Dial mit Aneeda: Will.i.ams Smartwatch, die keine sein soll

Für einen Technikjournalisten ist es schon etwas Seltsames, wenn er einen bekannten Musiker, Synchronsprecher, Firmengründer und ehemaligen Intel-Mitarbeiter wie Will.i.am auf dem Mobile World Congress zu sehen bekommt. Und das auch noch auf einer Pressekonferenz der biederen Deutschen Telekom. Hier der coole Hip-Hop-Künstler, dort der Konzern, der immer noch wie ein großes Beamtenunternehmen erscheint. Und beide verkünden nichts weiter als die Revolution im Bereich der Smartwatches. Verzeihung. Der Nicht-Smartwatches. Weder die Telekom noch Will.i.am wollen das neue Gerät dort verortet sehen, obwohl die Ähnlichkeit frappierend ist.

Aber was ist es? Eine "sprachbasierte mobile Plattform" mit dem Namen Aneeda, die alles bisher Dagewesene übertreffen soll, wie die Macher vollmundig versprechen. Die spricht man wie den Namen Anita im Englischen aus. Die Plattform funktioniert zunächst auf einem Gerät mit dem simplen Namen Dial, einer Uhr, die zugleich auch Smartphone ist, wie die Deutsche Telekom verspricht. Entwickelt von Will.i.ams i.am+(öffnet im neuen Fenster) und exklusiv im Vertrieb der Deutschen Telekom in den Märkten, in denen sie aktiv ist - allerdings abzüglich T-Mobile USA, wie die Teilnehmer etwas peinlich berührt auf der Pressekonferenz zugeben müssen.
Eine ziemlich gut ausgestattete Smartwatch
Dial mit Aneeda macht durchaus manches anders als die typische Smartwatch. Eine Smartwatch ist sie in unseren Augen aber trotzdem - wenn auch eine besser ausgestattete. Sie hat einen abnehmbaren Akku im Armband, einen Slot für eine Nano-SIM-Karte und 32 GByte Speicher im Gehäuse. Außerdem hat sie einen 2-Zoll-Bildschirm, die üblichen Sensoren, die auch fürs Fitnesstracking geeignet sind, eine Kamera sowie Mikrofon und Lautsprecher. All das macht die Smartwatch autark von anderen Geräten. Weder soll ein Smartphone noch ein PC benötigt werden.



Der Fokus liegt auf der Spracherkennung. Ein eigenes Voice-Betriebssystem ist installiert und steuert alles. Einen Touchscreen gibt es zwar auch, aber die allgemeine Bedienung ist auf die Spracherkennung ausgerichtet. Und: Die Ergebnisse sollen immer direkt gezeigt werden. Links zu irgendwelchen Suchmaschinenergebnissen solle es ausdrücklich nicht geben, versprechen die Macher. Es gibt zudem verschiedene Apps, die die Macher lieber Skills nennen. Dafür gibt es auch einen Skill-Store. Eine Infrastruktur zu dem Betriebssystem gehört also dazu.
Will.i.work?
Was dann gezeigt wird, lässt im Ansatz durchaus erkennen, was die Uhr anders machen soll als andere. Die Frage nach Flügen wird mit Ergebnissen auf dem Display angezeigt. Besonders stolz sind die Beteiligten auf die Interaktion mit der Musik. Was ein Künstler gerade so macht, oder wo das nächste Konzert gespielt wird, wird von Aneeda tatsächlich klug beantwortet - auf Englisch.
Small Talk mit der Uhr funktioniert auch einigermaßen, wie viel davon von den Teilnehmern der Pressekonferenz einstudiert wurde, ist aber unklar. Auch bei Siri und Cortana funktionieren die Demos immer ziemlich gut. Selber ausprobieren können wir die Uhr nicht. Auf Deutsch kann sie auch nicht vorgeführt werden.



Dass die Demo echt ist, zeigt sich aber daran, dass die mit Hilfe von Nuance entwickelte Spracherkennung ziemlich häufig versagt - und zwar ausgerechnet dann, wenn Will.i.am die Uhr seines i.am+-Kollegen nutzt. Der Kollege hingegen, mit deutlich hörbarem indischen Akzent, hat kaum Probleme mit der Uhr. Das kann daran liegen, dass sich die Spracherkennung laut den Machern an die einzelne Person gewöhnt, Will.i.am aber keine eigene Uhr an die Demonstrationsanlage angeschlossen hat.
Die Demo-Aneeda läuft auf einem Apple TV und der Dial zugleich. Damit will i.am+ auch demonstrieren, dass die Plattform plattformunabhängig arbeitet. Die Dial ist nur der Anfang. Mehr soll kommen.
Viele Versprechen
Die Vorführung wirkt erstaunlich unprofessionell. Der künstliche Perfektionismus der Siri- und Cortana-Vorführungen fehlt - ein erfrischend ehrlicher Ansatz bei einer frühen Produktankündigung. Insgesamt wird für Aneeda jedoch erst einmal sehr viel versprochen: Die sprachbasierte intelligente und kontextbezogene Suche soll alles bisher Dagewesene schlagen. Zumindest bei der Sprachausgabe klingt Aneeda aber nicht so gut wie die Konkurrenz. Alles andere lässt sich noch nicht beurteilen. Entsprechend diplomatisch bleibt Will.i.am auch auf die Frage eines Journalisten, was Aneeda denn von Siri halte. Für ihn seien die Systeme einfach verschieden.
Aneeda, Dial und die Plattformunabhängigkeit sind interessante Ansätze, die ohne die Deutsche Telekom und Will.i.am als Unterstützung wohl weniger Beachtung finden würden. Die Beteiligten meinen es ernst und wollen die Dial auf den Markt bringen. Wie allerdings das Geschäftsmodell rund um die Dial aussieht, lässt die Telekom offen. Einiges bietet sich an: Finanzierung über Mobilfunkverträge, Musikabos und Ähnliches sind vorstellbar. Dafür ist die Smartwatch den ersten Informationen zufolge gut geeignet. Wann es soweit sein wird, wollte aber keiner der Beteiligten sagen. Irgendwann im Laufe des Jahres 2016 soll die Dial verkauft werden.



