Deutscher Bundestag: Persönliche Daten Hunderter Politiker offen im Netz

Kreditkarteninformationen, Briefe, Unterhaltungen in Chats und andere persönliche Daten von Hunderten von Politikern aus dem Bundestag und von Prominenten sind über Twitter veröffentlicht worden. Der Betreiber des Accounts soll aus Hamburg stammen.

Artikel veröffentlicht am ,
Daten von Mitgliedern des Deutschen Bundestags sind im Netz gelandet.
Daten von Mitgliedern des Deutschen Bundestags sind im Netz gelandet. (Bild: John MacDougall/AFP/Getty Images))

Unbekannte haben über ein Nutzerkonto auf Twitter die persönlichen Daten von Politikern veröffentlicht. Betroffen sind vor allem Mitglieder des Bundestages, aber auch Landespolitiker und einzelne Prominente, die im Bereich Satire tätig sind oder zumindest gelegentlich politisch oder gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen. Dazu kommen Journalisten von ARD und ZDF. Bei den Politikern sind alle größeren Parteien bis auf die AfD ins Visier der Hacker geraten - das könnte ebenso Absicht wie Zufall sein oder schlicht daran liegen, dass mit dem Sammeln des Materials offenbar schon begonnen wurde, bevor die Partei in den Bundestag eingezogen ist.

Bei den verlinkten Inhalten handelt es sich um teils sehr persönliche Daten wie Chats mit Familienmitgliedern, private Urlaubsbilder, Telefonnummern, Einzugsermächtigungen, Kontoauszüge und Kreditkartendaten. Eine gezielte Auswahl, mit der etwa politische Ziele verfolgt werden könnten, ist zumindest derzeit nicht erkennbar. Teils sind sehr hochrangige Politiker betroffen, auch Mitglieder des Bundeskabinetts sowie Kanzlerin Merkel. Politisch brisante Inhalte soll es nach aktuellem Stand aber nicht geben.

Möglicherweise Outlook gehackt

Die Daten wurden schon seit kurz vor Weihnachten auf Twitter veröffentlicht, Anfangs geschah das laut Medienberichten über eine Art Weihnachtskalender. Das ganze Ausmaß der Veröffentlichungen ist erst einem Mitarbeiter des Fernsehsenders RBB aufgefallen.

Den verwendeten Twitterkanal gibt es offenbar schon länger, er hat mehrere Tausend Follower und gibt sich zumindest gelegentlich einen satirischen Anstrich. Der Betreiber soll sich nach Informationen des RBB in Hamburg befinden, weitere Hintergründe sind noch unklar.

Bislang gibt es nur Spekulationen, wie er an die Daten gelangt ist. Bild schreibt mit Verweis auf erste Untersuchungen der Parteien, dass sich die Hacker möglicherweise einen Zugang über das von Microsoft verwendete E-Mail-Programm Outlook verschafft haben und dass mit den erbeuteten Passwörtern dann auch Zugang zu Facebook und anderen Quellen möglich war. Bestätigt ist das aber noch nicht.

Nachtrag vom 4. Januar 2019, 12:22 Uhr

Nach Informationen von Golem.de wurde der entsprechende Twitter-Account inzwischen gesperrt. Über den Google-Cache sind die betreffenden Tweets allerdings noch abrufbar. Darin wird in der Regel auf eine Pastebin-Seite verlinkt, von der aus auf eine Passwort-geschützte Archivdatei verlinkt wird, die auf mehreren Hostingplattformen wie Megaupload gespeichert ist. Das Archiv enthält wiederum eine Textdatei, von der aus weitere Dokumente erreicht werden können. In der Textdatei finden sich zudem sensible personenbezogene Kontaktdaten.

Zu den veröffentlichten Dokumenten gehören unter anderem Personalausweiskopien, Word- und PDF-Dokumente und Chatverläufe.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


jan_goetze 09. Jan 2019

Mir auch Mal bitte wenn's möglich ist den Link zukommen lassen. Will mir das ganze Mal...

plutoniumsulfat 08. Jan 2019

Nur gelegentlich. Zu dem Zeitpunkt war mir das jedenfalls noch nicht bekannt, bestätigt...

quineloe 07. Jan 2019

und wie langweilig muss mir sein, dass ich das dann tatsächlich lese?

Klaus Kleber 06. Jan 2019

LOL



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Nutzerfreundlichkeit und Datenschutz
Fünf All-in-One-Messenger im Vergleichstest

Ständiges Wechseln zwischen Messenger-Apps ist lästig. All-in-One-Messenger versprechen, dieses Problem zu lösen. Wir haben fünf von ihnen getestet und große Unterschiede bei Bedienbarkeit und Datenschutz festgestellt.
Ein Test von Leo Dessani

Nutzerfreundlichkeit und Datenschutz: Fünf All-in-One-Messenger im Vergleichstest
Artikel
  1. Deutschlandticket: 49-Euro-Ticket kommt erst zum 1. Mai
    Deutschlandticket
    49-Euro-Ticket kommt erst zum 1. Mai

    Fahrgäste können ab dem 1. Mai 2023 für 49 Euro im Monat das Deutschlandticket bundesweit nutzen. Dazu kommt ein bundesweites Jobticket zu einem günstigeren Preis.

  2. Truppenversuch: Microsofts Kampfbrille macht Soldaten schlechter
    Truppenversuch
    Microsofts Kampfbrille macht Soldaten schlechter

    Beim Truppenversuch der modifizierten Hololens 2 für die US-Armee hat sich herausgestellt, dass die Soldaten an Kampfkraft einbüßen und die Brillen ablehnen.

  3. Liberty-Germany-Pleite: Glasfaserausbau trotz Zusage nicht mehr sicher
    Liberty-Germany-Pleite
    Glasfaserausbau trotz Zusage nicht mehr sicher

    "Hello Fiber bringt Glasfaser in deine Gemeinde", lautete der Werbespruch von Liberty. Kann man kleineren FTTH-Anbietern nach der Pleite noch trauen?
    Von Achim Sawall

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • XFX RX 7900 XTX 1.199€ • WSV bei MM • Razer Viper V2 Pro 119,99€ • MindStar: XFX RX 6950 XT 799€, MSI RTX 4090 1.889€ • Epos Sennheiser Game One -55% • RAM/Graka-Preisrutsch • Razer Gaming-Stuhl -41% • 3D-Drucker 249€ • Kingston SSD 1TB 49€ • Asus RTX 4080 1.399€[Werbung]
    •  /