Wie vom Zufall geschrieben
Mit einer sinnvollen Geschichte verbunden wird dieses bunte Durcheinander nicht. Zuerst sehen wir, dass Prinzessin Rosalina (türkisfarbenes Kleid) vom neuen Schurken Bowser Jr. entführt wird. Ihre farbenfrohen Sternenkinder ersuchen um Hilfe bei Prinzessin Peach (pinkfarbenes Kleid). Sie macht sich mit Pilzfreund Toad auf den Weg und überträgt Klempnerkumpel Mario (rote Mütze) und dessen Bruder Luigi (grüne Mütze) vorübergehend die Verantwortung über ihr Schloss im Pilzkönigreich.
Zunächst haben die beiden Berufsklempner alles im Griff, doch dann wird besagtes Schloss von einem riesigen Ufo komplett aus dem Boden gerissen. Nun machen sich auch die Mario Bros. auf den Weg. Irgendwohin. Bis zu diesem Punkt ähnelt das Geschehen noch ansatzweise dem grundsätzlichen Ablauf aus Super Mario Galaxy(öffnet im neuen Fenster) .
Der restliche Film wirkt allerdings wie vom Zufall geschrieben. Mal suchen unsere Helden sich gegenseitig, mal wollen sie Bowser Jr. finden. Der wiederum sucht seinen Papa, der mit Mario und Luigi unterwegs ist. Der Junior sucht auch Mario, Peach und deren Freunde, um sich an ihnen zu rächen. Aber die wollen ja auch zu ihm, weil er besagte Prinzessin in Türkis entführt hat. Wären alle einfach dort stehen geblieben, wo sie zu Beginn waren, hätten wir uns aus Sicht aller Beteiligten eine Vielzahl unnötiger Zwischenstationen sparen können.
Auf ihrem wirren Weg finden die Protagonisten nie etwas Neues heraus oder arbeiten erkennbar auf spannende Ziele hin, obwohl manches am Anfang den Eindruck erweckt. Wir fanden frühzeitig im Film die Idee vielversprechend, dass Erzfeind Bowser inzwischen geläutert ist und sich mit Mario anfreunden möchte.
Ansätze, er wolle seinen geliebten Sohn zu sich auf die gute Seite ziehen, deuteten sogar eine pädagogisch wertvolle Message für Kinder an. Der Vater, der einen von Generation zu Generation übertragenen Gewaltzyklus zu unterbrechen plant, ähnelte einem gelungenen Plot-Element aus Pixars Elio .
Keine Geschichte, viel Slapstick
Würde der neue Mario-Film diesen Aspekt der Geschichte nicht mittendrin ohne Erklärung einfach über Bord werfen, hätte das dem Drehbuch vielleicht etwas bitter nötige Substanz beschert. Erzählt wird letztlich: nichts. Peach, Mario und Gefolge fallen und stolpern ständig unglücklich in neue Szenarien hinein, ohne später nennenswert vorangekommen zu sein.
Diese Intermezzi, die fast den gesamten Film ausfüllen, sind lediglich zusammenhangslose Slapstick-Szenen, deren Existenz dadurch gerechtfertigt wird, noch ein paar Elemente aus unterschiedlichen Nintendospielen im Film irgendwie kurz untergebracht zu haben. Mit Betonung auf irgendwie und kurz.
Ob Baby-Mario und Baby-Luigi, der T-Rex aus Mario Odyssey oder die obskure Riesenkröte Wart(öffnet im neuen Fenster) und dessen 8-bits-Gang: Alle kommen, ohne größere Bedeutung für die Geschichte, gerade so lange im Bild vor, dass genug Material für Werbetrailer des Films von den Figuren verfügbar ist.
In der englischen Sprachfassung wird selbst die kleinste Nebenrolle mit bekannten Schauspielern besetzt. Das suggeriert zusätzlich, dass die Charaktere im Film länger vorkämen, als es dann der Fall ist. Daneben hören wir erneut die Megastars Chris Pratt, Anya Taylor-Joy und Jack Black in den Hauptrollen.
Ein berühmter Newcomer des Casts hat es in die recht ordentliche deutsche Synchronversion geschafft, und wird dort im Abspann neben allen regionalen Sprechern aufgelistet. Yoshi gibt im Film nämlich bloß kaum verständliche Laute von sich. "Childish Gambino" Donald Glover (Lando Calrissian aus Solo: A Star Wars Story ), der ihm seine Stimme leiht, wurde bei uns deswegen einfach aus dem Original übernommen.
Uns fehlt der Weltraum als kreativer Spielplatz
Während Mario in den Galaxy-Games oft auf frei umrundbaren Planeten und Monden herumläuft, als gäbe es kein Oben und Unten, oder zwischen im All schwebenden Plattformen umherspringt und zwischenzeitlich fliegt, kommt genau dieser kreative Umgang mit dem Weltraum als eigenem Schauplatz in der Verfilmung zu kurz. Insgesamt fühlt sich Der Super Mario Galaxy Film zu selten wie ein tolles Weltraumabenteuer an, als dass Super Mario Bros. 2 für diese Fortsetzung nicht doch ein passenderer Titel gewesen wäre.
Auch andere Super-Mario-Jump-and-Runs kombinieren kreatives Leveldesign mit familienfreundlicher Aufmachung. Und das so erfolgreich wie keine vergleichbare Spieleserie. Fragezeichenblöcke, Pilze als Power-Ups und Schildkröten als Gegner, deren Panzer zu gefährlichen Geschossen werden können, sind heutzutage genauso ikonisch und allgemein bekannt wie der Klempner mit seiner roten Mütze selbst. Die Spiele sind gesamtheitlich Kult – selbst für Leute, die sie nie gespielt haben.

Das bei einer großen Zielgruppe mit wenig kreativem Aufwand zu kapitalisieren, ist nicht schwierig. Solange alles noch genauso aussieht und weiterhin familienfreundlich bleibt, wie es Fans aus Nintendos Spielen gewohnt sind, werden weiterhin viele Menschen dafür ins Kino kommen. Je mehr Eltern mit ihren Kindern es sind, desto lauter klingeln natürlich die Kassen. Wen wundert es also, dass Illumination und Universal Pictures jetzt im Wesentlichen mehr vom Selben bieten, ohne Komplexität hinzuzufügen?
Kaum vorhandene Handlung hin oder her, mit mehr Story warten die Spiele der Serie ja meistens auch nicht auf. Entsprechend gering ist die allgemeine Erwartung ans Drehbuch der Verfilmungen. Selbst wenn wir uns eine bessere Geschichte für Mario im Kino wünschen.
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