure-Cloud anzubieten . Dass der gesamte Landesverwaltungsapparat dadurch de facto in die Cloud eines US-Softwarekonzerns ausgelagert worden wäre, trug offenbar wesentlich zur Entscheidung zum Umstieg auf freie Software bei.
Mit Stand Dezember 2025 läuft bereits auf 80 Prozent der 60.000 Behördenrechner in Schleswig-Holstein Libre Office anstelle des Produkts von Microsoft. Auf rund ebenso vielen Arbeitsplätzen werden Thunderbird und Open Xchange genutzt.
Strategisches No-Go, die zweite
In Österreich hatte sich das Verteidigungsministerium angesichts eines vergleichbaren Dilemmas ebenfalls für den Umstieg auf Open Source entschieden. Die Führung und Verwaltung der Armee eines neutralen Staats in der Cloud eines Konzerns abzuwickeln, der unter der Jurisdiktion eines Drittstaats steht, wurde als strategisches No-Go eingestuft.
Und weil in einem Software-Ökosystem wie jenem von Microsoft die einzelnen Applikationen vielfach ineinandergreifen, machte die Migration zu Libre Office in Österreich wie auch in Schleswig-Holstein sofort weitere Schritte nötig .
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