Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Fährtenlesende Monster

Und ich halte das für geboten: Denn aus Digital Natives, die sich als Kinder angewöhnt haben, leichtfertig Einwilligungen zu erteilen, weil alles andere eine Spaßbremse ist, werden die Digital Naives, die seit vielen Jahren erwiesenermaßen überproportional Cybercrime-Opfer sind – selbst, wenn man die Inzidenz mit der Onlinezeit normiert.

Für Apps und Betriebssysteme gilt im Prinzip dasselbe – bloß ist es meist technisch anspruchsvoller, sich einen Überblick zu verschaffen und datenschutzfreundliche Einstellungen vorzunehmen, die eben nicht immer Default sind. Mindestens die Datenschutzerklärung und die von Apps geforderten Rechte sollte Rotkäppchen sich vor der Installation kritisch anschauen.

Feine Worte und plausible Begründungen sind keine Garantie: Regelmäßig erweisen sich Apps als Tracking-Monster – nicht unbedingt, weil die Anbieter selbst Wölfe sind, sondern weil bei der Entwicklung der App unkritisch Bibliotheken genutzt wurden, die intensives Tracking betreiben.

Außerdem gibt es einige heikle Privilegien, etwa den Zugriff auf Standort, Kamera, Mikrofon – und die Beschleunigungsmesser (Acceleratoren)!(öffnet im neuen Fenster) Nehmen wir beispielsweise eine Taschenlampen-App, die auch musikgesteuert Farbe und Helligkeit verändern kann. Das ist sicherlich hip/cool/sexy und begründet einen Mikrofonzugriff auch plausibel.

Aber nutzt sie das Audiosignal wirklich nur für den Lichtorgeleffekt? Präsentiert sie auch eine plausible Begründung für notwendige Datenkommunikation? Vielleicht erst bei einem späteren Update? Kann sie irgendwelche Seitenkanäle für die Kommunikation nutzen? Etwa eine Color-Picker-Companion-App?

Ein permanentes Hase-und-Igel-Rennen

Natürlich kann Rotkäppchen all das sorgfältig prüfen und die Taschenlampe nur nutzen, wenn keine Vertraulichkeit geboten ist. Und das kann auch gutgehen – bis es dann einmal unaufmerksam ist und sich von den schönen Blumen ablenken lässt.

Datenschutz-Folgeabschätzungen – die ohnehin meistens gleich ganz unterlassen werden, etwa erstaunlicherweise bei der deutschen Gesundheitstelematik – sind schwierig, für Anbieter wie Nutzer. Es ist ein permanentes Hase-und-Igel-Rennen zwischen prognostiziertem und tatsächlichem Missbrauch. Wenn der Hase nicht extrem aufmerksam ist, verliert er. Es folgen ein paar Beispiele für die naive Herangehensweise vieler Hersteller und Datenanbieter sowie für böse Überraschungen.


Relevante Themen