Deutsche Glasfaser: Warum ein Ort zwei Glasfasernetze übereinander bekommt

Deutsche Glasfaser sieht sich im Streit mit der Deutschen Telekom um das Überbauen in Gablingen nicht in der Position des Angreifers. Viele Menschen würden statt Vectoring lieber Glasfaser wollen, weshalb der Überbau der letzten Kupfermeile unvermeidlich sei, hat Golem.de aus unternehmensnahen Kreisen erfahren.
Deutsche-Glasfaser-Sprecher Cornelius Rahn sagte Golem.de: "Es ist das erklärte Ziel der Bundesregierung, Deutschland bis 2030 flächendeckend mit Glasfaser zu versorgen. Denn Glasfaser ist mit 1 Gigabit/s und mehr schon heute deutlich leistungsfähiger als kupferbasierte DSL-Leitungen und damit zukunftssicherer. Das ist auch der Grund, warum viele Menschen in Gablingen im Rahmen unserer Nachfragebündelung sich für unser Angebot entschieden und warum wir den Ausbau in Angriff genommen haben."
Hintergrund ist, dass die Telekom in Gablingen im schwäbischen Landkreis Augsburg ein neu errichtetes FTTH-Netz von Deutsche Glasfaser überbauen wird. Die Telekom wollte ursprünglich die kleine Gemeinde frühestens im Jahr 2025 mit FTTH versorgen. Die Deutsche Glasfaser und M-Net begannen den Ausbau jedoch schon im Februar 2022 und wollen bis Ende des Jahres fertig sein. Die Telekom änderte daraufhin ihre Zeitplanung und argumentiert nun: "Wir haben in Gablingen bereits eine Infrastruktur. Wir können heute jedem in Gablingen auf Knopfdruck bis zu 250 MBit/s anbieten. Nicht wir überbauen die Deutsche Glasfaser, sondern die Deutsche Glasfaser überbaut uns" , betonte Telekom-Sprecher Markus Jodl.
Eine Anmietung der Deutsche-Glasfaser-Leitung komme für die Telekom aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Betracht. Die Preise der Deutsche Glasfaser ließen das nicht zu. Man könne das vergleichen mit der Anschaffung eines Autos: mieten, leasen oder kaufen, je nach dem, was gerade passt. "Die Erweiterung unserer bestehenden Infrastruktur in Gablingen ist für uns die beste Option" , erklärte Jodl. Deutsche Glasfaser beteuert dagegegn: Man biete der Telekom genau dieselben Konditionen, die die "Telekom für den Zugang zu ihrem Glasfasernetz von anderen Anbietern verlangt" , betonte Rahn.
Telekom: Unannehmlichkeiten überschaubar
Der Kunde könne wählen, meinte die Telekom dagegen: "Er kann sich von uns kostenlos anschließen lassen und kann sich später für einen der großen Inhalteanbieter entscheiden - eine Wahl die er bei Deutsche Glasfaser nicht hat" . Die Unannehmlichkeiten durch den Doppelausbau seien dagegen überschaubar, meinte Jodl.
"Diese großen Baumaßnahmen in den drei Ortsteilen werden über eine gewisse Zeit Einschränkungen mit sich bringen" , erklärte dagegen die Gemeinde(öffnet im neuen Fenster) . In den Ortsteilen Gablingen, Lützelburg und Siedlung werde jeweils ein Glasfasernetz von der Deutschen Glasfaser und von der Telekom Deutschland getrennt voneinander gebaut. Es handele sich bei beiden Firmen um einen eigenwirtschaftlichen Ausbau, der ohne Fördermittel durchgeführt wird. "Das bedeutet für die Gemeinde, dass wir sehr wenig Einfluss nehmen können und ein gemeinsamer Ausbau von uns nicht gefordert werden kann."



