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Developer Preview 2 im Test: Google verbessert Android M heimlich weiter

Android M bringt viele Verbesserungen, aber Google redet nicht gerne darüber. Das ist zwar auch bei der zweiten Developer Preview nicht anders, doch im Test haben wir Änderungen am Programmstarter gefunden - und noch mehr Einstellungen zur Konfiguration.
/ Ingo Pakalski
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Googles zweite Preview von Android M bringt sinnvolle Verbesserungen. (Bild: Google/Screenshot: Golem.de)
Googles zweite Preview von Android M bringt sinnvolle Verbesserungen. Bild: Google/Screenshot: Golem.de

Zur zweiten Developer Preview von Android M wollte Google selbst nicht viel sagen - wie auch schon bei der ersten Android-M-Preview . Wir haben uns die zweite Vorabversion mit der Build-Nummer MPZ79M auf einem Nexus 5 angeschaut und sind auf einige Verbesserungen gestoßen. Teilweise wurden auch Änderungen aus der ersten Developer Preview rückgängig gemacht.

Googles Android M (Preview 2) ausprobiert
Googles Android M (Preview 2) ausprobiert (02:11)

Mit Android M hat Google einen überarbeiteten Startbildschirm vorgestellt. Für diesen lässt sich in der neuen Version endlich eine Displaydrehung aktivieren. Die betreffende Option ist allerdings gut versteckt, denn mit Android M finden sich die Google-Einstellungen nun in den Android-Einstellungen: Die Konfiguration dafür befindet sich in dem Untermenü "Suche und Google Now". Die Option agiert abhängig von der globalen Einstellung: Wenn also die Displaydrehung systemweit ausgeschaltet ist, ist die Startbildschirm-Option ebenfalls ausgeschaltet.

Änderungen an der App-Übersicht

Mit der zweiten Vorabversion ändert sich wieder einiges an der neuen App-Übersicht, die jetzt vertikal durchgescrollt werden kann. Ganz oben ist weiterhin eine Suchfunktion. Das Feld ist aber jetzt direkt erreichbar, zuvor musste zum Öffnen erst ein Suchknopf betätigt werden. Sobald ein Buchstabe eingegeben wird, erscheinen nur noch die Apps mit diesem Anfangsbuchstaben.


Unterhalb des Suchfeldes gibt es weiterhin eine Liste mit App-Platzhaltern. Dort erscheinen nicht alle zuletzt aufgerufenen Apps, aber ab und an rutschen aufgerufene Apps in die Liste und verdrängen andere Apps. Der genaue Ablauf dabei ist noch immer nicht ersichtlich. Innerhalb der Google-Einstellung "Suche und Google Now" lassen sich die Platzhalter bei Bedarf komplett abschalten, so dass die App-Übersicht mehr Platz erhält. Allerdings funktionierte das bei uns nicht immer zuverlässig, das Abschalten war meist erst nach einem Geräteneustart möglich.

Buchstabenleiste wurde wieder entfernt

Die Buchstabenleiste auf der linken Seite der App-Übersicht ist wieder verschwunden, und das bringt mehr Platz für die Apps. Jede App-Reihe kann dadurch einen Eintrag mehr anzeigen, so dass der Nutzer mehr Apps auf einen Blick sehen kann. Die linke Buchstabenleiste vermissen wir in der jetzigen Form nur bedingt. Bei vielen Apps hilft sie zwar, leichter den Überblick zu behalten, aber sie nimmt auch unnötig viel Platz in Anspruch.

Einstellungen wurden überarbeitet

An der Stelle wäre eine platzsparendere Lösung für eine leichtere Orientierung sinnvoller gewesen. Schade, dass sich Google dazu entschieden hat, die Buchstabenübersicht ganz wegzulassen, anstatt die Darstellung zu optimieren und mit einer sinnvollen Steuerung zu versehen.

Schnellscrollfunktion in App- und Widget-Übersicht

Für die Steuerung gibt es aber weiterhin die Schnellscrollfunktion auf der rechten Seite der App-Übersicht. Indem er den Finger auf der rechten Seite hält und nach oben oder unten bewegt, kann sich der Anwender besonders zügig durch die Liste bewegen. Beim Scrollen ploppen die jeweiligen Anfangsbuchstaben der Apps auf. Damit kann der Nutzer zu einer bestimmten Buchstabengruppe springen, das direkte Anwählen eines bestimmten Anfangsbuchstabens ist hingegen weiterhin nicht möglich.


