Deutschland: Vodafone sucht Partner für Glasfaser-Joint-Venture
Konzernchef Nick Read hat den Plan noch nicht freigegeben. Bei Vodafone Deutschland soll der Unmut über immer mehr Steuerung aus London wachsen.
Vodafone spricht mit Investoren über die Gründung einer Gesellschaft zur Finanzierung des Glasfaserausbaus in Deutschland. Das hat das Handelsblatt aus Finanz- und Unternehmenskreisen erfahren. Vodafone plane mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von bis zu 10 Milliarden Euro, 2 Milliarden Euro davon kämen von Vodafone selbst, 2 Milliarden Euro von dem gewünschten Partner, heißt es in dem Bericht.
Bislang soll die Führung um den britischen Konzernchef Nick Read aber noch keine Entscheidung getroffen haben. Vodafone steht in Deutschland vor der Herausforderung, sein Kabelnetz für die Zukunft aufzurüsten. Den Quellen zufolge nimmt bei der Deutschlandtochter intern der Unmut zu, weil die britische Muttergesellschaft zunehmend Entscheidungsbefugnisse an sich gezogen hat.
Der in der Branche bekannte Technikchef Gerhard Mack hat Vodafone verlassen. "Da die Vodafone Group den Technikbereich auf weltweiter Ebene neu aufgestellt hat, wird bei Vodafone Deutschland seine Position nicht neu besetzt", erklärte das Unternehmen.
Konzernchef Read will zu wenig investieren
Ein Vodafone-Sprecher entgegnete Kritikern, das Unternehmen habe "operativ eine klare Struktur". Beim Glasfaserausbau könne Vodafone bei entsprechender Nachfrage auch durch "Optionen außerhalb der eigenen Bilanz" reagieren.
Konzernchef Read, sagen Kritiker laut Handelsblatt, scheue notwendige Investitionen. Weit mehr als hundert Haushalte teilen sich im Vodafone-Kabelnetz mitunter einen Node. Der Ausbau mit dem Kabelnetzstandard Docsis 3.1 reicht offenbar nicht aus, um mehr Kapazität für die Kunden zu liefern.
Zudem bekommt Vodafone laut Brancheninsidern die Technik für den virtuellen Nodesplit nicht stabilisiert, wie Golem.de berichtete. Cluster werden deshalb regional mit Glasfaser überbaut, weil das schneller geht. Vodafone setzt ausschließlich Remote-Phy-Technik ein und nicht Remote Macphy.
Glasfaserausbau zugunsten von Segmentierungen reduziert
Nachdem Vodafone Deutschland mehrfach erklärt hatte, man wolle neben Mobilfunk auch stark in eigenständige Glasfasernetze bis hin zum Kunden investieren, änderte sich im November 2020 die Strategie. Laut einer internen E-Mail des Managements werden "keine neuen Gewerbegebiete in unsere Vorvermarktung" aufgenommen.
Beim Erschließen von Wohngebieten werde man nur noch "äußerst selektiv vorgehen", hieß es weiter. Man wolle nur noch "jene Projekte angehen", die "auch in der Erweiterung und Aufrüstung" des bundesweiten Kabelnetzes helfen. Alle vereinbarten Glasfaserprojekte, bei denen bundesweit 23.000 Unternehmen und 150.000 Haushalte angeschlossen werden sollen, würden abgeschlossen.
Vodafone ergänzte, es werde weiterhin Glasfaser gebaut, aber vorrangig, um die eigenen Kabelnetze zu versorgen. Dem Bandbreitenhunger wolle man mit Investitionen gerecht werden. "Dafür widmen wir künftige Teile unserer bisherigen Glasfaseraktivitäten jetzt um."
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