Deutschland und der Nahostkrieg: Dürftige Auskünfte zum Raketenschutz für Rechenzentren
Inhalt
Schon zu Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran und den Libanon haben iranische Streitkräfte AWS-Standorte in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain mit Drohnen angegriffen. Es waren die ersten bekannten Fälle , bei denen ein Staat in einem laufenden Konflikt gezielt kommerzielle Rechenzentren ins Visier nahm. Dennoch wollen Regierung, Branche und Militär hierzulande nicht über einen Schutz von Rechenzentren in Deutschland sprechen – und das obwohl die Sicherheitsbestimmungen für die Gebäude öffentlich sind. Antworten kamen von allen Befragten nur sehr widerwillig und verkürzt.
Noch nie war die Gefahr eines Dritten Weltkrieges so hoch wie derzeit, jede Eskalation scheint möglich. Dazu trägt die Allianz zwischen Iran und Russland bei. Der Krieg droht nach Angaben des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, Volker Türk, jeden Moment in eine regionale oder globale Krise auszuarten. "Dieser Konflikt hat eine beispiellose Kraft, Länder über Grenzen hinweg und auf der ganzen Welt darin zu verstricken" , warnte Türk in der Dringlichkeitsdebatte des UN-Menschenrechtsrats in Genf.
Der Irankrieg wird von beiden Seiten mit äußerster Brutalität gegen die Zivilbevölkerung und ohne Rücksicht auf Umweltzerstörung geführt. Und obwohl Israel der Staat mit dem besten Raketenabwehrschirm der Welt ist, gibt es auch hier immer wieder Einschläge.
Rakete mit einer Reichweite von 4.000 Kilometern
Die Bedrohung für Rechenzentren in Deutschland daher nicht weit hergeholt: Denn dem Regime im Iran gelang es, Raketen auf den US-britischen Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean abzufeuern. Israels Militärchef Ejal Zamir sagte, Iran habe eine Rakete mit einer Reichweite von 4.000 Kilometern abgefeuert. Wie weit die Raketen real kamen, ist nicht öffentlich bekannt.
Die Luftlinie Berlin – Teheran beträgt rund 3.500 Kilometer. Stützpunkte wie Ramstein (Air Base) und AFRICOM/EUCOM in Stuttgart sind für US-Operationen im Nahen Osten essenziell. Iranische Militärs hatten zuletzt verstärkt Anfang 2026 betont, dass im Falle eines Krieges mit den USA alle Basen, von denen Angriffe ausgehen oder koordiniert werden, legitime Ziele seien.
Wer schützt die Rechenzentren vor Raketen?
Die größte Dichte an Rechenzentren haben Frankfurt am Main mit 80 Prozent und Berlin-Brandenburg mit Regionen von Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure, Google Cloud und Oracle Cloud, bei denen mehrere riesige Hallen nebeneinander stehen. Dort sind auch der DE-CIX oder Maincubes beheimatet.
Die nationalen Betreiber Deutsche Telekom, Schwarz Gruppe, Hetzner Online, Noris Network, Ionos oder Ewe Tel sind geografisch weiter gestreut. Es bleibt festzuhalten: Ein Angreifer würde heute sicher nicht mehr hauptsächlich Fabriken oder Brücken zerstören, sondern Rechenzentren.
Doch wer ist eigentlich zuständig für den Schutz dieser kritischen Infrastruktur vor Raketenangriffen, ohne welche die Wirtschaft, Regierung, Infrastruktur und Versorgung kollabieren würden?
Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen. Ein Sprecher der Luftwaffe sagte Golem: "Rechenzentren sind Teil der sogenannten Kritischen Infrastruktur (KRITIS). Für den Schutz dieser Anlagen sind in erster Linie deren Betreiber verantwortlich. Für weitere Fragen verweise ich Sie zuständigkeitshalber an das Innenministerium."
Ein Sprecher eben dieses Bundesinnenministeriums erklärte Golem jedoch: "Ich verweise diesbezüglich an das zuständige Bundesministerium der Verteidigung." An dieses Ministerium verwies auch das BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik), das auch für den Schutz der IT-Systeme des Bundes verantwortlich ist.
Natürlich werden durch das 2N- oder 3N-Prinzip Daten in Echtzeit zwischen weit entfernten Standorten gespiegelt, was einen wichtigen Schutz durch Redundanz darstellt. Das setzt aber funktionierende Glasfaser-Trassen und Energieversorgung voraus.
- Anzeige Hier geht es zu Hacking & Security: Das umfassende Handbuch bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



