Die Säulen der Erde im Test: Ken Follett zum Klicken

Seit Ende 2014 arbeiten Daedalic Entertainment und der Buchverlag Bastei Lübbe am Adventure zum Romanklassiker Die Säulen der Erde. Jetzt ist der erste von drei Teilen fertiggestellt. Auch wer den Bestseller von Ken Follett nicht gelesen hat, findet schnell ins Spiel.

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Artwork von Die Säulen der Erde
Artwork von Die Säulen der Erde (Bild: Daedalic Entertainment)

Das England des 12. Jahrhunderts ist alles andere als ein Urlaubsparadies. König Heinrich ist tot, der Kampf um seine Nachfolge wird erbittert geführt, das Leid der Bevölkerung ist groß. Außerdem versuchen machtversessene Geistliche, Intrigen, Krieg und Chaos für die Zwecke der Kirche zu nutzen - und in der fiktiven Stadt Kingsbridge eine Kathedrale zu bauen. Im Zentrum der Ereignisse von Die Säulen der Erde stehen vor allem drei Charaktere, die der Spieler steuern darf: ein Geistlicher, der sich um den heruntergekommenen Zustand einer Priorei sorgt, ein Baumeister, der den Traum vom eigenen Gotteshaus verwirklichen will, und eine junge Frau namens Aliena.

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Das Spiel orientiert sich an der berühmten Romanvorlage von Ken Follett, gönnt sich aber einige erzählerische Freiheiten über das Werk hinaus, um die spielerischen Möglichkeiten komplexer zu gestalten. Wer das Buch kennt, findet unter Umständen schneller ins Spiel, notwendig ist das aber nicht. Einsteiger bekommen einen guten Zugang, müssen bei den durchaus umfangreichen Gesprächen und einigen sehr textlastigen Dokumenten, die nach und nach gefunden werden, aber etwas genauer aufpassen.

Die Säulen der Erde startet mit einem optionalen Tutorial, das angenehm kurz ist. Der Titel bemüht sich um größtmögliche Zugänglichkeit: linke Maustaste zum Interagieren, rechte Maustaste zum Betrachten und Lesen der Gedanken. Dazu kommen ab und zu eine Handvoll Objekte für Aktionen und kurze Multiple-Choice-Entscheidungen, die teils unter Zeitdruck getroffen werden müssen - überfordert wird hier niemand. Hinzu kommen die Anzeige aller Interaktionsorte per Tastendruck, die ständige Darstellung der nächsten Aufgabe und einsammelbare Gedankenfetzen, die als Gedächtnisstütze wirken.

Insgesamt ist das Spiel daher auch mehr interaktive Geschichte als traditionelles Point-and-Click-Adventure. Im Inventar befinden sich selten mehr als zwei oder drei Objekte, von denen auch fast immer klar ersichtlich ist, wie sie genutzt werden können. Die Figuren geben auch immer klare Hinweise. Wenn der Spieler erfährt, dass ein Schlüssel in der Kirche versteckt sein soll, läuft er eben in das Gotteshaus, um das Objekt dort nach kurzem Suchen zu finden.

  • Überleben im England des 12. Jahrhunderts ist nicht einfach. (Bild: Daedalic/Screenshot: Golem.de)
  • Solche Entscheidungen haben nur begrenzte Auswirkungen. (Bild: Daedalic/Screenshot: Golem.de)
  • Mönche und Kirche sind zentral in Die Säulen der Erde. (Bild: Daedalic/Screenshot: Golem.de)
  • Die jeweils aktuelle Aufgabe ist klar erkennbar. (Bild: Daedalic/Screenshot: Golem.de)
  • Die Säulen der Erde entstehen über viele Jahre ... (Bild: Daedalic/Screenshot: Golem.de)
  • Eine Übersichtskarte hilft bei der Orientierung. (Bild: Daedalic/Screenshot: Golem.de)
  • Die Grafik ist liebe- und stimmungsvoll gezeichnet. (Bild: Daedalic/Screenshot: Golem.de)
  • In Gesprächen gibt es oft mehrere Optionen. (Bild: Daedalic/Screenshot: Golem.de)
Überleben im England des 12. Jahrhunderts ist nicht einfach. (Bild: Daedalic/Screenshot: Golem.de)
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Bei den gelegentlichen Geschicklichkeitsaufgaben - wenn es etwa gilt, im Wald mit der Steinschleuder ein Reh zu erlegen - muss ein kleiner, sich bewegender Balken beobachtet und dann im richtigen Moment geklickt werden. Das ist wenig mehr als ein Reaktionstest, der beim Misserfolg auch wiederholt werden kann. Ansonsten gibt es zahllose Gesprächspassagen und Zwischensequenzen, in denen die Geschichte vorangetrieben wird.

