Abo
  • Services:
Anzeige
Caspar Clemens Mierau - "Soziale Netzwerke lassen sich nicht antisozial aufbauen."
Caspar Clemens Mierau - "Soziale Netzwerke lassen sich nicht antisozial aufbauen." (Bild: Léa Germain)

Diaspora: Datenschutz und soziale Netzwerke passen nicht zusammen

Caspar Clemens Mierau - "Soziale Netzwerke lassen sich nicht antisozial aufbauen."
Caspar Clemens Mierau - "Soziale Netzwerke lassen sich nicht antisozial aufbauen." (Bild: Léa Germain)

Seit einigen Jahren will das Diaspora-Projekt eine freie und dezentrale Alternative zu sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Google+ werden. Ein zentraler Fehler im Konzept wird es jedoch scheitern lassen, meint Blogger Caspar Clemens Mierau. Es sei antisozial.

Es klang so gut: Eine Handvoll Programmierer beschließt, eine freie Alternative zu kommerziellen Großanbietern zu entwickeln. Diaspora sollte die Erfolgsgeschichte von Jabber nachzeichnen. Und die kann sich sehen lassen: Langsam aber stetig hat sich Jabber (beziehungsweise das zugrundeliegende XMPP) zu einem Quasi-Standard für Chats in vielen Bereichen des Internets entwickelt. So kommt es, dass Kunden von 1und1 mit Nutzern von Google-Diensten oder unabhängigen Servern chatten können. Freie und dezentrale Alternativen können funktionieren und das geschlossene und zwangsgeduldete Nebeneinander von ehemals marktbeherrschenden Diensten wie ICQ und MSN angreifen.

Anzeige

Es klang logisch, mit Diaspora ein System zu schaffen, das das Infrastruktur-Paradigma von Jabber auf ein soziales Netzwerk überträgt: Jeder kann einen "Pod" genannten eigenen Server betreiben - Privatnutzer wie große Anbieter, um ein weltweites, dezentrales Netz zu schaffen. Ausfallsicher, unkontrollierbar und privat.

Wer auf Facebook postet, macht es öffentlich

Aber Moment: Etwas ist nicht so evident, wie es zunächst scheint. Ein großes Versprechen von Diaspora ist der Datenschutz. Nutzer sollen einen großen Einfluss auf die Freigabe ihrer Daten haben, um nicht schulterzuckend wie bei Facebook vor der Komplexität von Einstellungen und sich häufig ändernden Nutzungsbedingungen kapitulieren zu müssen. Wer auf Facebook postet, muss davon ausgehen, öffentlich zu sein. Diaspora möchte dies anders machen.

Und es ist auch anders. Von einigen Pannen im Code abgesehen ist dem System das Prinzip Datenschutz eingeimpft. Dies macht sich besonders an einem kleinen, aber nicht zu unterschätzenden Unterschied zu anderen sozialen Netzwerken bemerkbar: Man findet keine Kontakte. In den bekannten sozialen Netzwerken wird einem das Auffinden von Kontakten leicht gemacht: Es gibt Vorschläge, Empfehlungen und die Möglichkeit, Listen, Gruppen und Seiten zu durchstöbern. Das Finden von Bekannten, Freunden, Familienmitgliedern oder Gleichgesinnten wird einem nahegelegt.

Bei Diaspora fühlt man sich allein

Doch genau diese Funktion beruht auf einem dem klassischen Datenschutz konträren Paradigma: dem Veröffentlichen von Daten. Kontaktlisten müssen frei zugänglich sein, es bedarf an automatisch auswertbaren Informationen zur Berechnung von Empfehlungen. Die Möglichkeiten sind in Diaspora entweder gar nicht vorhanden oder explizit so gestaltet, dass sie nicht dazu dienen, schnell seinen Kontaktkreis zu vergrößern. Stattdessen fühlt man sich allein und postet gefühlt ins Nirwana.

Es ließe sich einwenden, dass das Netzwerk noch am Beginn und der Fokus nicht der Aufbau eines Hunderte Millionen Nutzer umfassenden Projektes sei. Doch dann markiert es schon jetzt den Unterschied, der auch zwischen identi.ca und Twitter liegt. Da helfen auch etwas unbeholfen wirkende Versuche nicht, Netzwerke durch Verknüpfung von Diaspora zum Beispiel mit Facebook zu bilden. Letztlich basiert Diaspora darauf, wie bei Jabber, vorab die Adresse eines befreundeten Nutzers zu kennen.

Diese Gemeinschaft mit Jabber - Nutzer haben auch Adressen in der Form nutzer@pod.server.tld - ist kein Zufall. Vom Paradigma her betrachtet ist Diaspora letztlich ein bunter, webbasierter, Jabber-ähnlicher Dienst mit etwas mehr Gruppenfunktionalität. Bestehende Fehler und Usability-Probleme wird man beheben können, das Problem einer falschen Annahme aber nicht: Soziale Netzwerke lassen sich nicht antisozial aufbauen. Und so wird Diaspora ein Nischenprodukt bleiben, das zunächst attraktiv wirkt, letztlich aber enttäuscht, da es ein dezentrales Datensilo ohne Zuschauer wird. Schade.

