Dick Pics: Penis oder kein Penis?
Weibliche Internetnutzer haben zuweilen das Problem, dass ihnen männliche Kontakte ungefragt Bilder ihres Geschlechtsteils schicken, sogenannte Dick Pics(öffnet im neuen Fenster) . Unterhält man sich mit Frauen, zum Beispiel im Bereich der Forschung oder Politik, die bekannte Social-Media-Kanäle unter dem eigenen Namen betreiben, bekommt man früher oder später die eine oder andere Horrorgeschichte in dieser Hinsicht zu hören. Kelsey Bressler, eine Software-Entwicklerin und Universitätsstudentin aus Seattle, hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses unappetitliche Problem zu lösen.
Sie hat Software entwickelt, die mit Hilfe von Machine Learning Bilder von Penissen erkennen und automatisch aussortieren kann, etwa aus Twitter-Direktnachrichten oder Messenger-Chatverläufen. Um ihren Code weiter zu testen, bittet sie nun darum, ihr Bilder von männlichen Geschlechtsteilen aller Art zu schicken, um die Trefferquote ihrer Software zu verbessern. Das dafür eingerichtete Twitter-Konto(öffnet im neuen Fenster) ist mittlerweile derart bekannt, dass Bressler jetzt auch Merchandising unter dem Motto "Send nudes (for science)" verkauft.
Im Gespräch mit Golem.de hat die Entwicklerin erzählt, wie die Idee entstand, einen automatischen Penis-Filter zu entwickeln: Als sie sich gegenüber ihrem Partner darüber beschwerte, dass ihr ein Fremder per Direktnachricht ein Penisbild geschickt hatte, kam dieser auf die Idee, Bressler könne doch eine Software programmieren, die dieses Problem aus der Welt schafft.
"Ich glaube fest daran, dass eine technische Lösung für dieses Problem vielen anderen zugutekommen würde, die in derselben Situation sind wie ich und sich persönlich verletzt fühlen, wenn ihnen sowas widerfährt" , sagt Bressler. Sie will mit den Anbietern von sozialen Netzwerken und Messengern zusammenarbeiten, um ihre Software in deren Dienste zu integrieren. Falls es dafür nicht genug Interesse von Seiten der Anbieter gibt, hält sie sich die Option offen, einen eigenständigen Dienst anzubieten, den interessierte Nutzerinnen abonnieren können.
Penis im Hotdog-Brötchen
Noch ist die Software nicht zum Alltagseinsatz bereit, der Erfolg der ersten Testversion sei aber sehr vielversprechend, sagt die Entwicklerin. Die KI erkennt bereits mit sehr hoher Treffergenauigkeit Bilder von menschlichen Penissen, nun sei das Ziel, die Rate der falschpositiven Erkennungen möglichst gering zu halten.
Zu diesem Zweck bittet Bressler männliche Probanden, der KI über Direktnachrichten eine möglichst breite Palette an Fotos von Geschlechtsteilen zukommen zu lassen. Erreichen sie dabei auch Bilder, die sie belustigen oder gar verstören? "Leute schicken mir ziemlich viele Fotos von Trumps Gesicht. Aber sie versuchen auch, den Filter zu testen oder auszutricksen" , erzählt die Entwicklerin. "Einer hat seinen Penis in ein Hotdog-Brötchen gepackt, ein anderer hat ihn komplett mit Glitter überzogen. Ein Mann schickte mir ein Foto von sich mit einem gefrorenen Truthahn – das Bild würde ich im Nachhinein gerne aus meinem Gedächtnis löschen."
Niemand soll mehr per PN belästigt werden
Welche Technik genau hinter dem Projekt steckt, will Bressler noch nicht verraten. Ihr ist nur zu entlocken: "Wir benutzen eine frei zugängliche KI-Lösung" . Offenbar will sich die Entwicklerin die Möglichkeit eines kommerziellen Einsatzes ihrer Software nicht verbauen.
Ihre Beschreibung lässt darauf schließen, dass es sich um ein Machine-Learning-Modell handelt, das mit einer großen Datenbasis an verschiedenen Penis-Bildern trainiert wurde. Die Entwickler haben dabei die Möglichkeit, falschpositive Treffer zu korrigieren und manuell Penisse zu markieren, die von dem Algorithmus nicht erkannt wurden. Auf diese Weise lernt das Modell und wird immer treffsicherer.
Direktnachrichten abstellen ist auch keine Lösung
Bressler will sich nicht mit dem Filtern von Direktnachrichten und Messenger-Chats zufriedengeben. Sie hat bereits Pläne, die Software dahingehend weiterzuentwickeln, dass sie auch Videos und ungewollte Textnachrichten erkennen kann. Ihre Mission ist es, sämtliche ungewollten Belästigungen in Direktnachrichten aus der Welt zu schaffen.
Dabei betont sie allerdings, dass sie durchaus nichts gegen Direktnachrichten an sich hat. "Die überwiegende Mehrzahl dieser Nachrichten sind keine Belästigung. Ich habe über DMs in der Vergangenheit immer wieder neue Menschen kennengelernt, Geschäfte abgewickelt und bin zu Projekten oder Interviews eingeladen worden" , sagt sie. Sie wolle deswegen ihre Direktnachrichten nicht einfach dichtmachen, bestehe aber darauf, dass Menschen sich gegenseitig mit Respekt behandeln – auch in Direktnachrichten.
Männliche Interessenten, die bei der Entwicklung ihrer Software helfen wollen, können Bilder ihres Geschlechtsteils an das Twitter-Konto @showYoDiq(öffnet im neuen Fenster) schicken. Bressler verspricht, die Fotos mit niemandem zu teilen und bittet darum, dass nur Männer mitmachen, die über 18 Jahre alt sind und alle Fotos unter gegenseitigem Einverständnis gemacht wurden.
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