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Die Datenschutzmärchen - Folge 2: Rotkäppchen und die Inferenz-Attacke

Datenschutz ist kinderleicht – wenn ein Märchen als Erklärung reicht.
/ R. Zehl
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Rotkäppchen und der Wolf im Internet (Bild: ASCII-art von)
Rotkäppchen und der Wolf im Internet Bild: ASCII-art von
Inhalt
  1. Die Datenschutzmärchen - Folge 2: Rotkäppchen und die Inferenz-Attacke
  2. Das geht dich gar nix an!
  3. ... im finst'ren Internet
  4. Selbstschutz reicht nicht, wir brauchen rechtlichen Schutz
  5. Wölfe im Schafspelz
  6. Wölfe in feinem Zwirn
  7. Fährtenlesende Monster
  8. Ultraschall-Beacons und verräterische Fitnesstracker
  9. Wölfe in Uniform

Haben wir uns beim ersten Datenschutzmärchen der Eigengefährdung durch allzu freimütige Datenpreisgabe gewidmet, betrachten wir diesmal unvermeidbare Datenspuren im Alltag.

Alleine durch Beobachtung und logisches Denken, auch bekannt als Inferenz, können korrekte und weitreichende Schlüsse gezogen und Extrapolationen abgeleitet werden – Information, die gegen uns verwendet werden kann: Dem Wolf genügt es, sich auf die Lauer zu legen und mit den Daten die rechte Zeit, den rechten Ort und die rechte Art für den Angriff auszukundschaften – ganz schön link, oder?

Das Internetzeitalter verschärft das Problem, weil viele nicht ahnen, welche Datenspuren sie hinterlassen. Neu ist das Phänomen aber nicht – und so werden wir auf der Suche nach einer passenden Gute-Nacht-Geschichte wieder bei den Märchen fündig.

Von Rotkäppchen gibt es viele Variationen. Allein bei den Gebrüdern Grimm existieren zwei grundverschiedene – die zweite wird quasi als Fortsetzung integriert und erzählt eine clevere Selbstrettung. Auch wenn ich Geschichten der Selbstrettung liebe, erzähle ich meinem Kind diesmal als Gute-Nacht-Geschichte die klassische Variante, denn auch sie hat ihre Vorzüge.

... im finst'ren Wald

"Es war einmal ein Mädchen – so freundlich und hilfsbereit, dass alle es lieb hatten. Am liebsten natürlich ihre Mutter, aber am aller-aller-liebsten ihre Großmutter. Einmal nähte die Großmutter für es eine Kappe aus rotem Samt und schenkte sie ihm. Und weil dem Mädchen diese Kappe so gut gefiel, dass es sie gar nicht mehr ausziehen wollte und nie ohne außer Haus ging, nannten alle es nur noch das Rotkäppchen.

Eines Tages sprach die Mutter zu ihr: 'Die Oma ist krank und schwach. Hier hast du einen Korb mit Kuchen und einem Töpfchen Butter. Daran soll sich die Oma laben. Sei schön vorsichtig, damit dir der Korb nicht hinfällt, denn sonst hat die Oma nichts davon. Und trödele nicht, damit du früh bei ihr bist. Geh ihr im Haushalt zur Hand und mache brav, was sie sagt.'

Das versprach das Rotkäppchen gerne und machte sich auf den Weg.

Die Großmutter aber wohnte weit draußen im Wald. Kaum war das Rotkäppchen im Wald angelangt, da begegnete ihm der Wolf: 'Hallo, mein schönes Kind, wohin des Wegs in deinem prächtigen roten Käppchen?'

Hilfsbereit wie immer, und natürlich auch geschmeichelt, sagte Rotkäppchen: 'Ich gehe ...'"

Schnell kommt der Einwand meines aufmerksamen Publikums: "Nein. Rotkäppchen soll nicht verraten, wo es hingeht!" Meine Gegenfrage: "Was soll es denn sagen?"


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