Datenschutz und soziale Netzwerke passen nicht zusammen

Was wäre die Alternative? Man sollte sich von der Idee befreien, ein freies, dezentrales und datensicheres Netzwerk bauen zu wollen. Ein freies, dezentrales Netzwerk jedoch wäre eine sinnvolle und attraktive Möglichkeit. Die Befreiung und Öffnung von Daten, das Entwickeln und Anbieten von APIs könnte die bisherigen Platzhirsche empfindlich treffen, da es die Möglichkeit bietet, schnell zu wachsen. Personen würden sich wieder finden, man müsste nicht über die kommerzielle Nutzung selbst eingestellter Inhalte durch den Netzbetreiber nachdenken und es wäre von vornherein deutlich: Das hier ist online. Es ist an der Zeit, zu verstehen, dass man bestimmte Vorstellungen nicht miteinander kombinieren kann. Datenschutz und soziale Netzwerke passen einfach nicht zusammen.

PS: Neben Versuchen, Diaspora auf öffentlichen Pods zu verwenden, habe ich als Experiment für die mittlerweile um die 500 Mitglieder starke c-base einen eigenen Diaspora-Server aufgesetzt. Nach einigen Wochen haben sich rund 40 Mitglieder angemeldet, die Gesamtzahl der Posts blieb im unteren zweistelligen Bereich. Selbst im technik- und datenschutzaffinen Umfeld stößt der Dienst auf kein Interesse. "Wie finde ich denn jetzt Kontakte?" war häufiger zu lesen. Q. e. d.

Caspar Clemens Mierau schreibt seit mehreren Jahren unregelmäßig in seinem Blog leitmedium.de. Dort erschien der Text zuerst. Mierau beschäftigt sich derzeit insbesondere mit "Post Privacy" und twittert unter anderem darüber.


eye home zur Startseite
jes90 07. Nov 2012

Leider ist es so, dass der Begriff Datenschutz heutzutage oftmals als Schutzbehauptung...

hubbabubbahubhub 13. Aug 2012

Manche zählen offenbar jeden bei dem sie mal besoffen überm Klo gehangen haben zu ihren...

syntax error 19. Jun 2012

Ich meinte eher die Möglichkeit jemanden finden zu können. Was soll überhaupt so schlimm...

matok 18. Jun 2012

Muss ja keiner. Jeder setzt seine Prioritäten eben selbst. Bei Facebookusern liegt die...

fratze123 18. Jun 2012

nix.



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Springer Science+Business Media Deutschland GmbH, Berlin
  2. Diakonie-Klinikum Stuttgart Diakonissenkrankenhaus und Paulinenhilfe gGmbH, Stuttgart
  3. Kommunales Rechenzentrum Niederrhein, Kamp-Lintfort
  4. ALDI SÜD, Mülheim an der Ruhr


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 28,99€
  2. 389,99€
  3. (-20%) 55,99€

Folgen Sie uns
       


  1. Obsoleszenz

    Apple repariert zahlreiche Macbooks ab Mitte 2017 nicht mehr

  2. Komplett-PC

    In Nvidias Battleboxen steckt AMDs Ryzen

  3. Internet

    Cloudflare macht IPv6 parallel zu IPv4 jetzt Pflicht

  4. Square Enix

    Neustart für das Final Fantasy 7 Remake

  5. Agesa 1006

    Ryzen unterstützt DDR4-4000

  6. Telekom Austria

    Nokia erreicht 850 MBit/s im LTE-Netz

  7. Star Trek Bridge Crew im Test

    Festgetackert im Holodeck

  8. Quantenalgorithmen

    "Morgen könnte ein Physiker die Quantenmechanik widerlegen"

  9. Astra

    ZDF bleibt bis zum Jahr 2020 per Satellit in SD verfügbar

  10. Kubic

    Opensuse startet Projekt für Container-Plattform



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Sphero Lightning McQueen: Erst macht es Brummbrumm, dann verdreht es die Augen
Sphero Lightning McQueen
Erst macht es Brummbrumm, dann verdreht es die Augen

Quantencomputer: Nano-Kühlung für Qubits
Quantencomputer
Nano-Kühlung für Qubits
  1. IBM Q Mehr Qubits von IBM
  2. Quantencomputer Was sind diese Qubits?
  3. Verschlüsselung Kryptographie im Quantenzeitalter

XPS 13 (9365) im Test: Dells Convertible zeigt alte Stärken und neue Schwächen
XPS 13 (9365) im Test
Dells Convertible zeigt alte Stärken und neue Schwächen
  1. Prozessor Intel wird Thunderbolt 3 in CPUs integrieren
  2. Schnittstelle Intel pflegt endlich Linux-Treiber für Thunderbolt
  3. Asus B9440 im Test Leichtes Geschäftsnotebook liefert zu wenig Business

  1. Re: Sie sollen es lassen.

    igor37 | 07:45

  2. Re: E-Auto laden utopisch

    DY | 07:44

  3. Ich hab da mal selbst getestet...

    Ratloser99 | 07:39

  4. Re: 6 Jahre Reparatursupport sollten ja auch reichen

    Sharra | 07:38

  5. Re: Das Legen wird aber teurer sein. Auch das...

    DY | 07:37


  1. 07:17

  2. 18:08

  3. 17:37

  4. 16:55

  5. 16:46

  6. 16:06

  7. 16:00

  8. 14:21


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel