Wölfe in Uniform
Wenn die Wölfe statt Schafsfell allerdings Förster-Uniformen tragen, ist Rettung fern und guter Rat teuer. Der wahrscheinlich früheste und gleichzeitig bisher gravierendste maschinelle Datenmissbrauch staatlicher Stellen: die Ergebnisse der beiden Volkszählungen im Deutschland der 1930er Jahre lagen in Form von Lochkarten vor.
Erfasst wurden unter anderem die Religionszugehörigkeit, der Geburtsort und die Abstammung. Diese Daten konnten im kleinen Kreis mit Hilfe von Hollerith-Maschinen automatisiert ausgewertet werden und trugen so zur tödlichen Effizienz(öffnet im neuen Fenster) und dem Überraschungseffekt des Massenmordes(öffnet im neuen Fenster) bei sowie zu dessen weiterer Organisation(öffnet im neuen Fenster) .
Es genügt eine kleine Veränderung, damit aus (selbsternannten) Besten plötzlich Bestien werden – und aus dem Bauch dieser Bestie konnten nur wenige lebend befreit werden.
Und so schön es bei Großmutter Europa immer war: Im Lichte der jüngsten Geschichte kann es Rotkäppchen schon gruseln. Wenn EU-Staaten Journalisten und die Opposition überwachen, riecht es nach Wölfen in Uniform(öffnet im neuen Fenster) .
In Orwells 1984 musste der Staat die Installation von Televisoren erzwingen – wir finanzieren die mobile Variante mit Begeisterung selbst und füttern sie eifrig mit Daten. Ganz ohne Zwang – obwohl: Der Onlinezwang nimmt zu, und die Wölfe laufen Sturm gegen "Freiheit vom Onlinezwang" im Speziellen und Datenschutz im Allgemeinen.
Jede Menge gruselige Dinge
Großonkel Sam macht schon lange gruselige Sachen, mindestens seit den 1990ern, siehe Carnivore(öffnet im neuen Fenster) . Die Snowden-Enthüllungen und die Abhöraktionen in Griechenland(öffnet im neuen Fenster) rund um die Olympiade 2004 bestätigen, dass es keine Ausrutscher waren, sondern schlechte Angewohnheit – auch gegenüber Freunden.
Jüngst wurde es noch mal deutlich gruseliger: Einreiseverbote, wahrscheinlich wegen Chatnachrichten und Ähnlichem(öffnet im neuen Fenster) . Bisher findet "nur" die Durchsuchung von elektronischen Geräten bei der Einreise (natürlich nur mit "freiwilliger Preisgabe" ) und (KI-gestützte) Auswertung öffentlicher Quellen (OSINT) statt – wobei die Anekdote oben illustriert, dass das kein Grund zur Beruhigung ist.
Es stellt sich die Frage, wann auch die reichen Datenschätze gehoben werden, die bei all den US-Anbietern von Web- und Clouddiensten, Apps etc. auflaufen – die Gesetzesgrundlage existiert: Der Cloud Act(öffnet im neuen Fenster) von 2018, aus der ersten Amtszeit Trumps, der die seit 2001 bestehende Gesetzeslage dahingehend verschärfte, dass US-Firmen US-Behörden nun auch Zugriff auf Daten gewähren müssen, die nicht in den USA gespeichert sind.
Im Lichte der vorigen Kapitel sehr gruselig: Alle Daten, die der nach Selbsteinschätzung Ehrliche jemals hergegeben hat, können und werden gegen ihn verwendet werden – unter der Fremdeinschätzung durch Uniformierte. Vielleicht Wölfe, vielleicht "Parteisoldaten" oder auch nur karrierebewusste, eifrige Quotenerfüller.
Bei den anderen beiden Großonkeln geht es aber noch sehr viel gruseliger zu ...
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