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Digital Detox: Stiehlt uns das Internet Lebenszeit?

Menschen technische Geräte wegnehmen und damit Geld verdienen: Um die Sehnsucht nach der guten alten internetlosen Zeit der 80er Jahre ist ein ganzer Industriezweig entstanden - den zumindest manche Mediziner ernst nehmen.

Ein Bericht von Juliane Leopold veröffentlicht am
Im Camp Groundet erholen sich Nutzer vom Internet.
Im Camp Groundet erholen sich Nutzer vom Internet. (Bild: LindsayT... /Flickr/CC-BY 2.0)

Etwa ein Dutzend Erwachsene stehen auf einer Waldlichtung, hinter sich ein Lagerfeuer. Im Gesicht haben sie bunte Streifen. Sie tragen keine Jeans, sie tragen Tierkostüme mit Kapuzen oder lange, fließende Gewänder und Federschmuck im Haar. In ihren Händen sind Pfeile und Bogen. Sie heißen nicht mehr Alexander oder Julia, sondern Bär oder Regenbogen. Was aussieht wie ein Spiel, ist ihnen bitterernst. Sie spielen nicht, sie wollen entgiften.

Niemand von ihnen darf ein digitales Gerät mit sich führen, geschweige denn benutzen. Sie sind hier, um sich von digitaler Technologie zu erholen - ein Phänomen, über das seit einigen Jahren viel diskutiert wird und das ein eigener Industriezweig bedient. Doch wer überhaupt digitale Entgiftung nötig hat und in welcher Form, ist nicht so leicht zu sagen.

Technische Geräte abgeben und wieder Mensch sein

Levi Felix war der Unternehmer, der aus der simplen Idee, Erwachsenen für ein paar Tage ihr Smartphone, Rechner und Tablet wegzunehmen, ein Geschäftsmodell machte. Er nannte seine Idee Digital Detox - digitale Entgiftung. Das Heilsversprechen: durch Verzicht auf digitale Technologie wieder lernen, was es bedeute, Mensch zu sein. Der Begriff hat mittlerweile eine Karriere vom ideologisch verbrämten Geschäftsmodell zu einem von zumindest manchen Medizinern absolut ernst genommenen Konzept gemacht.

An seinem Sommerferienlager für Erwachsene mit dem Namen Camp Grounded, ein Wortspiel aus "Hausarrest" und "geerdet", haben seit seiner Gründung 2013 mehr als 3.000 Menschen teilgenommen, darunter Bär und Regenbogen. Die Idee verbreitete sich rasant und findet immer mehr Anhänger, auch in Deutschland, wo inzwischen auch Digital-Detox-Reisen angeboten werden. Vor kurzem starb Levi Felix an einem Hirntumor. In einer Trauerrede auf Felix' Beisetzung wird ein Mann zitiert, der sagt, vor dem Aufenthalt in Camp Grounded habe er sich das Leben nehmen wollen, aber jetzt sei alles anders.

Stiehlt das Internet Lebenszeit?

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Digital Detox als Mittel gegen die Depression? Der Verzicht auf digitale Technologie als Heilsbringer? Die Idee fand ihren Weg aus dem Wald hinaus in die Wissenschaft. Die US-Psychotherapeutin Nancy Colier schrieb ein Buch mit dem Titel The Power of Off, sinngemäß übersetzt mit Die Macht des Aus-Schalters. Sie sagt: "Wir verbringen zu viel Zeit mit Dingen, die eigentlich nicht wichtig sind". Colier ist überzeugt, nur analoge Beziehungen gäben uns das Gefühl, uns in der Welt zu spüren. Permanente Erreichbarkeit über digitale Technologie hingegen versetze uns in ständigen Alarmzustand, der uns auf die Dauer auslauge.

Unter Psychotherapeuten gibt es also Befürworter der digitalen Enthaltsamkeit, das Gleiche gilt paradoxerweise auch für einige, deren Beruf es ist, digitale Technologie zu entwickeln. Tristan Harris, ein ehemaliger Mitarbeiter von Google, warnt heute davor, unsere Zeit online zu verbringen. Er sagt, Unternehmen wie Google wollten uns bewusst Zeit für die Pflege von sozialen Beziehungen offline stehlen.

Wann wird Technik toxisch - und für wen? 
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Robert0 13. Mär 2017

Die Sache ist doch ganz einfach. Da ich nicht ständig durch elendlange "mein Stream...

berritorre 12. Mär 2017

Den Anruf nimmt halt ein Kollege entgegen. Wenn nur eine Person im Team dem Kunden...

blubby666 10. Mär 2017

30min? Ich hab zum einrichten meines Androids 5min gebraucht. Hättest dir wohl kein...

Muhaha 10. Mär 2017

Richtig. Aber Trends SIND Folge individuellen Verhaltens, weil es ausreichend Menschen...

Muhaha 10. Mär 2017

Schon. Das war auch nur eine Anspielung auf "Das Internet stiehlt uns Lebenszeit" :)


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