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Dienste und Programme: Was 2015 eingestellt wurde

Facebooks Creative Labs, Playstation Mobile und die Rufnummer 11865 haben eines gemeinsam: Sie wurden 2015 abgeschaltet, eingestellt oder geschlossen. Auch andere Dienste wurden von Entwicklern aufgegeben.
/ Steve Haak
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Closed - etliche Dienste und Programme wurden 2015 eingestellt. (Bild: Jason/Flickr.com)
Closed - etliche Dienste und Programme wurden 2015 eingestellt. Bild: Jason/Flickr.com / CC BY 2.0

"Das war das Einzige, was ich noch tun konnte" , sagte Team-Mitglied Wally, nachdem er die Server von PopcornTime.io im Oktober 2015 abgeschaltet hatte. So ähnlich wie Wally erging es in diesem Jahr auch Mitarbeitern in anderen Unternehmen: Sie mussten ihren Dienst abschalten und aufgeben. Wir haben 2015 über viele solcher Unternehmen und Programme berichtet. Eine Auswahl.

Aus für das Betaprogramm von Google Glass

Im Januar stellt Google sein Betaprogramm für Google Glass ein . Ein paar Tage später wird die Datenbrille im Rahmen des Explorer-Programms nicht mehr verkauft. Das Ende soll für Google Glass aber ein Anfang sein. Denn das Unternehmen überführt das Projekt in eine eigene Abteilung, um die Brille für den Massenmarkt fit zu machen.

Google Glass auf der SXSW
Google Glass auf der SXSW (50:39)

Der Schritt, den Verkauf von Google Glass erst einmal wieder einzustellen, hat sich schon länger abgezeichnet. Ursprünglich wollte Google die Datenbrille schon ab 2013 vertreiben, verkündete dann aber im Frühjahr 2013, damit erst im Jahr 2014 zu beginnen. Entwickler und Tester konnten die Betaversion der Datenbrille für 1.500 US-Dollar kaufen. Wann sie endgültig auf den Markt kommen wird, ist nicht bekannt.

Kein Sternetausch mehr bei Nintendo

Schluss mit dem Tausch von Sternen gegen exklusive Sammlereditionen: Nintendo teilt im Januar mit(öffnet im neuen Fenster) , seinen Club Nintendo nicht weiterführen zu wollen . Die neuen Handhelds 3DS und 3DS XL sind die ersten Systeme, denen keine Club-Nintendo-Registrierungskarten mehr beiliegen.

Am 30. September ist es dann soweit: Die Club-Nintendo-Funktionen werden abgeschaltet. Das heißt, Nintendo lässt keine Neuanmeldungen mehr zu. Der Erwerb von Sternen und das Eintauschen von Sternen gegen Produkte oder Software sind nicht mehr möglich. Laut Nintendo soll demnächst ein neues Mitgliederprogramm gestartet werden.

Chrome-Support für Android 4.0 wird eingestellt

Kein Chrome-Support für Android 4.0 mehr : Im Herbst 2011 ist Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich (ICS) erstmals erschienen, das letzte offizielle Update stammt aus dem Frühjahr 2012. Trotzdem ist der Chrome-Browser von Google bisher für diese Version verfügbar gewesen.

Chrome 42, das Mitte April erscheint, ist die letzte gepflegte Version für Android 4.0. Zwar stellt Google noch kleine Updates für den Browser in den Wochen nach der Veröffentlichung bereit, Version 43 erscheint für das Betriebssystem aber nicht mehr.

Der Grund: Laut Google gehen die Nutzerzahlen zurück. Außerdem sei die Entwicklung neuer Funktionen auf alten Geräten mit einigen Schwierigkeiten verbunden, was vor allem für das Bauen und Testen gelte, erklärt Google.

Eine Alternative ist zum Beispiel Firefox. Der Browser kann sogar mit weitaus älteren Android-Versionen als Version 4.0 genutzt werden.

Playstation Mobile, Onlive, 11865 und Silent Hills

Aus für Playstation Mobile

Mit Playstation Mobile wollte Sony unter anderem ältere Playstation-Spiele auf Smartphones vertreiben. Im März wird der Dienst eingestellt . Bis September können Nutzer bereits gekaufte Spiele noch herunterladen - dann ist endgültig Schluss.

