Deutsche Telekom: "Google dringt in unser Kerngeschäft ein"

Der Chef der Deutschen Telekom kritisiert, dass Google in das Kerngeschäft des Unternehmens eindringe, sich aber kaum am Netzausbau beteilige. Der Süddeutschen Zeitung sagte Tim Höttges(öffnet im neuen Fenster) : "Ich nehme Google ernst. Besonders dort, wo sie in unser Kerngeschäft eindringen, also wenn sie Videotelefonate ermöglichen oder sogenannte Messaging-Dienste kostenlos anbieten, aber sich nur marginal an den Kosten für die Netze beteiligen, die für diese Dienste nötig sind."
In den USA ist Google mit Google Fiber als Glasfasernetzbetreiber für Endkunden in mehreren Städten aktiv. Der US-Konzern beteiligt sich am Bau von Seekabeln von den USA nach Asien und Brasilien. Auf die Frage, was passiere, wenn Google eigene Netze baue, erklärte Höttges: "Wir können Netz besser. Auch Google weiß, dass Netzausbau eine komplexe und teure Sache ist, und auch sie haben erkannt, dass hier in Europa der Wettbewerb enorm hoch ist. Ich erwarte nicht, dass Google in Europa Netze bauen wird."
Früher habe es ein gewisses Gleichgewicht gegeben. Die einen hätten Dienste entwickelt, die anderen die Infrastruktur dafür bereitgestellt. Beide hätten am Ende davon profitiert. Inzwischen gehe bei der Verteilung der Wertschöpfung deutlich eine Schere auf. Google erziele im Monat einen Gewinn von einer Milliarde US-Dollar.
"Eine Handvoll amerikanische Internetfirmen sind heute deutlich mehr wert als die gesamte europäische Telekommunikationsindustrie" , klagte Höttges.
Ob Google zerschlagen werden müsse, sollten die zuständigen Behörden entscheiden. Höttges betonte, dass die Wertschöpfung so ungleich verteilt sei, dass es den Infrastrukturanbietern immer schwerer falle, in den Ausbau der Netze zu investieren. "Deshalb brauchen wir insgesamt gleiche Spielregeln für alle."



