Mad World
Donnie Darko lebt von seinen starken Bildern und der mysteriösen, philosophischen Geschichte. Für die Wirkung des Films ist aber auch die Musik nicht zu unterschätzen. Michael Andrews komponierte den Score, es kamen aber auch einige Songs der 80er Jahre zum Einsatz. Leisten konnte sich die Produktion das, weil zu dem Zeitpunkt kaum ein Film auf Songs der 80er Jahre setzte, so dass die Lizenzkosten niedrig waren.
Nach dem Höhepunkt des Films, in dem alle Protagonisten in ihren Schlafzimmern gezeigt werden, sollte ein 80er-Song illustrieren, was die Figuren fühlten, aber auch, was man sah. Man entschied sich für eine Cover-Version von Mad World von Tears for Fears. Gary Jules und Michael Andrews passten den Song für den Film an. Sie stellten ihn Richard Kelly vor, der restlos begeistert war.
Der Film wird der Öffentlichkeit präsentiert
Donnie Darko wurde auf dem Sundance Film Festival erstmals gezeigt und beeindruckte praktisch jeden – umso mehr, wenn man bedenkt, was Kelly mit nur 4,5 Millionen US-Dollar Budget gezaubert hatte. Aber auch knapp ein halbes Jahr nach dem Debüt hatte der Film noch keinen Verleih gefunden.
Dann jedoch wurde der Film den Managern von Newmarket vorgeführt – in Anwesenheit von Christopher Nolan und dessen Frau Emma. Nachdem die Lichter im Saal wieder angingen, sah Nolan die Manager von Newmarket an und nickte.
Nolan gab Kelly auch ein paar Empfehlungen. Mit einem Verleih an der Hand begann nun der Feinschliff. Mit einem Tag an Nachdrehs wurde es möglich, Kleinigkeiten zu ändern – so tauchte Frank nun auch in der Mad-World-Sequenz auf, was vorher nicht der Fall war.
Aber Newmarket wollte den Film nur fürs Heimkino auswerten. Also intervenierte Drew Barrymore persönlich. Kurz darauf wurde der Kinostart für Oktober angekündigt. Dann kam 9/11. Da war ein Film, in dem ein Flugzeugteil abstürzt, nicht gerade ideal, um sich im Kino vom Grauen der Realität ablenken zu können.
Der Film war im Kino kein Erfolg, er spielte weltweit nur gut 7 Millionen US-Dollar ein. Er fand sein Publikum vielmehr im Heimkino – die DVD machte reißenden Umsatz.
Die Veröffentlichung in Großbritannien spülte auch Mad World in die Charts. Danach dauerte es nicht lange, bis der Song ein weltweiter Hit wurde. Auch das half, den Kultstatus von Donnie Darko zu zementieren. Die amerikanische DVD wurde von Filmfans überall auf der Welt importiert – damit konnte man in Deutschland den Film weit früher sehen als die offizielle deutsche Veröffentlichung. Die fand erst am 18. Dezember 2003 statt.
Gyllenhaal wurde zum Star, Kelly konnte den Erfolg nicht wiederholen
Jake Gyllenhaal war nach diesem Film auf dem Weg, ein Superstar zu werden. Richard Kelly inszenierte als nächstes die Sci-Fi-Satire Southland Tales (2006), die bei Publikum und Kritik nicht gut ankam, und dann die Ray-Bradbury-Adaption The Box (2009), die auch weit unter den Erwartungen blieb.
Seitdem hat Kelly, der nach seinem ersten Werk als Wunderkind galt, keinen weiteren Film gemacht. Im Jahr 2009 kam das Direkt-auf-DVD-Sequel S. Darko – eine Donnie-Darko-Saga, mit der Kelly nichts zu tun hat und die sich um Donnies Schwester dreht. Es ist eine günstige Fortsetzung, die dem Original nicht das Wasser reichen kann.
Im Jahr 2004 gab es noch einen Director's Cut mit vielen kleinen Änderungen, aber auch neuen Szenen, die die Geschichte des Films etwas kohärenter erscheinen lassen. Er hat eine etwa zehn Minuten längere Laufzeit. Aber egal, ob Kinofassung oder Director's Cut, Donnie Darko ist in jeder Version ein filmischer Trip, der auch 20 Jahre nach dem deutschen Debüt nichts von seiner Einzigartigkeit verloren hat.