Deutsches Zentralarchiv Barbarastollen: 1,3 Milliarden Mikrofilme 300 Meter unter der Erde
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Lange Zeit interessierte sich niemand für den Stollen am Fuße des Schauinsland im Schwarzwald. Der Barbarastollen sollte eigentlich nur eine Verbindung zur Grube Schauinsland schaffen, einem ehemaligen Silberbergwerk. Doch nicht einmal das funktionierte. Nach 700 Metern wurden die Arbeiten im Berg im Oktober 1954 eingestellt. Danach geriet die Existenz des Stollens allmählich in Vergessenheit.
Anfang der 1960er Jahre beginnen Überlegungen, Dokumente und Texte von kulturhistorischer Bedeutung für die deutsche Geschichte an einem sicheren Ort einzulagern. Viele dieser Kulturgüter wurden damals bereits auf Mikrofilm gesichert.
Deutschland ist zu diesem Zeitpunkt noch stark mit den Folgen des Zweiten Weltkriegs beschäftigt. Eine Erfahrung aus dieser dunklen Zeit deutscher Geschichte ist im Denken noch sehr präsent: "Aufgrund der erlebten Zerstörung und Plünderung von Kulturgütern während des Zweiten Weltkriegs wollte man die seit 1961 angefertigten Mikrofilme nicht langfristig in einem Standardgebäude lagern", erinnert Maren Kebbel, Pressesprecherin beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn, an die ersten Pläne, einen geeigneten Ort für ein deutsches Zentralarchiv zu suchen.
Der perfekte Ort
Bei der Recherche nach so einem Ort fiel der Blick irgendwann auf den einst geplanten Verbindungsstollen im Schwarzwald. Der Barbarastollen erschien als der perfekte Ort, "aufgrund der hier gegebenen, weitaus sichereren, unterirdischen Lagerungsmöglichkeiten. Der Stollen liegt fernab von kritischen Infrastrukturen, die im Falle eines Krieges zu potenziellen Angriffszielen werden könnten", sagt Kebbel.
Doch nicht nur die einsame Lage macht den Barbarastollen als Lagerort so attraktiv, "er bietet aufgrund seiner geologischen Beschaffenheit optimalen Schutz für die Mikrofilme. Bei einer konstanten Temperatur von etwa 10 Grad Celsius muss der Stollen nicht klimatisiert werden. Somit liegen optimale Bedingungen für die Haltbarkeit der Mikrofilme vor."
Mitte der 1970er Jahre begannen die Arbeiten im Stollen. Denn um die kulturhistorischen Schätze bestmöglich einzulagern, wurden in mehr als 300 Metern Tiefe noch zwei Seitenstollen in den Berg geschlagen. Diese beiden Stollen sind jeweils 50 Meter lang, 3 Meter hoch und 3,40 Meter breit und dienen nun schon seit über 50 Jahren als zentraler Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland (ZBO), so die offizielle Bezeichnung.
Die zwei Lagerstollen liegen zudem noch mehrere hundert Meter vom Eingang weg, nahezu unerreichbar und vor Zerstörung geschützt. "Diese Seitenstollen bieten nochmals einen zusätzlichen Schutz, da sie durch spezielle Sicherungsmaßnahmen nicht über den Hauptgang erreicht werden können", führt BBK-Pressesprecherin Maren Kebbel aus.