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Deutschland: Vodafone verliert Führungskräfte und Kunden

Bei Vodafone Deutschland gibt es Unmut wegen der Gängelung durch die britische Konzernzentrale. Führungskräfte verlassen den Netzbetreiber.

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Der Chef von Vodafone Deutschland, Philippe Rogge, am 23. Mai 2023 auf der Anga Com in Köln (Bild: Achim Sawall/Golem.de)

Bei Vodafone Deutschland ist die intern erhobene Zufriedenheit der Beschäftigten im vergangenen Jahr gefallen und verharrt seitdem auf dem Niveau. Das berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Unternehmenskreise. Vodafone verweist dagegen auf "stabile Zustimmungswerte".

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Die vom Deutschlandchef Philippe Rogge vor einem Jahr begonnene Transformation zeige bislang kaum relevante Resultate, will das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfahren haben. Im Kabelnetz gingen im Zeitraum zwischen Juli 2022 und Dezember 2023 fast 4,5 Prozent der Breitbandkunden verloren.

In der Deutschlandführung Vodafones gebe es Unmut über zu geringe Entscheidungsfreiheit gegenüber der britischen Konzernzentrale in London.

Firmenkundenchef Alexander Saul werde laut dem Bericht das Unternehmen innerhalb der kommenden Monate verlassen. Vodafone wollte das weder bestätigen noch dementieren; Saul ließ eine Anfrage unbeantwortet. Zuletzt hatten bereits Christoph Ziller, der für das Geschäft mit großen Immobiliengesellschaften verantwortlich war, sowie die in der Branche angesehene Finanzchefin Anna Dimitrova Vodafone den Rücken gekehrt. Dimitrova wechselte zu Deutsche Glasfaser.

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Frust und Resignation im Management?

Ziller wird ab dem 1. März 2024 eine neue Position als Director Transformation Office & Strategy bei dem Kabelnetzbetreiber Tele Columbus antreten. Auch der Branche bekannte Technikchef Gerhard Mack verließ schon vor längerer Zeit Vodafone. Kurz darauf gab der renommierte Firmenchef Hannes Ametsreiter frühzeitig seinen Posten auf. Laut Branchengerüchten wollte Ametsreiter den Kauf von Deutsche Glasfaser durchsetzen, bekam aber aus Großbritannien nicht die Freigabe dafür.

Gerade im Management machten sich Frust und Resignation breit, hieß es laut Handelsblatt in Unternehmenskreisen. Jede Ausgabe müsse für jede Quartalsperiode neu von der Konzernleitung genehmigt werden. Auch viele Beschäftigte verstünden nicht, wie die aktuelle Strategie zu Wachstum führen solle.

Der Vodafone-Betriebsrat streitet sich derzeit mit dem Konzern vor dem Arbeitsgericht Düsseldorf um die Einstufung einer neuen Bereichsleiterin. Der Grund: Sie soll nicht ausreichend Handlungsspielraum genießen, um als leitende Angestellte gelten zu können. Betriebsrat und Konzern wollten das nicht kommentieren.

"Vor rund einem Jahr haben wir angefangen, Vodafone neu auszurichten: näher am Kunden, einfacher im Unternehmen und fokussierter auf künftiges Wachstum. Diese Ziele haben wir in einem Transformationsprogramm vereint – verbunden mit einem klaren Kostenmanagement", sagte Vodafone-Sprecher Alexander Leinhos Golem.de auf Anfrage. "Wir sehen Fortschritte in vielen Bereichen. Messungen zeigen Verbesserungen für uns und unsere Kunden. Das ist herausfordernd und kostet Zeit." Transformation bedeute auch Veränderung.

In den letzten zwei Quartalen habe man wieder positives Umsatzwachstum verzeichnet.

Man sehe nach Bekanntgabe der Transformation vor einem Jahr bei Mitarbeiterbefragungen im laufenden Geschäftsjahr nun wieder stabile Zustimmungswerte. "Die freiwillige Fluktuationsrate unserer Führungskräfte ist im laufenden Geschäftsjahr zurückgegangen und bewegt sich auf niedrigem Niveau", betonte Leinhos.