Diablo 4 Saison 4 im Test: Ist das die Rettung von Diablo 4?

Nach der dritten Saison in Diablo 4 und fast ein Jahr nach Release haben sich die zunächst nicht offensichtlichen Makel am Gameplay gezeigt. Zu wenig gab es vor allem für Charaktere auf hohen Levels zu tun. Nervig waren die vielen redundanten Gegenstandsattribute. In der vierten Saison hat sich das Entwicklerteam das Feedback der Community zu Herzen genommen und sich einer der wichtigsten Komponenten jedes Action Role-Playing Games (ARPG) gewidmet: der Beute.
Blizzard hat hier nicht zu viel versprochen. Diablo 4 spielt sich in der neuen Saison vor allem im Endgame und mit hochstufigen Charakteren anders und besser. Wir können sagen, dass sich das Spiel im besten Zustand seit dem Release befindet. Allerdings reichen die von Blizzard getroffenen Maßnahmen noch nicht aus, um alle Fans abzuholen und das Meme "Diablo 4 ist tot" verstummen zu lassen.
Der Weg ist richtig: Gegenstände fühlen sich durch mächtigere und übersichtlichere Attribute besser an. Mit dem ebenfalls neuem Härtungssystem können wir zudem interessante Effekte hinzufügen, die sich zwischen den fünf Klassen unterscheiden. Barbaren können den Trefferradius des Hammers der Urahnen erhöhen, während Druiden mit einer Chance weitere Tornados generieren.
Masterworking kommt erst spät
Das Härtungssystem ist bereits ab Stufe 1 verfügbar und sollte während des nun schnelleren Levelprozesses auch reichlich genutzt werden. Dazu kommt, dass legendäre Aspekte nicht mehr unsere Vorratstruhe füllen. Stattdessen werden sie in einer Enzyklopädie direkt freigeschaltet, nachdem wir die entsprechenden Gegenstände fanden und demontierten. Das Tüfteln mit Ausrüstung macht dadurch nun mehr Spaß denn je.

Das Entwicklerteam verlor mit dem Fokus auf das Endgame aber die unteren Spiellevels und den Spieleinstieg aus den Augen. Die wenigsten Spieler werden die wichtigste Neuerung richtig ausprobieren können: Das Masterworking-System, mit dem wir unsere Ausrüstungsgegenstände stetig verbessern und teilweise übermächtig machen können, greift erst nach längerer Spielzeit und erst im höchsten der vier Schwierigkeitsgrade. Obendrein müssen wir einen Albtraum-Dungeon der Stufe 46 absolvieren, um die erforderlichen Handwerksmaterialien für Meisterwerke zu sammeln.
Das ist schade, hat Blizzard sich mit dem Masterworking-System doch eine interessante Mechanik ausgedacht. Statt Gegenstände mit wenig Aufwand nur in ihrer Stufe maximal fünf Mal aufwerten zu können, sammeln wir Handwerksmaterialien in der Grube, einer neuen Endgame-Aktivität. Diese investieren wir in maximal zwölf Masterworking-Stufen für jeden Ausrüstungsgegenstand.
Eine Stufe erhöht die auf dem Gegenstand ausgerollten Werte um fünf Prozent. Interessant wird es auf den Stufen 4, 8 und 12. Hier wird ein Affix zufällig ausgewählt und um 25 Prozent verbessert. Die gleiche Eigenschaft kann theoretisch dreimal hintereinander verbessert werden, so können enorm mächtige Waffen und Rüstungen geschmiedet werden. Mit Pech haben wir unsere hart erarbeiteten Materialien für eine nutzlose Eigenschaft ausgegeben.
Eine gute Portion Glück
Dieses Glückselement halten wir für eine gute Idee, da es zentrales Element eines gelungenen ARPG ist – solange nicht übertrieben wird. Das kann frustrieren oder auch motivieren und damit eine insgesamt spannende Gameplay-Spirale erzeugen: Gefällt uns ein Gegenstand nicht, können wir dessen Masterworking-Punkte auf Null zurücksetzen. Dann müssen wir allerdings erneut Materialien sammeln.










