Deutsche Bahn: Zugführer im Cyberspace

Cheaten ist nicht erlaubt: Bei der Deutschen Bahn bereiten sich derzeit rund 100 Zugführer per Virtual-Reality-Training auf ihre Arbeit im ICE 4 vor. Golem.de hat sich das Programm angeschaut.

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Angehender Zugführer der Deutschen Bahn beim VR-Training
Angehender Zugführer der Deutschen Bahn beim VR-Training (Bild: Peter Steinlechner/Golem.de)

Zuerst benötigen wir einen Vierkantschlüssel, um das Bedienungspanel direkt an der Zugtür zu öffnen. Dahinter verbirgt sich ein Teil der Steuerung für den Hublift, der in allen ICE 4 der Deutschen Bahn zur Grundausstattung gehört - die Züge davor hatten eine solche Vorrichtung nicht. Um das schwere Gerät zu bedienen, sind genau 28 Arbeitsschritte nötig, von denen der erste eben der Einsatz des Vierkantschlüsselt ist.

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Allerdings: Statt des echten Werkzeugs halten wir ein Eingabegerät der HTC Vive in der Hand, und den Hublift vor unseren Augen sehen wir nur in der virtuellen Realität. Das tun wir, während wir bei der Bahn ein Trainingsprogramm ausprobieren, mit dem Zugführer auf ihren Einsatz in den neuen Hochgeschwindigkeitszügen vorbereitet werden.

  • Im Hintergrund sind Teile des Hublifts im virtullen ICE 4 zu sehen. (Foto: P. Steinlechner/Golem.de)
  • Die Bahn übt den Umgang mit den Zügen an ganz gewöhnlichen Standard-PCs. (Foto: P. Steinlechner/Golem.de)
  • Als VR-Headset kommt HTC Vive zum Einsatz. (Foto: P. Steinlechner/Golem.de)
  • Auch Augmented Reality spielt in der Bahnwelt von heute eine wichtige Rolle. (Foto: P. Steinlechner/Golem.de)
Im Hintergrund sind Teile des Hublifts im virtullen ICE 4 zu sehen. (Foto: P. Steinlechner/Golem.de)

Derzeit schickt Hersteller Siemens ungefähr alle drei Wochen einen dieser ICE 4 auf die Schiene, entsprechend müssen bis Herbst 2018 ungefähr 100 Zugführer ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Die Bahn ist nach eigenen Angaben froh über jedes Training, das in der virtuellen Realität und nicht in einem der Züge stattfinden kann - die sollen schließlich Passagiere befördern.

Ein Teil der Ausbildung erfolgt dennoch in echten Zügen, aber auch mithilfe des VR-Programms. "Wir können in der Virtual Reality wunderbar die Bewegungsabläufe trainieren", erklärt uns Lars Tiedermann von der Bahntochter DB Systel, die hinter der Anwendung steckt. Das VR-Training habe Grenzen: "Man merkt erst, wie schwer etwas ist, wenn man es in der Hand hält." Im Normalfall lernen die Zugführer den Umgang mit der Hebebühne am echten Gerät. Anschließend werden die Bewegungsabläufe mehrfach am Computer wiederholt.

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Tiedermann und seine Kollegen nennen ihre Plattform Engaging Virtual Education (Eve). Das Modul für das Traning mit der virtuellen Hebebühne wurde in rund vier Monaten auf Basis der Unity Engine produziert. Alle wichtigen Details der Maschine sind maßstabsgetreu dem Original nachempfunden - Siemens hat den Entwicklern die CAD-Daten zur Verfügung gestellt.

Neben dem Programm zur Bedienung der Hebebühne enthält Eve noch weitere Module. Es gibt etwa eine Anwendung, mit der Lokführer den Abschluss ihrer Arbeit trainieren können. Das umfasst das ziemlich komplexe Herunterfahren des Triebwagens ebenso wie die Schalter, die beim Aussteigen aus dem Führerhäuschen zu drücken sind.

Ein weiteres Modul ist für die Wartungstechniker gedacht, die für die Instandhaltung der Dachgärten zuständig sind - so nennen Bahner den oberen Teil der Züge mit den Stromabnehmern. Weil es da laut Tiedermann besonders auf Geschwindigkeit ankomme, hat DB Systel die Übung zur Motivation sogar mit einem kleinen Quiz angereichert. Weitere Szenarios befinden sich in der Entwicklung. Darunter ist eine, mit der Auszubildende das Kuppeln lernen können.

Die Übungen in der virtuellen Realität finden in einfachen Konferenzräumen der Bahn-Niederlassungen in ganz Deutschland statt. Die Beschäftigten sind dabei grundsätzlich nicht allein, sondern immer zusammen mit einem Trainer. Der gibt allgemeine und fachliche Hilfe und passt auf, dass keiner über die Kabel der HCT Vive stolpert - und dass niemand "cheatet". Das ist im VR-Raum nämlich möglich, aber eben gerade nicht gewünscht.

Neben den Virtual-Reality-Lernanwendungen beschäftigt sich die Bahn zusammen mit einem Startup namens Viscopic übrigens auch mit Augmented Reality. Wartungstechniker können sich etwa mit einem Microsoft Hololens auf der Nase bei der Beschäftigung mit Weichensystemen oder Technikschränken zusätzliche Informationen einblenden oder bei der Überprüfung der Toleranzwerte von Schienen helfen lassen - das geht auch ohne virtuellen Vierkantschlüssel.

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