Dieselskandal: Hacker weist Daimler Abgas-Manipulation nach

Der Hacker identifizierte gleich acht Abschalteinrichtungen, mit denen eine E-Klasse im dreckigen Modus fuhr. Diese gelten als besonders dreist.

Artikel veröffentlicht am ,
Eine Mercedes E-Klasse
Eine Mercedes E-Klasse (Bild: Capri Tography/Pixabay)

Der Forscher und Hacker Felix Domke hat mehrere Abschalteinrichtungen in der Abgassoftware von Daimler gefunden. Diese reduzieren die Abgasreinigung, sodass das Auto deutlich zu viel gesundheitsschädliche Stickoxide ausstößt. "Eine dieser Abschalteinrichtungen ist eigentlich auf der Straße immer aktiviert, wodurch der Wagen praktisch die gesamte Zeit im dreckigen Modus fährt", sagte Domke dem Nachrichtenmagazin Spiegel (Paywall).

Das Kraftfahrtbundesamt hat bereits 34 Mercedes-Modelle, darunter auch das von Domke untersuchte, wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen zurückgerufen. Zehntausende Besitzer haben Daimler auf Schadensersatz verklagt, zudem ist eine Sammelklage des Verbraucherzentrale Bundesverbands auf dem Weg.

Bisher scheiterten die Kläger jedoch häufig daran, dass sie die Manipulationen nicht nachweisen konnten. Die Anwaltskanzlei Milberg aus den USA vertritt Kläger aus verschiedenen Ländern, darunter Deutschland, und hat Domke beauftragt, die Autosoftware von Daimler zu untersuchen. Seine Erkenntnisse hat Domke in einem 30-seitigen Gutachten zusammengetragen, das dem Spiegel und einem Rechercheteam des Bayrischen Rundfunks vorliegt.

Der Forscher ist kein Unbekannter. Als erster externer Experte konnte er Volkswagen vor sechs Jahren nachweisen, wie es seine Abgassoftware manipuliert hatte. Mit dieser erschienen dreckige Diesel auf dem Prüfstand sauber. Anschließend überführte er auch Opel und Porsche.

Gebrauchte E-Klasse untersucht und fündig geworden

Für seine Untersuchung kaufte Domke eine gebrauchte E-Klasse von Daimler - Baujahr 2015. Das war vor rund einem Jahr, seitdem hat das Auto 5.000 Kilometer mehr auf dem Tacho und Domke gleich acht Abschalteinrichtungen identifiziert. Damit konnte er nachweisen, wie die Software von Daimler die Abgasreinigung manipuliert.

Dabei geht es um den SCR-Katalysator, der mithilfe von Adblue Stickoxide in Abgasen unschädlich macht. Dazu muss das harnstoffhaltige Mittel eingespritzt werden, entsprechend braucht es einen Tank im Auto. Damit der Kofferraum nicht zu klein wird, durfte der Adblue-Tank nicht zu groß werden. Gleichzeitig sollte dieser nicht zwischen den Wartungsintervallen von den Autobesitzern nachgefüllt werden müssen.

Der Katalysator funktioniert jedoch nur bei hohem Adblue-Verbrauch effizient. Ein Alternativ-Modus, der vom Hersteller Bosch wohl für Ausnahmesituationen vorgesehen war - beispielsweise, wenn das Auto eine extreme Leistung bringen soll - wird in den Daimler-Fahrzeugen wohl dauerhaft eingesetzt.

Um in diesen Modus zu wechseln, kommen die von Domke identifizierten Abschalteinrichtungen zum Einsatz. Beispielsweise wird ab einer bestimmten Abgasmenge, die bei rund 100 km/h entsteht, in den schmutzigen Modus umgeschaltet. Auffällig ist, dass die Abschalteinrichtungen schneller greifen, wenn das Auto ein bestimmtes Alter erreicht hat.

Demnach wird nach rund 3.000 gefahrenen Kilometern, wenn das Auto ungefähr ein Prozent seiner Lebensdauer erreicht hat, schneller umgeschaltet. Physikalisch lässt sich das kaum rechtfertigen, allerdings werden Abgastests für die Genehmigungen nur mit neuen Autos durchgeführt.

Fast nie im sauberen Modus gefahren

"Mir fiel es schwer, den Wagen überhaupt mal im sauberen Modus zu fahren", sagte Domke. Der Motorenforscher Kai Borgeest hält die beschriebenen Abschalteinrichtungen gar für die dreistesten, die er kenne. Ein Sprecher von Daimler betonte hingegen gegenüber dem Spiegel, dass es sich "im Zusammenspiel und Gesamtkontext des hochkomplexen Emissionskontrollsystems" nicht um "unzulässige Abschalteinrichtungen" handle. Das sehen Domke und die Anwälte allerdings anders.

Dabei wirkt es fast wie ein Schuldeingeständnis, dass Daimler in einem Softwareupdate alle acht Abschalteinrichtungen deaktiviert hat. Das war Domke aufgefallen, nachdem er das vom Kraftfahrtbundesamt vorgeschriebene Update installiert hatte. Seitdem kann er die E-Klasse mit weniger schlechtem Gewissen fahren: "Der Wagen hält die Grenzwerte mühelos ein", sagt der Forscher. Allerdings muss er jetzt regelmäßig Adblue nachfüllen.

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M.P. 10. Nov 2021

Das finde ich etwas polemisch, aus zwei Gründen 1) Ladesäulen mit 350 kW Ladeleistung...

Thorgil 08. Nov 2021

Toyota ebenfalls. Genau wie so ziemlich jeder andere Hersteller nachweislich und nicht...

Fish Fingers 08. Nov 2021

Das ist völlig richtig, der Schaden ist in diesem Fall der Gesellschaft entstanden...

thinksimple 08. Nov 2021

Unterstellt mir nicht eine Beleidigung die ich nicht getätigt habe.... Und ich warte...



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