Dienstwagenprivileg: EU plant strengere E-Auto-Quoten für Firmenwagen

Die EU-Kommission bereitet offenbar eine Kompromisslösung beim Thema Verbrenner-Aus vor. Während das geplante Verbot ab 2035 möglicherweise gelockert wird, sollen gewerbliche Fahrzeugflotten deutlich schneller elektrifiziert werden. Der Vorschlag könnte bereits im Dezember präsentiert werden, wie das Handelsblatt berichtet(öffnet im neuen Fenster) .
Nach Informationen aus Industrie- und Diplomatenkreisen arbeitet Brüssel an einem zweigleisigen Ansatz. Das Verbrenner-Aus für Privatkäufer könnte demnach entschärft werden. Im Gegenzug plant die Kommission strengere Vorgaben für Unternehmensflotten, Leasingfahrzeuge und Dienstwagen. Gewerbliche Zulassungen machen rund 60 Prozent aller Neuwagen in Europa aus.
Die Rede ist von einer Elektroquote von 50 Prozent bis 2027 für neue gewerbliche Fahrzeuge. Bis 2030 könnte der Anteil auf 90 Prozent steigen. Das Vorhaben trägt den Arbeitstitel Greening Corporate Fleet und soll am 10. Dezember zusammen mit anderen Regelungen vorgestellt werden.
Für Unternehmen wäre dies eine deutliche Verschärfung. Der Elektroanteil in EU-Flotten lag 2024 bei lediglich 12,4 Prozent. Damit blieben gewerbliche Halter sogar hinter privaten Käufern zurück.
Widerstand aus der Wirtschaft
Die Autoindustrie zeigt sich besorgt über die möglichen Pläne. Ein Vertreter eines deutschen Herstellers bezeichnet den Vorschlag gegenüber dem Handelsblatt als problematisch. Die ohnehin unter Druck stehenden Margen könnten durch einen forcierten Elektrohochlauf weiter belastet werden.
Auch Leasinggesellschaften und Autovermieter äußern Bedenken. Unternehmen wie Sixt, Hertz und Europcar hatten zuletzt E-Modelle aus ihren Flotten genommen. Als Gründe nennen sie schwache Nachfrage, höhere Reparaturkosten und sinkende Restwerte. Sixt-Vorstand Nico Gabriel spricht gegenüber dem Handelsblatt von einem faktisch vorgezogenen Verbrennerverbot.
Die Kommission könnte unterschiedliche Vorgaben für verschiedene Zulassungskanäle festlegen. Unternehmensflotten würden demnach am stärksten betroffen sein. Bei Mietfahrzeugen könnte es Ausnahmen geben.
Steuerliche Anreize im Fokus
In Brüssel wird zudem diskutiert, Plug-in-Hybride oder Range-Extender als emissionsfreie Fahrzeuge anzurechnen. Diese Entscheidung würde sich auf die Flottenregulierung auswirken. Range-Extender kombinieren einen Elektromotor mit einem kleinen Verbrennungsmotor.
Die EU-Kommission prüft auch nationale Regelungen zur Zielerreichung. In Deutschland könnte das Dienstwagenprivileg angepasst werden. Steuerliche Vorteile würden dann möglicherweise nur noch für E-Autos gelten.
Der CSU-Europapolitiker Markus Ferber kritisierte gegenüber dem Handelsblatt die Pläne. Er spricht von einem Verbrennerverbot durch die Hintertür. Die Probleme der Automobilindustrie würden nicht gelindert, sondern neue Herausforderungen geschaffen.



