Digitalisierung spielt schon eine Rolle
Für das BBK verkleinern 14 Verfilmungsstellen in Deutschland die wertvollen Dokumente auf Mikrofilm. BBK-Pressesprecherin Kebbel liefert ein paar Zahlen, wie schnell das deutsche Zentralarchiv jährlich wächst: "Jeder Behälter im Barbarastollen enthält etwa 800.000 Aufnahmen. Jährlich kommen etwa 16.000.000 Aufnahmen hinzu."
Die Digitalisierung hat inzwischen auch bei der Archivierung Einzug gehalten, nicht als Speichermöglichkeit, sondern als moderne Aufnahmetechnik. "Komplette Bestände mit eigens für die Bundessicherungsverfilmung beschafften Aufnahmegeräten werden zunächst digitalisiert. Diese sogenannten Digitalisate werden anschließend in vier Ausbelichtungszentren auf die Mikrofilme ausbelichtet", erklärt Kebbel.
Die digitalen Kopien lagern nicht nur auf Mikrofilm für Ewigkeit unter der Erde im Schwarzwald, sondern sollen künftig über die Archivportale der Bundesländer für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Wer sich eine Urkunde Kaiser Karls des Großen zugunsten des Klosters St. Emmeram in Regensburg aus dem Jahr 794 anschauen möchte, kann das dann online tun. Doch ein Besuch im Barbarastollen ist schon eine besondere Reise in die deutsche Geschichte.
"Hier befinden sich unter anderem die Krönungsurkunde Ottos des Großen von 936, die Goldene Bulle aus dem Jahr 1356, die Bannandrohungsbulle von Papst Leo X. gegen Martin Luther von 1520, der Vertragstext des Westfälischen Friedens nach dem Dreißigjährigen Krieg von 1648 und die Entstehungsakte des Grundgesetzes der Bundesrepublik", zählt Kebbel auf.
In wenigen Jahren beginnen neue Überlegungen zum deutschen Zentralarchiv, das Gedächtnis der Nation. Denn der Platz in den beiden Lagerstollen reicht auf keinen Fall 500 Jahre.
Maren Kebbel skizziert mögliche Szenarien: "Es werden einmal jährlich etwa 30 Behälter angeliefert und zehn Behälter für Qualitätskontrollen mitgenommen und im Folgejahr wieder eingelagert. Wenn wir weiterhin im selben Rhythmus mit gleichbleibender Behälteranzahl einlagern, reicht der Platz noch für etwa 20 Jahre. Ob danach der vorhandene ZBO um Lagerkammern erweitert wird oder ein neuer ZBO gesucht wird, wird zum gegebenen Zeitpunkt entschieden."
Wer sich für einen Besuch im deutschen Zentralarchiv interessiert, wendet sich direkt an das BBK(öffnet im neuen Fenster). Besucherführungen gibt es an wenigen Tagen im Jahr. Einer davon liegt meist rund um den 3. Oktober, den Tag der Deutschen Einheit. Laut der Gemeinde Oberried(öffnet im neuen Fenster) sind die Termine 2026 am 5., 7., 8. und 9. Oktober.
Lars Lubienetzki(öffnet im neuen Fenster) arbeitet seit mehr als 30 Jahren als freier Journalist und Texter. Seine Schwerpunkte reichen von den Anfängen des Computerzeitalters bis zu KI-Themen.