Bereits im August 2014 hatte Sony bekanntgegeben, den Support für die Android-App einzustellen. Playstation Mobile - das vor 2012 den Namen Playstation Suite hatte - sollte eigentlich eine Sony-eigene Alternative zu iTunes und Google Play werden. Spieler sollten darüber etwa Zugriff auf ältere Playstation-Titel für Smartphones, Tablets und die PS Vita erhalten.

Spiele-Streaming-Dienst Onlive gibt auf und verkauft an Sony

Schon mal von Onlive gehört? Bevor der Streaming-Spiele-Service richtig bekanntwerden kann, muss er auch schon wieder schließen . Im April gibt Onlive über seinen Twitter-Account bekannt, wichtige Reste des Unternehmens an Sony zu verkaufen. Den Dienst zu retten, daran hat Sony kein Interesse.

Onlive und die Zukunft von Gaming
Onlive und die Zukunft von Gaming (10:35)

Ursprünglich bestand einmal viel Hoffnung für den Onlive-Dienst, der das Streamen von Spielen auf einfache Hardware ermöglichte. HTC investierte etwa 40 Millionen US-Dollar in das Unternehmen. Im August 2012 meldete Onlive dann Insolvenz an.

Im Schnellverfahren konnte sich das Unternehmen aus der Situation befreien. Drei Jahre später, im April 2015, ist dann endgültig Schluss.

Bundesnetzagentur schaltet 11865 und 11878 ab

Ebenfalls im April ordnet die Bundesnetzagentur die Abschaltung der Auskunftsdienste unter den Rufnummern 11865 und 11878 an . Als Begründung für die Abschaltung heißt es: "Ortsnetzrufnummern, kostenlose 0800er-Rufnummern oder Service-Dienste-Rufnummern wurden genutzt, um Verbraucher zum Anruf der Auskunftsrufnummern 11865 und 11878 zu veranlassen. Hohe Tarife wurden so gezielt verschleiert." Dadurch seien gesetzliche Vorgaben zur Preistransparenz umgangen worden, das sei kein zulässiges Geschäftsmodell. Die Behörde hatte viele Beschwerden zu den Auskunftsdiensterufnummern erhalten.

Entwicklung von Silent Hills ist eingestellt

Die Enttäuschung der Fans ist groß: Im April teilt der japanische Videospielhersteller Konami mit , dass die Entwicklung von Silent Hills eingestellt wurde.

Der Streit zwischen Spieledesigner Hideo Kojima und dem japanischen Publisher Konami war nicht mehr zu schlichten. Der nächste Teil der legendären Serie Silent Hill sollte eigentlich für Konami in einer Kooperation zwischen Kojima und dem Regisseur Guillermo del Toro entstehen.

Vor der offiziellen Einstellung von Silent Hills hat Konami mitgeteilt, eine spielbare Demo des auf der Gamescom 2014 vorgestellten Titels P.T. aus dem Playstation Store zu entfernen. P.T. diente als Vorgeschmack auf Silent Hills.

Secret, Pagespeed, Infinite Crisis und Geeksphone

Aus für Secret

Etwas mehr als ein Jahr lang gab es Secret. Ab April 2015 wird die App nicht weiterentwickelt . Gründer und Chef David Byttow gibt die Schließung der Anwendung bekannt, über die Nutzer anonym alle möglichen heiklen Dinge oder auch Geheimnisse mit dem Rest der Welt teilen konnten.

Secret entspreche in der aktuellen Form nicht mehr der Vision, die er beim Start gehabt habe, schreibt Byttow. Die App sei in 16 Monaten von über 15 Millionen Menschen genutzt worden.

Secret hatte sich rund 30 Millionen US-Dollar bei Investoren besorgt. Die Geldgeber bekommen die noch vorhandenen Mittel zurück.

Google stellt Online-Geschwindigkeitsanalyse Pagespeed ein

Über vier Jahre nach seiner Veröffentlichung stellt Google im Mai seinen Online-Dienst Pagespeed ein . Nutzer des Dienstes müssen bis zum 3. August ihre DNS-Einträge entsprechend umgestellt haben, sonst sind ihre Webseiten nach dem endgültigen Abstellen des Dienstes nicht mehr erreichbar.