Erfreulicherweise wurde diese Bedienung in der neuen Preview auch in die Widgets-Übersicht integriert. Dadurch lassen sich auch diese angenehm zügig durchblättern, um halbwegs komfortabel zu einer bestimmten Buchstabengruppe zu gelangen.

Screenshots können als kleine Verbesserung nicht nur direkt aus dem Benachrichtigungsbereich heraus verteilt, sondern auch von dort aus gelöscht werden. Das ist hilfreich, falls etwa ein Bildschirmfoto missglückt ist.

Veränderungen an den Einstellungen

Einige weitere Neuerungen finden sich in den Android-Einstellungen, vor allem in der App-Konfiguration, die bereits mit der ersten Preview umfangreich überarbeitet und neu gestaltet wurde. Ab der zweiten Vorabversion ist der Berechtigungseintrag ausgegraut, wenn die App keine der verbleibenden Berechtigungen einfordert. So sieht der Nutzer dies ohne einen weiteren Klick.


Sobald eine App Berechtigungen verlangt, werden diese namentlich in dem Eintrag aufgeführt. Wenn alle entzogen wurden, steht dies dort ebenfalls, ansonsten werden dort alle gewährten Berechtigungen angezeigt. Standardmäßig sind es alle, die eine App einfordert. Mit dieser kleinen Änderung erhöht sich die Übersichtlichkeit für den Anwender, weil er die relevanten Informationen einfacher im Blick hat.

Verwirrende Speichereinstellungen

Auch die Übersicht über alle App-Berechtigungen wurde optimiert. Der Menüpunkt informiert bereits, wie viele Apps weitere Zugriffsrechte verlangen, und die dann erscheinende Übersicht zeigt dem Nutzer, wie viele der zusätzlich installierten Apps nach einer bestimmten Funktion verlangen. Wurde eine Berechtigung entzogen, ist die Menge der betroffenen Apps ebenfalls in der Übersicht zu erkennen - auch hier werden nur die zusätzlich installierten Apps berücksichtigt. Damit erhält der Nutzer noch bequemer als in der ersten Preview einen Überblick über die von Apps angeforderten Berechtigungen.


In der Detailansicht werden standardmäßig nur noch die Berechtigungen der zusätzlich installierten Apps aufgelistet. Erst über eine zusätzliche Option werden auch die vorinstallierten Apps angezeigt, die die betreffende Berechtigung benötigen. Wer also einer System-App eine Berechtigung entziehen will, hat hier mehr Mühe als in der ersten Preview.

Überarbeitete Speicherbelegung

Mit Android M gibt es zwei Speicher-Einträge in den Einstellungen. Das ist verwirrend und sollte entweder vereint oder zumindest passender betitelt werden. Der Menüpunkt "Speicher und USB" zeigt die Speicherbelegung im Flash-Speicher und ist unterteilt nach Apps, Bildern, Videos, Audiodateien und weitere Daten.


Dann gibt es noch den Menüpunkt "Speicher", der über die Belegung des Arbeitsspeichers informiert. Den Hauptbildschirm ziert einen Balken mit der Speicherbelegung der letzten 3, 6, 12 oder 24 Stunden. In einem Untermenüpunkt erfährt der Nutzer den Speicherbedarf aller Apps nach den oben genannten Zeiträumen - auch hier gibt es optische Verbesserungen. Statt eines dicken Balkens neben der betreffenden App gibt es nun unterhalb der App einen schmalen Balken, der die Speicherbelegung visualisiert und dabei weniger aufdringlich ist.

Auch in den App-Einstellungen wurden weitere kleinere Modifikationen vorgenommen, sofern diese über die Speicher-Rubrik aufgerufen werden. Dann befindet sich die Option "Beenden Erzwingen" in einem Untermenü und ist nicht mehr auf der Übersichtsseite der App-Konfiguration zu finden. In der App-Rubrik ist der Befehl hingegen weiterhin auf der Anfangsseite der Konfiguration zu finden.


