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Desktop-Prozessoren: AMD stellt sehr sparsame Ryzen-9000-CPUs vor

Computex 2024
Vier neue Prozessoren soll es zum Launch im Juli 2024 geben. Trotz höherer Performance brauchen einige CPUs sogar weniger Strom als die Vorgänger.
/ Martin Böckmann
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AMD-CEO Lisa Su zeigt einen AMD Ryzen 9 9950X. (Bild: AMD)
AMD-CEO Lisa Su zeigt einen AMD Ryzen 9 9950X. Bild: AMD

AMD-Chefin Lisa Su hat auf der Keynote zur Computex 2024 neben Serverhardware die erwarteten AMD-Ryzen-9000-Prozessoren mit Zen-5-Architektur vorgestellt. Wie bei der Zen-4-Generation soll es zunächst vier Prozessoren mit sechs bis 16 Kernen geben. Die Rechenleistung soll um durchschnittlich 16 Prozent steigen, ansonsten sorgte AMD jedoch für Überraschung: Es gibt keinen größeren Cache, keine Taktsteigerung und keine NPU beim Ryzen 9000.

Su erklärte, für die höhere Performance sei vor allem ein Dual-Pipeline-Front-End verantwortlich, das die doppelte Bandbreite für Instruktionen biete und eine verbesserte Sprungvorhersage mit höherer Treffergenauigkeit beinhalte. Zudem wurde die Datendurchsatzrate zwischen dem Cache-Subsystem und den CPU-Kernen verdoppelt. Durchschnittlich soll das in 16 Prozent höherer Leistung pro Takt resultieren, was durch zahlreiche Anwendungsbeispiele unterstrichen wurde, die stellenweise eine noch höhere Steigerung zeigten.

Eine zusätzlich erwartete höhere Taktfrequenz der Prozessoren gibt es jedoch zur Überraschung vieler Teilnehmer der Konferenz nicht. Das Topmodell AMD Ryzen 9 9950X mit 16 Kernen, die wie üblich auf zwei Chiplets (CCDs) verteilt sind, hat weiterhin eine TDP von 170 Watt und eine maximale Taktfrequenz von 5,7 GHz. Beim direkten Vorgänger, dem Ryzen 9 7950X, waren es ebenfalls 170 Watt und maximal 5,7 GHz. In der Praxis erreichten die CPUs sogar 5750 MHz, Tests werden zeigen müssen, wie sich die neuen Chips bei unterschiedlichen Lasten im realen Einsatz verhalten.

Effizienz statt hoher Takt

Noch klarer wird das bei den Prozessoren mit sechs bis zwölf Kernen, hier senkt AMD sogar die TDP-Angabe und bleibt bei sehr ähnlichen Taktfrequenzen. Der Basistakt der Prozessoren sinkt teilweise deutlich, beim Boost-Takt bleiben die Werte jedoch auf dem gleichen Niveau. Gerade bei leistungsstarken Kühlern sollte das dafür sorgen, dass eine Drosselung aus thermischen Gründen nur noch selten auftritt, was bei Zen-4 durch die hohe Leistungsdichte praktisch unumgänglich war.

AMD befürchtete offenbar selbst, dass die neuen Prozessoren zu Enttäuschung führen könnten und sprach das auf der Vorstellung auch an. Man solle sich nicht von den augenscheinlich stagnierenden Zahlen täuschen lassen, denn die Leistungssteigerung in den Anwendungen sei teilweise hoch – ein Ryzen 9 9950X sei "ein Monster" , auch wenn das erst in Benchmarks offensichtlich werde.

Kein neuer Fertigungsprozess

Der Grund dafür, dass AMD nicht auch an der Taktschraube dreht, dürfte im Fertigungsprozess liegen. Hier bleibt AMD sowohl bei den CCDs (Compute-Die) als auch beim IOD (I/O-Die) bei den von Zen 4 bekannten Nodes. TSMCs N3P wäre als Nachfolger geeignet, ist aber für die Massenproduktion noch nicht fertig, weshalb AMD hier schlicht keine Wahl gehabt haben wird.

AMD Ryzen 9000 Übersicht - *Preis nicht von AMD bestätigt
Modell Kerne/Threads Taktfrequenz (Basis/Boost) TDP Startpreis Preis im Juli 2024
AMD Ryzen 9 9950X 16/32 4,3/5,7 GHz 170 W 660 Euro*
AMD Ryzen 9 7950X 16/32 4,5/5,7 GHz 170 W 850 Euro 480 Euro
AMD Ryzen 9 9900X 12/24 4,4/5,6 GHz 120 W 500 Euro*
AMD Ryzen 9 7900X 12/24 4,7/5,6 GHz 170 W 670 Euro 310 Euro
AMD Ryzen 7 9700X 8/16 3,8 / 5,5 GHz 65 W 400 Euro*
AMD Ryzen 7 7700X 8/16 3,9 / 5,4 GHz 105 W 480 Euro 270 Euro
AMD Ryzen 5 9600X 6/12 3,9/5,4 GHz 65 W 310 Euro*
AMD Ryzen 5 7600X 6/12 4,7 / 5,3 GHz 105 W 360 Euro 200 Euro

Das könnte auch der Grund sein, warum man sich gegen eine NPU für Mainstream-Desktopsysteme entschied. Zusammen mit der integrierten GPU, einer in vielen Desktop-PCs normalerweise vorhandenen dedizierten GPU und reichlich CPU-Leistung inklusive stark verbessertem AVX-512-Support sah AMD offenbar vorerst keine Notwendigkeit, das Gesamtkonzept infrage zu stellen.

Bestehende Mainboards bleiben kompatibel

Die Mainboards müssen dementsprechend auch keine bessere Spannungsversorgung bieten. B650 und X670 sowie deren Ableger bleiben nach wie vor kompatibel, zudem kommen die X870- und X870E-Mainboards zeitgleich mit den neuen Prozessoren auf den Markt, bieten eine standardmäßige Unterstützung für USB 4 und sollen höhere Speichertaktfrequenzen unterstützen. In der Praxis dürften aber auch die meisten älteren Mainboards keine Probleme mit dem nun unterstützten DDR5-5600 haben.

Prozessoren und Mainboards sollen im Juli 2024 auf den Markt kommen, Preise nannte AMD bislang nicht. Angesichts der Ähnlichkeit zu Ryzen 7000 ist zu erwarten, dass die Preise sich an den Launch-Preisen der Vorgängergeneration orientieren, zumal Intel aktuell noch keine Konkurrenten zu Ryzen-9000 ankündigte.


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