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Schöner Film, besseres Buch

Natürlich hätten wir von 2 Stunden und 36 Minuten Laufzeit am Ende etwas mehr Entwicklung in der Handlung erwartet. So erheiternd es durchgehend war, Rocky und Grace bei ihren holprigen Kommunikationsversuchen sowie ihrer Suche nach einer Lösung des Astrophagenproblems zuzuschauen – genau genommen ist inhaltlich ab der Filmmitte nicht mehr so viel Neues passiert.

Langeweile verhindern insbesondere ein paar ausgedehnte Weltraumspaziergänge mit viel Action, die optisch eindrucksvoll, musikalisch wunderbar untermalt und nicht zuletzt spannend in ihren Abläufen präsentiert werden.

Der Roman mag im Direktvergleich an ähnlichen Stellen Schwächen zeigen, die Kriterien sogenannter Hard-Science-Fiction für erwachsene Leser erfüllt er allerdings um Längen mehr als die Kinoadaption. Nicht, weil das Buch realistisch wäre, aber es liefert eben mehr wissenschaftlichen Kontext als Unterbau der Geschehnisse und schwierige Aufgaben erledigen sich dort nicht so oft wie auf Knopfdruck.

So dauert es im Film zum Beispiel gefühlt nur Sekunden, da können Rocky und unser Astronaut bereits fließend miteinander sprechen. Den Prozess dahin glaubwürdiger abzubilden, gleichzeitig natürlich aber auch interessant genug auszugestalten, wäre noch die ganz hohe Kunst gewesen.

Wir vermissen aus der Vorlage aber wirklich nur Aspekte, die in der Adaption ganz oder zu großen Teilen wegrationalisiert wurden. Wo der Film nur tonal etwas abweicht, geht er hingegen sehr gelungen eigene Wege. Grace etwas nahbarer und menschlicher zu machen als in der Buchvorlage, seine Freundschaft zu Rocky lebendiger, emotionaler, witziger auszuspielen, ist als Film sogar genau die richtige Entscheidung, um besonders jüngere Zuschauer besser zu erreichen.

Es gibt sie nämlich heutzutage zu selten. Zugängliche Filme, in denen auf spannende Art das Interesse an Wissenschaft, die Freude am Lernen als etwas Positives und die Neugierde aufs Unbekannte geweckt werden. In denen Kooperation und Empathie füreinander, selbst zwischen Kulturen verschiedener Planeten, für alle eine bessere Zukunft bringen. Science Fiction als inspirierendes Abenteuer mit Überraschungen, die unsere Helden nicht ständig ihre Blaster oder Phaser zücken lassen.

So wie Star Trek früher, das heute jedoch nicht mehr denselben Stellenwert hat. Oder bei Filmen wie Der Flug des Navigators und Explorers. Arrival und Interstellar sind dafür zu ernst und düster. In einem Film zu sehen, dass sich zwei Spezies zum allerersten Mal im All begegnen und beide sofort gleichermaßen begeistert darüber sind, in purer Freude einander gefunden zu haben, kommt besonders in solch teuren Hollywood-Produktionen(öffnet im neuen Fenster) viel zu selten vor.

Wir brauchen wieder mehr positive Science-Fiction für ein großes Publikum, von der in 20 oder 30 Jahren führende Wissenschaftler – oder Astronauten – sagen werden: Das hat mich damals als Kind träumen lassen und heute erforsche ich das All oder arbeite am Cern.

Der Astronaut – Projekt Hail Mary startet am 19. März 2026 im Kino.


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