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"Der Chat ist tot": OpenAI will Geschäftsmodell neu ausrichten

ChatGPT-Entwickler OpenAI kopiert das Konzept von Anthropic und will einen stärkeren Fokus auf Geschäftskunden legen.
/ Friedhelm Greis
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OpenAI will sein Geschäftsmodell neu ausrichten und mehr Geld verdienen. (Bild: Imen Ben Youssef/Hans Lucas/Reuters)
OpenAI will sein Geschäftsmodell neu ausrichten und mehr Geld verdienen. Bild: Imen Ben Youssef/Hans Lucas/Reuters

Das US-amerikanische KI-Unternehmen OpenAI will seinen populären Chatbot ChatGPT stark überarbeiten. Um gegen die Konkurrenz von Anthropic KI-Modell Claude zu bestehen, wolle OpenAI den Chatbot in eine "Super-App" umwandeln, die Programmierwerkzeuge und KI-Agenten vereine, berichtete die Financial Times(öffnet im neuen Fenster) (Paywall) unter Berufung auf mehr als ein Dutzend aktueller und ehemaliger Mitarbeiter.

In die neue Anwendung sollen Produkte integriert werden, die nach Einschätzung von Managern höhere Umsätze generieren. Das neue Konzept stelle das Programmierprodukt Codex stärker in den Fokus. Dieses solle mehr Entwicklungsressourcen erhalten. "Der Chat ist tot", zitiert die Zeitung einen leitenden Mitarbeiter von OpenAI.

ChatGPT als persönlicher KI-Agent

Nach Angaben von Thibault Sottiaux, der zuvor für Codex verantwortlich war und nun die gesamte Sparte für Kernprodukte und Plattformen bei OpenAI leitet, werden die Änderungen über die reine Benutzeroberfläche hinausgehen. "Wir arbeiten auf ein System hin, bei dem man einen eigenen persönlichen Agenten hat, der einen unterstützen kann – in allen Lebensbereichen, sei es privat oder beruflich", sagte er der Zeitung. Laut Sottiaux kann man über das Smartphone und den Desktop-Rechner auf die Anwendung zugreifen. "Wenn man im Auto sitzt, kann man damit sprechen", sagte er weiter.

Dem Bericht zufolge überarbeitet OpenAI die Benutzeroberfläche von ChatGPT und führt neue Prompts sowie Funktionen ein, die die Nutzer gezielt zu Programmierwerkzeugen, zur Bildgenerierung und zu Anwendungen von Partnern wie Canva und Booking.com führen. Langfristig plant OpenAI sogar, auf diese Prompts und Funktionen zu verzichten, da seine KI-Modelle die Absichten der Nutzer automatisch erkennen können, sobald diese die App oder Website verwenden.

Selbst Prompts werden überflüssig

Die OpenAI-Manager gehen der Financial Times zufolge davon aus, dass Nutzer künftig verstärkt mit einem einzigen KI-Assistenten interagieren werden, anstatt eine Vielzahl separater Anwendungen zu verwenden. Mit zunehmender Leistungsfähigkeit dieser KI-Agenten erwarte OpenAI, dass die Grenzen zwischen Chatbots, Programmiertools, Suchdiensten und anderen Softwarekategorien verschwimmen.

"Wenn wir erst über eine allgemeine künstliche Intelligenz (AGI) verfügen, wird es meiner Meinung nach nicht mehr eine Vielzahl unterschiedlicher Marken geben", sagte Alex Embiricos, Leiter des Bereichs Enterprise-Produkte bei OpenAI, der Zeitung und fügte hinzu: "Wahrscheinlich wird es einen einzigen Ansprechpartner geben, mit dem ich kommunizieren kann und der all meine Anforderungen erfüllt."

Fünf Millionen aktive Codex-Nutzer

Ebenso wie Anthropic plant OpenAI in diesem Jahr einen Börsengang und wird dabei mit einem Wert von 850 Milliarden US-Dollar eingestuft. Dem Wall Street Journal zufolge verfehlte OpenAI in den vergangenen Monaten mehrere interne Umsatz- und Nutzerziele.

Die Financial Times berichtet unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass die Mehrheit der Codex-Nutzer für den Dienst zahle. Die zwei Millionen Unternehmen, die OpenAI-Produkte nutzten, seien für rund 40 Prozent des Umsatzes verantwortlich. OpenAI gehe davon aus, dass dieser Anteil bis Jahresende auf 50 Prozent steigen wird.

Seit der Einführung einer Desktop-Anwendung im Februar habe sich die Nutzerzahl von OpenAI Codex versechsfacht und liege nun bei mehr als fünf Millionen wöchentlich aktiven Nutzern. Die populäre Endnutzeranwendung Sora, ein Produkt zur Videogenerierung, wurde hingegen weniger als ein Jahr nach seiner Einführung wieder eingestellt. Der Start eines Erotik-Chatbots wurde nach internen Zerwürfnissen gestoppt.


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