Betroffene Kunden fordert Google in seiner Ankündigung dazu auf, in der Console die Liste der benutzten Domains zu überprüfen und die Anpassungsarbeiten durchzuführen. Eine ausführliche Anleitung stellt das Unternehmen ebenfalls bereit.

Mit Pagespeed konnten Anwender das Ladeverhalten ihrer Webseiten analysieren und bei schlechten Ergebnissen das Verhalten optimieren.

Superhelden-Moba Infinite Crisis wird eingestellt

Keine zwei Monate nach dem offiziellen Start heißt es Game Over für Batman, Superman und Catwoman: Betreiber Warner Bros Games schaltet Mitte August 2015 die Server für das Spiel Infinite Crisis ab .

Gründe nennt das Unternehmen nicht. Vermutlich war die Konkurrenz durch andere Mobas zu groß. Fast parallel zum Aus für Infinite Crisis ist Blizzards Heroes of the Storm offiziell an den Start gegangen. Für die Entwicklung war das US-Studio Turbine zusammen mit DC Comics zuständig.

Infinite Crisis konnte bis zum 14. August komplett kostenlos gespielt werden, danach war Schluss. Wer sich auf Steam ein Starter oder Elite Pack gekauft hat, konnte eine Erstattung anfordern.

Smartphone-Hersteller Geeksphone hört auf

Künftig wird es keine neuen Smartphones von Geeksphone geben: Der spanische Hersteller teilt im Juli mit, dass er nach sechs Jahren das Geschäft aufgeben wird . Die technische Unterstützung für Kunden will Geeksphone vorerst weiterführen.

Geeksphone Revolution - Test
Geeksphone Revolution - Test (02:23)

Geeksphone stellte neben Android-Smartphones als einer der ersten europäischen Hersteller auch Firefox-OS-Smartphones her. Mit dem Modell Revolution hat Geeksphone zudem ein Gerät veröffentlicht, das dem Nutzer die Wahl zwischen Android und Firefox OS lässt.

Die Programmierer des Unternehmens wechseln zu Silent Circles Blackphone-Projekt. Die beiden Gründer Rodrigo Silva-Ramos und Angel Sánchez Díaz wollen ein neues Projekt verfolgen.

World in Conflict, Zune und Paranoid Android

Im August teilt das schwedische Entwicklerstudio Massive Entertainment mit, am 6. Oktober die Server seines Echtzeit-Strategiespiels World in Conflict abstellen zu wollen . Dies geschehe aus einer Reihe von Gründen, so das zu Ubisoft gehörende Team, das derzeit an dem für 2016 geplanten Actionspiel The Division arbeitet.

Die Community ist enttäuscht. Einige Spieler bitten die Entwickler in Foren und auf Facebook um die Veröffentlichung der Serversoftware oder um den Quellcode, damit sie das Programm selbst weiterbetreiben können.

Microsofts Zune wird komplett eingestellt

Microsoft schaltet Mitte November 2015 seinen Onlinemusikdienst Zune ab . Musik können Nutzer via Zune nicht mehr herunterladen, auch die Lizenzverwaltung wird beendet. Die Hardware kann aber weiter eingesetzt und mit der Zune-Software synchronisiert werden.

Microsoft Zune HD - Test
Microsoft Zune HD - Test (04:04)

Mit dem Ende des Zune-Dienstes gehen Anwenderlizenzen von Zune-Hardware verloren. Die legal erworbenen Rechte für die Musik lassen sich nicht mehr erneut aktivieren. Für die Verwendung auf Zune-Hardware ist das allerdings notwendig.

Besonders erfolgreich war das Zune-Projekt von Microsoft nicht. Die Abspielgeräte schafften es nicht einmal nach Deutschland. Microsoft konzentrierte sich überwiegend auf den US-Markt.

Paranoid Android ist am Ende

Mit einem Google-Plus-Post gibt Entwickler Andre Saddler im Oktober das Ende von Paranoid Android bekannt . Saddler war einer der führenden Köpfe des alternativen Android-ROMs.

Paranoid Android PA4.5 Beta ausprobiert
Paranoid Android PA4.5 Beta ausprobiert (01:14)

Was war passiert? Der Smartphone-Hersteller übernahm Anfang des Jahres viele Entwickler von Paranoid Android. Seitdem arbeiteten sie vor allem an der Oneplus-Oberfläche Oxygen OS. Deswegen stellte sich schon einige Zeit später die Frage nach der Zukunft von Paranoid Android.

