Deutsche Wirtschaft: Chips und Bauteile weiter schwer zu bekommen

Deutsche Unternehmen leiden weiter massiv unter der Chipkrise. Das ergab eine Umfrage von Bitkom Research unter 404 Unternehmen aus verarbeitendem Gewerbe und ITK-Dienstleistungen, die am 24. Oktober 2023 veröffentlicht wurde(öffnet im neuen Fenster) . "Ohne Chips geht in der deutschen Wirtschaft nichts. Halbleiter sind die Basistechnologie der digitalen Wirtschaft" , sagte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. "Deutschland und Europa müssen einseitige Abhängigkeiten bei Halbleitern beenden."
China und USA sind die wichtigsten Herkunftsländer von Halbleitern. So bezieht jedes vierte Unternehmen (25 Prozent) seine Halbleiter-Bauteile aus China und 17 Prozent aus Taiwan. Südkorea (10 Prozent) und Singapur (7 Prozent) gehören ebenfalls zu wichtigen Halbleiter-Lieferanten. Aus den USA beziehen 21 Prozent der deutschen Käufer ihre Halbleiter-Bauteile und -Komponenten. 6 Prozent kaufen in Israel und nur jeder zwanzigste Käufer (5 Prozent) gibt Deutschland als Produktionsland an.
Das Front-End (Front End of Line – FEOL) ist der Kern der Chipproduktion, der bei dem aufgebauten Transistor auf den blanken Wafer kommt. Im Middle of Line werden Stresslayer aufgebracht und die Isolierung der Transistoren zur ersten Verdrahtungsebene und die Kontaktierung der Source- und Draingebiete produziert. Im Back-End wird metallisiert, die Schaltkreise werden verdrahtet und passiviert.
89 Prozent der Unternehmen, die in diesem Jahr Halbleiter-Bauteile oder -Komponenten gekauft haben, hätten danach Schwierigkeiten bei der Beschaffung. Das sind acht Prozentpunkte mehr als im Jahr 2021, als 81 Prozent von solchen Problemen berichteten. 97 Prozent der betroffenen Unternehmen leiden laut der Umfrage unter Lieferverzögerungen, 93 Prozent sind mit Preiserhöhungen konfrontiert. Für 89 Prozent sind bestimmte Bauteile nicht verfügbar, bei 88 Prozent wurden die Liefermengen reduziert.
Doch es gibt auch positive Entwicklungen: Nur noch rund fünf Monate beträgt aktuell die durchschnittliche Lieferverzögerung bei Halbleiter-Bauteilen oder -Komponenten in Deutschland, vor zwei Jahren waren es noch 6,5 Monate.
Die allermeisten Unternehmen in Deutschland (96 Prozent), die Halbleiter-Bauteile und -Komponenten verwenden, stimmen der Aussage zu, dass Deutschland die Förderung der heimischen Halbleiter-Industrie ausweiten solle. Ondrej Burkacky, Halbleiterexperte bei McKinsey, sagte: "Europa ist aktuell sehr weit weg davon, bei Chips autark zu werden." Dafür wären 60 zusätzliche Halbleiterfabriken allein für die Front-End-Fertigung notwendig.
Die Handelsbeschränkungen (g+) der USA gegen Chinas Halbleiterbranche verbieten es US-Bürgern, ohne behördliche Genehmigung für chinesische Unternehmen an moderner Halbleitertechnologie zu arbeiten. Finfets, modernen RAM und Flash sowie Hochleistungsrechner wollen die USA nicht mehr nach China lassen. Auch darf US-Technologie nicht für deren Entwicklung und Herstellung genutzt werden.
Weltweit ist jeder Auftragshersteller, der Chipmaschinen aus den USA oder mit US-Patenten benutzt, von dem Verbot der US-Regierung im Handelskrieg betroffen. Der Markt für Chipherstellungsanlagen wird von fünf Unternehmen dominiert: Es gibt die niederländische ASML und die japanische Tokyo Electron sowie die US-amerikanischen Applied Materials, KLA und Lam Research.