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Deutsche Raumfahrt: Rocket Factory Augsburg erklärt Fehlerursache

Erstaunliche Aussagen offenbaren Missachtung technischer Standards im Raketen -Bau und zu wenige Triebwerkstests bei RFA.
/ Frank Wunderlich-Pfeiffer
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Ein Bild des fehlgeschlagenen Tests vor der endgültigen Zerstörung der Raketenstufe (Bild: RFA / Screenshot: Golem.de)
Ein Bild des fehlgeschlagenen Tests vor der endgültigen Zerstörung der Raketenstufe Bild: RFA / Screenshot: Golem.de

Nach der Explosion der RFA-One-Raketenstufe bei einem Test auf den Shetlandinseln äußerte sich die Rocket Factory Augsburg zum Stand der Erkenntnisse(öffnet im neuen Fenster) . Die Rakete sollte innerhalb von wenigen Wochen fliegen. Die große erste Raketenstufe wurde dafür erstmals mit neun installierten Helix-Triebwerken getestet. Bei zwei früheren Tests der Raketenstufe waren nur fünf Triebwerke installiert.

Bei dem Test soll es vor der Zerstörung der Raketenstufe zu einem Sauerstofffeuer in einer Turbopumpe gekommen sein. Das stellt bei der von RFA verwendeten Technik mit sauerstoffreicher Vorverbrennung eine besonders hohe Gefahr dar. Unklar blieb in der Aussage, was genau der Sauerstoff in Brand gesetzt hat.

Möglich ist etwa, dass die internen Dichtungen zwischen Sauerstoff- und Kerosinpumpe versagten oder dass heißer Sauerstoff aus dem Triebwerk hinausgelangte und dort andere Schäden verursachte. Üblicherweise werden die Nachbartriebwerke bei vergleichbaren Raketenkonstruktionen voneinander abgeschirmt, so dass Defekte eines Triebwerks nicht zu weiteren Schäden an anderen Triebwerken führen. Das Resultat war in jedem Fall ein Leck in einer Kerosinleitung, die unter hohem Druck stand.

Wenige Tests und fehlende Schutzeinrichtungen

Laut Unternehmensaussagen sei der Defekt unerwartet gewesen, weil die Triebwerke in der Vergangenheit "bei über 100 Tests" keinen solchen Fehler aufwiesen. Zum Vergleich: Rocketlab qualifizierte das elektrische Rutherford-Triebwerk mit über 200 Tests(öffnet im neuen Fenster) , deren elektrische Pumpen viel einfacher zu beherrschen sind und einen viel geringeren Brennkammerdruck erzeugen. Die Technik von RFA stellt dagegen eine viel höhere Komplexität und Materialbelastung dar, um mehr Schub und geringeren Treibstoffverbrauch zu erreichen.

Nach anonymen Aussagen gegenüber Golem.de sollen die Testaktivitäten der Firma in Kiruna auch einen viel kleineren Umfang haben als die Triebwerksentwicklung von Isar Aerospace. Die Konkurrenzfirma entwickelt ein Triebwerk mit dem weniger anspruchsvollen offenen Pumpzyklus und geringeren Materialanforderungen.

Infolge des Testunfalls wurde der erste Flug einer Rakete von RFA auf 2025 verschoben. Dann sollen auch weitere Verbesserungen installiert werden, die verhindern sollen, dass ein Problem mit einem Triebwerk zur Zerstörung der gesamten Raketenstufe führt. Ein solcher Schutz gehörte jedoch schon seit dem ersten Flug der Falcon 9 im Jahr 2010 zum normalen Standard von Raketenstufen mit neun parallelen Triebwerken.

Schon vor dem Testunfall stand RFA unter großem Druck durch den Hauptanteilseigner OHB, der trotz ungetesteter Raketenstufen einen Start innerhalb weniger Wochen angekündigt hatte, scheinbar ohne Mitsprache von RFA.


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