Deutsche Marine: Der Blue Whale jagt U-Boote in der Ostsee
Im Marinestützpunkt Eckernförde ist kürzlich ein Unterwasserfahrzeug des Typs Blue Whale(öffnet im neuen Fenster) an die deutsche Marine übergeben worden. Das Fahrzeug soll künftig ergänzend zu den dort stationierten U-Booten in der Aufklärung unter Wasser eingesetzt werden. Die Beschaffung, so heißt es aus dem Ministerium, sei innerhalb weniger Monate abgeschlossen gewesen, berichtet der Spiegel(öffnet im neuen Fenster) .
Vizeadmiral Jan Christian Kaack, Inspekteur der Marine, formulierte es bei der Übergabe deutlich: "Wir haben auf Bewährtes am Markt gesetzt, Entscheidungswege radikal verkürzt und die Truppe von Anfang an in die Anforderungen eingebunden." Der Aufbau einer sogenannten hybriden Flotte, also einer Mischung aus bemannten und unbemannten Systemen, habe damit begonnen.
Autonomes Fahrzeug für Aufklärung unter Wasser
Der Blue Whale ist knapp elf Meter lang, wiegt 5,5 Tonnen und fällt damit in die Kategorie Large Unmanned Underwater Vehicle. Mit seinem Elektroantrieb erreicht er bis zu 13 Kilometer pro Stunde und kann zwei bis vier Wochen autonom operieren. Entwickelt wurde er von Israel Aerospace Industries; der Kieler Marineschiffbauer TKMS und seine Tochtergesellschaft Atlas Elektronik integrierten das Sonar-System.
Ähnlich wie konventionelle U-Boote verfügt das Fahrzeug über ein ausfahrbares Sehrohr mit verschiedenen Kamerasystemen und ist in der Lage, Ziele an der Wasseroberfläche zu beobachten. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf der verdeckten Aufklärung unter Wasser.
Passives Sonar: Lauschen statt Senden
Ein zentrales Element der technischen Ausstattung ist das passive Sonar. Anders als aktive Systeme sendet es keine Schallwellen aus, sondern empfängt lediglich akustische Signale aus der Umgebung. Das Gerät wird vom Fahrzeug hinterhergezogen – eine Methode, die in der U-Boot-Erkennung als vergleichsweise unauffällig gilt. Wie weit die Reichweite in der Praxis reicht, ist offiziell nicht bekannt.
Wie genau der Blue Whale in gemeinsamen Einsätzen mit bemannten U-Booten koordiniert werden soll, dazu gibt es bislang keine detaillierten Angaben. Offen bleibt auch, wie viele Einheiten insgesamt beschafft werden sollen.
Veränderte Sicherheitslage als Antrieb
Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der die Sicherheit kritischer Unterwasserinfrastruktur – darunter Pipelines und Datenkabel – stärker in den Fokus gerückt ist. Vorfälle in der Ostsee intensivierten die Diskussion über Überwachung und Aufklärung unter Wasser zuletzt deutlich. Ob der Blue Whale dabei konkret eingesetzt werden soll, lässt die Marine offen.
Die Übergabe in Eckernförde markiert den Beginn eines größeren Umrüstungsprozesses. Ob die schnelle Beschaffung als Modell für weitere Projekte taugt, dürfte sich im laufenden Betrieb zeigen.



