Dienstwagen: Lidl verzichtet auf neue E-Autos
Warum verzichtet ausgerechnet einer der größten Arbeitgeber Europas auf E-Mobilität bei den eigenen Dienstwagen? Die Antwort liegt weniger in der Technik als im Kleingedruckten der Fahrzeugbeschaffung.
Was ist passiert? – Lidl-Mutterkonzern stoppt Neubestellungen
Mit über 600.000 Beschäftigten weltweit zählt die Schwarz-Gruppe zu Europas größten Arbeitgebern. Ausgerechnet in diesem Umfeld will das Unternehmen vorerst keine vollelektrischen Fahrzeuge mehr für neue Dienstwagen zulassen. Ein Sprecher nannte gegenüber Business Insider(öffnet im neuen Fenster) die Volatilität auf dem Automobilmarkt sowie veränderte regulatorische Rahmenbedingungen als Gründe für die Entscheidung.
Anders als viele Unternehmen kauft die Schwarz-Gruppe ihre Dienstwagen direkt, statt sie zu leasen. Nach einigen Jahren werden die Fahrzeuge gebraucht weiterverkauft. Genau an dieser Stelle setzt die Kritik des Konzerns an.
Wertverlust und Steuervorteil als Falle
Elektroautos verlieren auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt derzeit deutlich an Wert. Die Nachfrage nach gebrauchten Stromern bleibt schwach. Technische Fortschritte bei Reichweite, Ladedauer und Software lassen ältere Modelle rasch veraltet wirken.
Als Neuwagen bleiben E-Dienstwagen dennoch gefragt, denn der Fiskus begünstigt sie deutlich. Wer einen Stromer als geldwerten Vorteil versteuert, zahlt nur 0,25 Prozent des Listenpreises. Bei Verbrennern ist es ein Prozent. Bei einem Fahrzeug für 60.000 Euro macht das monatlich 150 statt 600 Euro zusätzliche Steuer aus.
Dieser Steuervorteil treibt vor allem die Nachfrage nach neuen E-Dienstwagen in die Höhe. Bei Gebrauchtwagen fehlt der Effekt komplett, der Wertverlust bleibt ungebremst. Die EU erwägt zugleich, größere Unternehmen in Ländern wie Deutschland zu einem vollständigen Umstieg auf Elektrofahrzeuge zu verpflichten. Bis eine solche Vorgabe verbindlich wird, bleibt es bei einer Absichtserklärung.
Für die Schwarz-Gruppe überwiegt vorerst das Risiko des Wertverlusts. Solange der Gebrauchtwagenmarkt E-Autos schlechter bewertet als Verbrenner, rechnet sich die eigene Beschaffungsstrategie mit Neuwagen aus Sicht des Konzerns kaum.
Wie reagiert der Konzern? – Klimaziele trotz Verbrenner-Kurs
Die Schwarz-Gruppe betonte gegenüber Business Insider, der Schritt sei keine Abkehr vom Klimaschutz. In anderen europäischen Ländern beschafft der Konzern weiterhin neue Elektrofahrzeuge. In Deutschland verweist man stattdessen auf Alternativen wie Jobräder oder Firmentickets.
Am globalen Ziel, bis 2050 klimaneutral zu wirtschaften, halte man fest, teilte das Unternehmen Business Insider mit. Als Beleg nennt der Konzern sein eigenes Ladenetz. Ende des Geschäftsjahres 2025 zählte es 24.024 Ladepunkte an 6.973 Standorten, ein Zuwachs von 245 Prozent innerhalb von fünf Jahren.
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