Eine weitere Neuerung ist eine Funktion in der Einstellung "Sichern und Zurücksetzen". Darüber lassen sich alle auf dem Gerät abgelegten Netzwerkeinstellungen löschen. Das betrifft die Netzwerkkonfiguration für alle WLAN-, Mobilfunk- und Bluetooth-Einstellungen. Das kann sinnvoll sein, wenn das Gerät an jemanden übergeben werden soll, ohne dass Anmeldedaten auf dem Gerät bleiben.

Versteckter SystemUI-Tuner mit mehr Funktionen

Die Option SystemUI Tuner bleibt auch mit der aktuellen Preview gut versteckt und lässt sich nur in den Entwickleroptionen aktivieren. Allerdings bietet der SystemUI Tuner jetzt deutlich mehr. Damit die Funktion erreichbar ist, muss der Nutzer zunächst die Entwickleroptionen in den Android-Einstellungen aktivieren. Dazu muss er im Bereich "Über das Telefon" mehrfach auf den untersten Eintrag "Build-Nummer" tippen, dann wird das Entwicklermenü oberhalb des Menüeintrags "Über das Telefon" eingeblendet.


Danach muss im Entwicklermenü die Option "SystemUI-Tuner anzeigen" aktiviert werden. Daraufhin erscheint in den Android-Einstellungen ein neuer Eintrag mit der Bezeichnung "SystemUI Tuner". In der ersten Preview konnten darüber die Schnelleinstellungen modifiziert werden, neben dem Löschen war auch das Hinzufügen weiterer Einträge möglich, und die Reihenfolge ließ sich verändern. Praktischerweise kann all das in den Werkszustand zurückgesetzt werden, falls zu viel durcheinandergeraten ist.

Mit der zweiten Preview erhält der Bereich SystemUI-Tuner eine Reihe neuer Funktionen. So gibt es im Basis-Android erstmals eine Akku-Prozentanzeige innerhalb des Symbols in der Statusleiste. In vielen angepassten Android-Oberflächen lässt sich die Prozentanzeige seit langem dazuschalten, aber im Basis-Android fehlte dies bislang. Leider lässt sich die recht kleine Schrift nicht vergrößern, und auch sonst kann die Anzeige nicht weiter angepasst werden.


Mit einem weiteren neuen Eintrag lässt sich die obere Statusleiste umfangreich konfigurieren. Der Anwender kann einzelne Icons aus der Statusleiste dauerhaft ausblenden. Wer also etwa das Bluetooth-Icon oder die Uhrzeit dort nicht mehr sehen möchte, kann sie abschalten. Damit wird die Übersicht in der Statusleiste erhöht, da nicht benötigte Icons ausgeblendet werden.

Enthüllt Google die Versionsnummer von Android M?

Als weitere Neuerung gibt es einen neuen Demomodus, bei dem die Statusleiste mit Standardwerten belegt wird und keine Benachrichtigungen mehr anzeigt. In diesem Modus ist der Akkuladestand immer bei 100 Prozent und auch WLAN und Mobilfunknetz zeigen maximalen Empfang. Zudem zeigt die Uhrzeit immer unverändert 17:20. Damit können Screenshots oder Videoaufnahmen gemacht werden, ohne dass versehentlich vertrauliche Informationen preisgegeben werden.

Themes-Funktion ist wieder weg

Die im Demomodus angezeigte Uhrzeit könnte ein Hinweis auf die künftige Versionsnummer der nächsten Android-Hauptversion sein, wobei hier die US-Zeitangabe relevant ist: Demnach bekäme Android M die Versionsnummer 5.2. Auf Googles Pressefotos zu den Android-Vorversionen verrieten seinerzeit die Uhrzeiten in der Statusleiste die Versionsnummer. So hatten Lollipop-Screenshots die Uhrzeit 5:00 und alle Screenshots von Android 5.1 wiesen die Uhrzeit 5:10 auf.


Die in den Entwicklungsoptionen versteckte Themes-Funktion hat Google aus Android M wieder entfernt. In der ersten Preview war es möglich, zumindest das Einstellungsmenü statt in dem hellen Theme in einem dunklen anzuzeigen. Auf die übrige Bedienoberfläche hatte das keinen Einfluss.

