Auch SpaceX brauchte zehn Jahre für eigene Triebwerksentwicklung

Von den weiter fortgeschrittenen privaten Raumfahrtfirmen nutzen sowohl Rocketlab als auch Astra Space elektrische Pumpen für ihre Triebwerke, die zuerst im Rahmen von Aufträgen für das US-Militär entwickelt wurden. Es ist die einfachst mögliche Technologie für Treibstoffpumpen. Sie sind leicht zu testen und unabhängig von den Verbrennungsprozessen im restlichen Triebwerk. Aber selbst mit solch einfacher Technik sind vier Jahre von der Firmengründung zum ersten Start unrealistisch - und schon gleich, wenn die Entscheidung für die Triebwerksentwicklung erst zwei Jahre später fällt.

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Rocketlab wurde 2006 gegründet, startete 2009 eine Höhenforschungsrakete in den Weltraum, erhielt 2010 einen ersten Militärauftrag zur Entwicklung einer kleinen Orbitalrakete und setzte sie später mit privaten Mitteln fort. Die Electron-Rakete flog 2016 zum ersten Mal, 2017 erstmals erfolgreich.

Astra Space wurde 2004 unter dem Namen Vention LLC gegründet und entwickelte Raketentriebwerke und Komponenten für die Nasa und das US-Militär. Die aktuelle Raketenentwicklung begann 2016, aber die Triebwerkstechnik basiert auf dem 2015 abgeschlossenen Militärprojekt Salvo. Die Technik war also noch älter und basierte auf mehr als zehn Jahren Erfahrung der Firma. Bei drei fehlgeschlagenen Testflügen der Rocket 3 im Jahr 2020 gelangte die letzte Rakete immerhin beinahe in den Erdorbit.

SpaceX hat komplizierte Teile anfangs eingekauft

SpaceX wurde 2002 gegründet und kaufte die komplizierten Turbinen und Treibstoffpumpen für die ersten Merlin-Triebwerke fertig entwickelt von Barber-Nichols ein. Die erste Rakete flog damit im Jahr 2006, aber erst 2008 erreichte eine Falcon 1 den Orbit. 2013 flog die erste SpaceX-Rakete mit dem vollständig selbst entwickelten Merlin-1D-Triebwerk ins Weltall. Das ist für die Rocket Factory Augsburg relevant, da sie die komplizierten Teile ihres Triebwerks selbst entwickeln muss - falls es im Hintergrund keine Hilfe gibt, etwa aus Russland oder der Ukraine.

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Dabei benutzen die Triebwerke von SpaceX einen offenen Brennstoffzyklus, der viel einfacher zu entwickeln ist. Das Raptor-Triebwerk für das Starship ist näher an der Komplexität der RFA-Triebwerke. Seit 2012 wird das Raptor-Triebwerk entwickelt. Aber auch im Jahr 2021 ist es nicht ausgereift. Testflüge müssen regelmäßig wegen Triebwerksproblemen verschoben werden, es gibt Probleme mit der Brennstoffmischung, fehlgeschlagene Zündungen und plötzlich zu geringen Schub, wie bei den letzten Starship-Testflügen.

Bis zum Sommer 2020 war das Konzept der Rocketfactory Augsburg unter den drei größten deutschen Raketenbauern das realistischste. Der Zeitrahmen, von August 2018 bis Ende 2023 erfolgreich zwei Raketen zu starten, schien überambitioniert und getrieben vom Raketenwettbewerb. Aber Preis und Größe der Rakete waren angemessen und der Zeitrahmen hatte zumindest mit sehr viel Glück eine Chance auf Erfüllung.

Möglicherweise gab es schon zuvor Probleme bei der Entwicklung der noch kleineren Triebwerke durch den Verzicht auf elektrische Pumpen, wie sie Astra und Rocketlab verwenden. Es ist schwierig, ausreichend leistungsfähige Turbinen für sehr kleine Triebwerke zu entwickeln, egal ob im offenen oder geschlossenen Zyklus. Deshalb zogen es andere Hersteller auch vor, das hohe Gewicht der Akkus für elektrische Pumpen zu akzeptieren.

Eine neue Rakete braucht auch ein neues Geschäftskonzept

Es kann also eine korrekte Entscheidung gewesen sein, die Triebwerksentwicklung mit einem größeren Triebwerk und anderer Technik nochmals neu anzufangen und dabei auch das Konzept für die Rakete anzupassen. Dafür spricht auch die Marktentwicklung. Selbst Rocketlab entwickelt nun eine größere Rakete, auch wenn deren Firmengründer Peter Beck einst versprach, niemals wiederverwendbare oder größere Raketen zu bauen, oder aber er isst seinen Hut. Er hat seinen Hut gegessen.

Aber das ändert nichts daran, dass die Entwicklung mit einer noch ambitionierteren Rakete wieder bei null angefangen hat. Das wird so aber nicht kommuniziert. Was die Rocketfactory Augsburg derzeit verspricht, ist deshalb nach Zeitrahmen, Preis, Leistung und Technik insgesamt unrealistisch und nicht nur in einzelnen Punkten. Das gilt auch für den selbst gewählten Vergleich mit SpaceX.

Nachtrag vom 8. März 2021, 11:59 Uhr

In einer Stellungnahme erklärte das Unternehmen einen Teil der Unstimmigkeiten damit, dass die Triebwerkstechnik nicht von der Rocket Factory Augsburg entwickelt wird, sondern vom ukrainischen Konzern Yuzhmash geliefert wird. Die Stellungnahme befindet sich in einem neuen Artikel..

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 Eine Entwicklungszeit von zehn Jahren ist normal
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Frank... 08. Mär 2021

Mehr dazu steht im neuen Artikel.

Tantalus 08. Mär 2021

Das kommt sehr stakr auf den gewünschten Ziel-Orbit an. Wenn Du in einen polaren Orbit...

Frank... 08. Mär 2021

Habe ich nachgetragen. Es war nicht die Absicht, das zu verheimlichen - es steht ja auch...

Trollversteher 08. Mär 2021

Nö, laut Einstein ist Gravitation keine Kraft im eigentlichen Sinne, sondern eine...

TomTomTomTom 08. Mär 2021

Im Artikel heisst es: "Selbst SpaceX spart nicht mehr als etwa 50 Prozent der Startkosten...



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