Saddler beklagt vor allem die mangelnde Kommunikation der Projektmitglieder, als sie zu Oneplus gewechselt sind. Sie hätten jedes Interesse an dem Projekt verloren, das sie erst dazu befähigt habe, von Oneplus eingestellt zu werden.

Alternative Android-ROMs im Überblick
Alternative Android-ROMs im Überblick (09:09)

Ganz so pessimistisch wie Saddler sieht das einer der Projektleiter bei Paranoid Android, Matt Flaming, nicht. Er bestätigte zwar, dass die verbleibenden Mitglieder bei Paranoid Android deutlich weniger Zeit als bisher für das Projekt aufwendeten. Gleichzeitig hofft Flaming aber auf eine Wiederbelebung des Projekts zu einem späteren Zeitpunkt.

Mission Motorcycles, Popcorntime.io und Facebooks Creative Labs

Der Elektromotorradhersteller Mission Motorcycles ist bankrott, meldet das Unternehmen im Oktober . Schuld daran ist laut Ex-Firmenchef Derek Kaufman indirekt Apple.

Das Unternehmen habe die besten Ingenieure von Mission Motorcycles abgeworben, was die Investoren verschreckt und schließlich zu weiteren Personalproblemen geführt habe. Apple habe gewusst, dass Mission Motorcycles gute Ingenieure für die Antriebstechnik habe, betont Kaufman.

Das Unternehmen aus San Francisco ist nicht das erste, das unter den massiven Abwerbeversuchen Apples leidet. Apple wirbt seit einiger Zeit Ingenieure aus der Automobilindustrie ab - und wurde bereits von einem Akkuhersteller verklagt. A123 Systems wirft Apple vor, wichtiges Personal abzuwerben, ohne Konkurrenzausschlussklauseln zu berücksichtigen.

Popcorntime.io vom Team abgeschaltet

Der Fork unter PopcornTime.io wird im Oktober endgültig abgeschaltet . Team-Mitglied Wally sagt der Redaktion danach, dass er die Server abschalten musste. "Das war das Einzige, was ich noch tun konnte." Alle Log-Dateien auf den Servern habe er gelöscht, um zu vermeiden, dass jemand gefährdet werde.

Laut Torrentfreak gab es im Team PopcornTime.io Streitigkeiten um Macht und Geld und Druck durch eine Klage der Filmindustrie in Hollywood. Die Domain gehört David Lemarier (phnz), der die Gruppe verlassen habe. Der Domain-Registrar Gandi.net habe sich geweigert, die Adresse an eine andere Person aus dem verbleibenden Team zu übertragen.

VPN.ht wurde von den Teammitgliedern Wally und phnz begründet und in Popcorn Time integriert. Durch den VPN machte das Team plötzlich hohe Umsätze, was die Aufmerksamkeit der Filmindustrie verstärkte. Im Team wurde darüber gestritten, den VPN-Dienst auszugliedern.

Facebook schließt seine Creative Labs

Im Dezember schließt Facebook seine App-Entwicklungsabteilung Creative Labs und gibt gleichzeitig drei Anwendungen auf: Rooms, Slingshot und Riff werden nicht mehr angeboten.

Slingshot und Riff sollen für die Nutzer, die sie installiert haben, weiter funktionieren. Bei Rooms wird man ab dem 23. Dezember nur noch frühere Einträge lesen können. Zugleich betont Facebook, es solle auch weiterhin neue Apps geben. Andere Anwendungen wie die Foto-App Moments oder die Chat-App Groups werden weiterhin unterstützt.

Die Creative Labs waren so etwas wie die kreative Entwicklungsabteilung bei Facebook. In den vergangenen Jahren entwickelten die Mitarbeiter dort eine Reihe von Anwendungen für Smartphones, die aus der Facebook-App ausgegliedert wurden - sogenannte Standalone-Apps.

Erfolgreich waren die Programme leider nicht. Dafür haben es einige Funktionen wieder zurück in die Facebook-App geschafft, wie zum Beispiel die Anstups-Funktion.

Auch im kommenden Jahr werden Dienste wie zum Beispiel Clickandbuy von Anbietern eingestellt und Programme wie Dropbox' E-Mail-Dienst Mailbox nicht weiterentwickelt werden. Wir werden darüber berichten.


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