Das Spiel läuft sehr linear ab, bei den Dialogen bleiben dem Spieler allerdings Wahlmöglichkeiten: Sollen diebische Klosterbewohner verpetzt werden oder wird das Geheimnis bewahrt? Wird bei einer Abstimmung in der Priorei die freundliche Unterstützung aller Geistlichen gesucht oder auf aggressive Konfrontation gesetzt? Das Spiel suggeriert so spielerische Freiheit, auch wenn es wie in den Adventures von Telltale Games für das Weiterkommen meist keine gravierenden Auswirkungen hat.

Technisch überzeugt Die Säulen der Erde - jedenfalls für ein Adventure. Die gezeichneten Hintergründe sind liebevoll umgesetzt, die Animationen passend. Die deutsche Sprachausgabe ist hervorragend und sorgt für viel Atmosphäre. Oft sind die Gespräche wirklich spannend inszeniert und es fällt nicht schwer, auch längeren Passagen gebannt zuzuschauen und -lauschen.

Die Spielzeit allein des ersten, nun verfügbaren Buches beträgt fünf bis sechs Stunden. Allerdings stellt sich manchmal trotz Übersichtskarten und der Möglichkeit des Doppelklicks zum schnelleren Erreichen der jeweiligen Orte das Gefühl ein, dass die Spielzeit auch etwas hätte gestrafft werden können - etwa wenn zum wiederholten Male die gleichen Wege durch die Priorei zurückgelegt werden müssen, weil die aufeinanderfolgenden Aufgaben ein ständiges Hin und Her zwischen den Räumen erfordern.

Die Säulen der Erde erscheint häppchenweise: Das Spiel ist in drei sogenannte "Bücher" mit jeweils sieben Kapiteln aufgeteilt, das erste Buch namens "Aus der Asche" erscheint offiziell am 15. August 2017. Die Termine für Bücher zwei und drei sind noch nicht bekannt. Der Titel wird für Windows-PC, MacOS, Linux, Playstation 4 und Xbox One veröffentlicht. Spieler kaufen die Bücher allerdings nicht einzeln, sondern erwerben für 40 Euro einen Season Pass für alle drei Teile. Die USK hat eine Freigabe ab 12 Jahren erteilt.

Fazit

Entwickler Daedalic selbst spricht bei Die Säulen der Erde selbst vom "größten und ehrgeizigsten Projekt" der Firmengeschichte - kein Wunder bei dem Versuch, einen Roman mit 1.200 Seiten in ein Spiel zu verwandeln und darüber hinaus noch Entscheidungs- und Interaktionsmöglichkeiten zu bieten, die im Roman gar nicht vorhanden sind. Aber das Experiment geht zumindest im ersten Buch auf: Die Bedienung ist einfach, die Inszenierung gelungen, die Geschichte spannend erzählt. Es macht viel Spaß, durch das alte England zu wandeln und nach und nach die Verschwörungen und Beweggründe der Akteure aufzudecken.

Wie gut das Ganze am Ende wirklich ist, wird sich aber erst zeigen, wenn die zwei folgenden Bücher veröffentlicht sind. Zudem sollten Fans der alten Daedalic-Spiele nicht nur auf Grund der fehlenden und sonst typischen Humorkomponente zumindest gewarnt sein: Das Spiel wird nicht ohne Grund als interaktiver Roman beworben, die gewohnten Puzzles und Kopfnüsse gibt es hier fast nicht, der Schwierigkeitsgrad ist zugunsten des schnellen Vorwärtskommens sehr niedrig. Das Ganze ist eben eine Geschichte zum Spielen, kein echter Puzzle- und Rätsel-Denksport.

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