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Digitale Souveränität: Irgendwo zwischen Idealismus und Alltagstauglichkeit

Wir haben gefragt, wie ihr euch digital frei macht, und gelernt: Der Wechselwillen ist groß, oft fehlt es aber noch an Alternativen – oder die Bequemlichkeit siegt.
/ Andrea Pawlowski
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Wo ziehen unsere Leser den Stecker aus der US-Cloud? (Bild: USA-Reiseblogger)
Wo ziehen unsere Leser den Stecker aus der US-Cloud? Bild: USA-Reiseblogger
Inhalt
  1. Digitale Souveränität: Irgendwo zwischen Idealismus und Alltagstauglichkeit
  2. ''Von Windows komme ich noch nicht weg''
  3. ''Schon mehrmals Schwierigkeiten beim Update auf Nextcloud''
  4. Unabhängig werden – was kommt als Nächstes?
  5. ''Wechsele nicht, weil andere Programme so altbacken aussehen''

Die Frage nach Kontrolle, Vertrauen und Entscheidungsfreiheit im digitalen Leben ist längst nicht mehr hypothetisch – sie betrifft unseren Alltag. Wir haben daher gefragt: Wie steht es um eure persönliche digitale Souveränität? In welchen Bereichen seid ihr bereits unabhängig, was plant ihr als Nächstes, und wo begegnet ihr den größten Herausforderungen?

Die Realität der digitalen Souveränität liegt irgendwo zwischen Idealismus und Alltagstauglichkeit. Eure Antworten zeigen, dass der Weg oft steinig ist – oder wie es ein Teilnehmer nach einem Jahrzehnt Open-Source-Erfahrung ausdrückt: "Nach zehn Jahren rumfrickeln möchte ich einfach, dass bestimmte Dinge funktionieren" .

Unsere erste Frage lautete: "Wo bist du privat schon umgestiegen oder musstest es gar nicht, weil du schon einen unabhängigen Dienst benutzt hast? Erzähl uns, wie es geklappt hat und was die Herausforderungen waren".

Nach anfänglichen Hürden erscheint euch ein Wechsel in Infrastrukturbereichen – etwa bei E-Mail, Betriebssystemen oder Servern – als am machbarsten.

Hier kommen eure Beiträge:

"Google, Meta usw. werden in der Firewall geblockt"

➤ Seit 2023 bin ich bei Twitter raus. Umstieg auf Mastodon. Ich bin zufrieden. Einige Personen, die ich schätzen gelernt habe sind auch da, andere nicht, Aber es gibt für mich keinen Grund eine der US-Social-Media-Plattformen in Betracht zu ziehen.

Rein aus beruflichen Gründen geht es nicht, sich von Microsoft zu lösen. Alle anderen, Google, Meta, usw. werden in der Firewall geblockt.

Ich würde ein wirklich Android-freies Handy bevorzugen, aber hier muss man wohl noch warten, Ich nutze ein iPhone 15 Pro, allerdings mit kaum App-Nutzung und Internet auf dem Phone, nein danke.

Ich habe ansonsten mit der Familie Line aus Japan/Korea. Da kann man sich sehr abschotten und muss keine Algorithmen ertragen. Ich vermisse nichts. Signal ist für mich keine Diskussion wert, ich habe den Diskurs einer Freundin mit diesem arroganten Typ Moxie erlebt. Der schmeißt gerne einfach Menschen vor den Bus, mit der Argumentation, wir verschlüsseln doch Ende zu Ende – außer Acht lassend, ja es gibt ein OS das über Add-ons auch eingreift.

Aber egal, den Quatsch werde ich nie nutzen. Wenn ich sicher kommunizieren muss: Threema.

Insgesamt mein Credo: Je weniger US-basierter Dreck, desto besser. Und je weniger online. Ach und bequem lässt bei mir die Alarmglocken läuten. Aber das schon seit Jahren.

➤ Ich steige aktuell von Google Fotos auf Immich um. Das Speichermanagement und die Back-up-Strategie sind derzeit meine größten Herausforderungen, aber beides bereits gelöst. Praxistest steht noch aus.

➤ Vor ca. 10 Jahren schon von Whatsapp zu Telegram gewechselt, selbiges aber mittlerweile gegen Signal und Threema ersetzt. Ebenfalls schon seit Jahren Nextcloud auf meinem Heimserver um Dateien, Kalender, Kontakte zu synchronisieren inkl. Online-Office.

Aktuell Back-up-Lösung des Heimservers umziehen auf etwas lokaleres (derzeit Backblaze). Und bald von Android (/e/OS) auf SailfishOS umziehen (mal wieder).

"OpenXChange – lautlos und alltagstauglich"

➤ Erstmal vielen Dank an euch, Golem-Team. Es ist wichtig, dass Open-Source-Interessierte sich austauschen, ihre Erfahrungen und Wege und Lösungen von anderen sehen können.

Ich bin seit 2015 bei Mailbox.org und nutze den Open-Xchange-basierten Dienst für Mails, Kalender- und Aufgabenmanagement plus Datenaustausch mit meiner Familie mit wenigen Aussetzern lautlos und alltagstauglich. Das letzte große Update aus 2025 hat die Weboberfläche dramatisch verschönert und brachte einige Erleichterungen im Handling von Mails und Terminen.

Grundsätzlich mag ich Mailbox.org.; Hauptherausforderung seit zehn Jahren ist der beschwerliche Workflow von Funktionen auf unseren Android-Handys. Mailbox.org stellt nur eine performancelahme PWA statt Android-nativer Apps bereit. Auf Android muss ich diverse Apps wie DAVx5, Thunderbird for Android, etar und Tasks.org miteinander kombinieren, damit der Workflow funktioniert.

Und trotzdem fehlen mir Funktionen wie Termine in einer Mail annehmen (Funktion hab ich bei Mozilla mit requested) oder Einkaufslisten über Tasks und Sub-Tasks zu managen (Sub-Tasks kann Open-Xchange-Plattform nicht; Funktionalität wurde in den letzten Jahren mehrfach von Mailbox.org requested). Hinzu kommt, dass ich bereits einige Apps wechseln musste, da der Entwickler das Projekt aufgegeben hat.

Auch das Finden einer für meine Familie auch mitnutzbaren Office-Alternative war eine große Herausforderung. MS Office haben wir vor fünf Jahren verbannt; seitdem waren mal Libreoffice, Collabra und jetzt das aufgeräumte Only Office mit integrierter Update-Funktion auf meinen Geräten.

Ansonsten nutze ich als Messenger Threema und Signal ohne Whatsapp seit über zehn Jahren und bin glücklich. Leute von den Apps zu überzeugen, klappt im Allgemeinen und das reicht mir vollkommen.

Als Passwortmanager nutze ich KeypassXC aufm Desktop und KeypassDX aufm Handy. Die Passwort-Datenbank synchronisiere ich lokal mit Syncthing. Als 2FA-App kommt bei mir Aegis zum Einsatz (nachdem ein Back-up & Restore mit der App FreeOTP in die Grütze ging).


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