Wie auch bei der ersten Preview könnten manchen Android-Nutzern einige der hier beschriebenen Funktionen bereits bekannt vorkommen. Denn die verschiedenen angepassten Oberflächen der Gerätehersteller ändern manches und bieten einige der hier beschriebenen Funktionen bereits seit Jahren an, beispielsweise rund um den Startbildschirm oder aus dem SystemUI-Tuner.

Neue Textauswahl rudimentär implementiert

Die für Android M angekündigte neue Textauswahl ist auch in der zweiten Preview nicht systemweit vorhanden. In der ersten Preview war davon noch nichts zu sehen, jetzt ist sie in einigen Apps zu finden. Bisher war es so, dass bei der Textselektion am oberen Bildschirmrand ein Popup mit möglichen Befehlen erschien. Die neue Auswahl öffnet ein Popup direkt über der Textmarkierung, so dass die betreffenden Befehle einfacher zu erreichen sein sollen.


Im Haupt-Popup sind im Hochformat auf einem Nexus 5 aber nur die Befehle zum Ausschneiden und Kopieren direkt erreichbar. Die Befehle zum Einfügen, Teilen oder Auswählen des gesamten Abschnitts sind in einem Untermenü verborgen. Den Bedienungskomfort verbessert das alles nicht deutlich.

Auch mit der zweiten Preview fehlt der Task-Übersicht eine Funktion, um die Liste per Knopfdruck zu bereinigen. Aufgrund der optischen Gestaltung wird die Liste schnell unübersichtlich und auch ein Geräteneustart führt nicht zu einer Aufräumaktion. Wer hier mehr Übersichtlichkeit schaffen will, muss also App für App aus der Übersicht entfernen - das ist ziemlich mühselig.

Fazit

Die Developer Preview 2 von Android M gibt es wie auch schon die erste Vorabversion nur für vier Geräte: für die Smartphones Nexus 5 und Nexus 6 sowie für das Tablet Nexus 9 und die Set-Top-Box Nexus Player. Für die verbreiteten Nexus-7-Tablets werden beide Vorabversionen nicht angeboten. Ende Juli 2015 ist eine weitere Vorabversion vorgesehen, die dann weitgehend der fertigen Version entsprechen soll. Das fertige Android M wird im Herbst 2015 erwartet. Nach wie vor ist der Beiname der kommenden Android-Version nicht bekannt - fest steht nur, dass es eine Süßspeise sein wird, die mit dem Buchstaben M beginnt.


Die meisten Android-Nutzer werden noch viele Monate warten müssen, bis sie von den Änderungen durch Android M profitieren. In diesem Jahr werden wohl nur die Besitzer von Nexus-Geräten die neue Version bekommen. Auch die Moto-Modelle von Motorola haben die Updates zuletzt nicht mehr ganz so schnell erhalten. Und frühestens im kommenden Jahr wird es die neue Android-Version für ausgewählte Geräte geben. Aktuell läuft die überwiegende Mehrzahl der Android-Geräte mit einem Betriebssystem, das anderthalb bis drei Jahre alt ist, weil die Hersteller kein Update auf eine aktuellere Version anbieten.

Fazit

Im Vergleich zur ersten Developer Preview gibt es weniger Änderungen, aber dafür bringen sie noch einmal einen Komfortsprung. Die App-Übersicht ist mit dem neuen Suchfeld und den abschaltbaren App-Platzhaltern in der Übersicht eine deutliche Verbesserung zur Vorversion. Erfreulich ist auch, dass die Schnellscrollfunktion aus der App-Übersicht nun auch in der Widget-Übersicht vorhanden ist.


Schade finden wir, dass die Buchstabenübersicht ganz weggefallen ist. Das erschwert die Orientierung bei vielen Apps. Hier wäre eine alphabetische Markierung eine große Hilfe - vor allem, wenn viele Apps auf dem Gerät installiert sind. Wir hätten uns eine verkleinerte Variante gewünscht.

Sehr angetan sind wir von den Verbesserungen durch den SystemUI-Tuner, auch wenn wir es unverständlich finden, dass diese sinnvollen Funktionen so tief im System versteckt werden. Anwender können ihr Smartphone damit deutlich umfangreicher konfigurieren und es an ihre Bedürfnisse anpassen.


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