Und das dauert. Bis wir alle Gegenstände komplett aufgerüstet haben, können mehrere Stunden vergehen. Wir kämpfen uns durch immer schwierigere Levels in der Grube. Die erinnert an die aus Diablo 3 bekannten Greater Rifts und konzentriert sich aufs Wesentliche. Wir müssen Schergen schlagen und vor Ablauf der Zeit teilweise schwere Bossgegner bezwingen. Erst dann erhalten wir legendäre Gegenstände der Stufe 925 und die passenden Masterworking-Materialien.
Die Grube sollte nicht unterschätzt werden. Selbst sehr starke Endgame-Builds wie der Werwolf-Tornado-Druide oder der Diener-Nekromant – der aktuell stärkste Build – kommen ab einem gewissen Level an Grenzen. Uns frustriert vor allem der Unterschied zwischen den an sich meist leichten Monsterschergen und den übertrieben schweren Bossgegnern am Ende. Wenn wir nicht aufpassen, sterben wir hier schon nach einem einzigen Treffer. Die schwierig zu erkennenden Bodeneffekte, die nur ein wenig rot auf dunklem Boden leuchten, machen es nicht unbedingt einfacher.
Ebenfalls ein Problem: Nur in der Grube bekommen wir die notwendigen Materialien in ausreichender Menge. Das ist auf Dauer repetitiv und kann die eine oder andere Person demotivieren. Sinnvoll wäre es deshalb, auch andere Endgame-Aktivitäten mit den Materialien zu belohnen. Schließlich wollen wir doch auch einmal Albtraum-Dungeons bezwingen, Aufgaben für den Baum des Flüsterns erledigen oder uns durch die nun wesentlich spaßigeren Helltides prügeln.
Auf Stufe 100 sind viele dieser Aktivitäten weiterhin relativ belanglos.
So viel Inhalt und so wenig zu tun
Der Fokus der vierten Saison, die Loot Reborn genannt wird, liegt auf besserer Ausrüstung und dem Spaß am Tüfteln mit Gegenständen und Waffen. Das klappt unserer Meinung nach schon ganz gut – auch, wenn Blizzard die Philosophie auf niedrigere Level und im Umfang ausweiten könnte.
Mit der Saison wurden aber einige Aktivitäten verbessert. Das betrifft allem voran die Helltides. Bis zu einem gewissen Punkt sind die nicht nur der beste und schnellste Weg auf dem Pfad zu Level 100; sie sind auch besonders spaßig geworden. Viele der neuen Mechaniken dürften Veteranen bereits aus der zweiten Saison von Diablo 4 kennen, die allgemein als die bisher beste Saison galt.
Es gibt während der Helltides mehr spezielle Events und Zufallsereignisse, die für mehr Abwechslung sorgen. Besonders herausfordernd ist ein Dämonenboss, der sich an einem Altar beschwören lässt und uns massive Angriffe entgegenschleudert.
Cool ist es auch, in regelmäßigen Abständen von einer Gruppe Dämonen angegriffen zu werden, wenn wir uns durch die Monster schlagen und nicht sterben. Hierbei füllt sich eine Aggressionsleiste auf, die an die Gesucht-Leiste in GTA 4 oder Cyberpunk 2077 erinnert. Ist die Leiste voll, hetzt uns die Hölle ihre Champions auf den Hals: Viel Glück beim Überlebenskampf!
Gegenstände mit mehr Macht
Blizzard hat parallel weitere sogenannte Überbosse eingeführt. Fans der Serie können sich über eine starke Version von Andariel, die Herrin der Qualen, freuen. Auch wurden stärkere Versionen von Lilith und der Bestie aus dem Eis kreiert. Die sind selbst für hartgesottene Veteranen eine Herausforderung und bieten zudem eine erhöhte Chance auf die begehrten Über-Uniques, besonders kraftvolle und seltene Gegenstände.










In manchen Fällen können legendäre und einzigartige Gegenstände mit einem größeren Affix gefunden werden, allerdings nur auf Weltstufe Vier. Größere Affixe sind um 50 Prozent leistungsfähiger als normale Gegenstandsattribute. Mit viel Glück können mehrere oder alle Affixe verstärkt werden. Solche Gegenstände sind natürlich besonders begehrenswert.
Für kompetitive Diablo-4-Fans, die sich im Endgame mit anderen messen wollen, fehlt weiterhin die Möglichkeit des Vergleichs. Bestenlisten gibt es nur bei den Herausforderungs-Rifts (Gauntlet) der dritten Saison. Gerade die Grube würde sich für Bestenlisten gut eignen.
Ein Schritt in die richtige Richtung
Bekannte Aktivitäten wie Quests für den Baum des Flüsterns oder Weltenbosse sind weiterhin nicht der Rede wert. Auf der Weltstufe 4 sterben Bosse innerhalb von Sekunden, während der Baum des Flüsterns zu wenig Belohnungen abwirft. Vielleicht schaut sich Blizzard diese Makel ja in der fünften Saison an.










Dennoch: Mit der vierten Saison macht Diablo 4 gerade im Endgame mehr Spaß denn je. Es motiviert, den eigenen Charakter mit Masterworking zu optimieren und immer schwierigere Level der Grube zu bezwingen. Würden sich alle anderen Aktivitäten ebenso lohnen, wäre das noch besser. Außerdem hat Diablo 4 eine toll inszenierte Kampagne mit einigen interessanten Bosskämpfen zu bieten. Daraus ließen sich sicherlich weitere Aktivitäten bauen.
Wir freuen uns auf jeden Fall schon jetzt darauf, was die Zukunft von Diablo 4 bringt.