Deutschland: Unter 200 kleine Dörfer komplett mit Glasfaser versorgt

In Deutschland sind erst 190 Dörfer unter 3.000 Einwohnern vollständig mit Glasfaser versorgt. Das berichtet das Vergleichsportal Verivox(öffnet im neuen Fenster) am 22. Juli 204 unter Berufung auf die aktualisierten Daten des Breitbandatlas(öffnet im neuen Fenster) . Die Mehrzahl dieser Dörfer liegt mit 121 im Bundesland Schleswig-Holstein.
Nach Schleswig-Holstein folgt Niedersachsen mit 28 vollversorgten kleinen Dörfern. Auch in der Gesamtbewertung schneiden beide Bundesländer sehr gut ab - sie sind mit 59 beziehungsweise 54 Prozent Glasfaserabdeckung (FTTH/B) die beiden bestversorgten deutschen Flächenländer.
Mit 68 Prozent Glasfaseranteil führt laut Verivox der Stadtstaat Hamburg den Breitbandatlas an. Die Stadt selbst gab den Ausbau gerade erst mit 50 Prozent an. "Die Zahl, die die Stadt Hamburg gerade veröffentlicht hat, bezieht sich auf versorgte Haushalte. Die Zahl, die wir genannt haben, bezieht sich auf die im Bundesbreitbandatlas genannte Verfügbarkeit von FTTH/B" , sagte Verena Blöcher, Director Communications Telco bei Verivox. Der Glasfaserausbau erfolgt stufenweise: erst Homes Passed, dann Homes Connected, dann Homes Activated. Homes Passed bedeutet, dass die NE3-Glasfaser-Infrastruktur für FTTH auf öffentlichem Grund durchgängig bis vor das private Grundstück fertiggestellt ist. Gebucht werden kann hier noch nicht, weil der Hausstich fehlt.
Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox, sagte über die gute Versorgung im Norden: "Ähnlich wie beim Vorreiter Dänemark hat man klar auf Glasfaser gesetzt und keine technikoffenen Gigabit-Ziele formuliert. Zudem gibt es beim Netzausbau in weiten, flachen Landstrichen deutlich weniger topografische Hindernisse als in gebirgigen Regionen."
In Schleswig-Holstein liegen die meisten vollversorgten kleinen Dörfer in den Kreisen Herzogtum Lauenburg sowie Schleswig-Flensburg. In Niedersachsen haben der Landkreis Lüchow-Dannenberg sowie der Landkreis Lüneburg die meisten kleinen Dörfer mit 100 Prozent Glasfaser.
Breitbandziel in Frage gestellt
In der Gigabitstrategie der Bundesregierung sind ambitionierte Ziele formuliert: Der Koalitionsvertrag sieht eine flächendeckende Versorgung mit Glasfaser vor. Bis 2025 soll die Hälfte aller Haushalte versorgt sein, bis zum Jahr 2030 wird eine Komplettabdeckung angestrebt. Doch in sieben deutschen Flächenländern gibt es laut Breitbandatlas kein zu 100 Prozent mit Glasfaser versorgtes Dorf.
"Die Datenlage ist jedoch aufgrund der föderalen Struktur Deutschlands nicht eindeutig" , sagte Schamberg. "Denn die Bundesländer handhaben ihre Gemeindestruktur sehr unterschiedlich: In manchen Ländern werden kleine Dörfer als einzelne Gemeinden ausgewiesen, in anderen jedoch eingemeindet. Deshalb haben wir uns zum Vergleich auch die bestversorgten Kreise angeschaut - auch diese finden sich im Norden beziehungsweise Nordwesten Deutschlands."
Verivox gehört zur ProSiebenSat.1 Media-Gruppe, betreibt Vergleichsportale und ist als Vermittler von Verträgen tätig.



