Dell Latitude XT3 im Test: Zu groß für ein Convertible

Die Auswahl an Convertible-Tablet-PCs ist trotz des Hypes um Tablets noch immer ziemlich gering. Ein neuer Vertreter dieses Typs ist das Latitude XT3 und damit Dells drittes Notebook, das durch Drehen des Displays in ein Tablet verwandelt werden kann.

Für den Test war uns vor allem die praktische Bedienung wichtig. Da im Gerät ein normaler Prozessor steckt, sind bei diesem keine Überraschungen zu erwarten. Kurze Benchmarks bestätigten diesen Eindruck. Wir konzentrieren uns also vor allem auf die Benutzbarkeit und darauf, was Dell anders macht als die Konkurrenz von HP und Lenovo.












Eigentlich wollte Dell das Notebook schon vor fast einem Jahr auf den Markt bringen. Die ersten konkreten Hinweise gab es im Februar 2011 . Ziel war, das XT3 noch vor der Jahresmitte zu verkaufen. Daraus wurde aber zunächst nichts, denn Dell verschob den Produktionsstart immer wieder. Andere Neuheiten hatten laut Dell Priorität.
Unser Testgerät unterscheidet sich recht deutlich vom Vorgängermodell. Es gibt einen neuen Prozessor, ein neues Design und ein deutlich größeres Display. Außerdem hat das XT3 nun eine gut erkennbare Hintergrundbeleuchtung für die Tastatur. Beibehalten wurde der Digitizer von N-Trig, der aber nun mit einem batteriebetriebenen Stift arbeitet.
Ausstattung und Unterschiede zum Latitude XT2
Dells Vorgängergerät ist rund drei Jahre alt. Die Firma hat sich also viel Zeit gelassen, um wieder einen modernen Tablet-PC vorzustellen. Für Geschäftskunden ist eine stabile Hardwarebasis samt Ersatzteilservice wichtiger, als immer aktuelle Hardware zu haben, weswegen dies bei der Latitude-Serie nicht ungewöhnlich ist. Als wir das Latitude XT2 testeten , war Windows 7 noch gar nicht auf dem Markt, dementsprechend war Multitouch auf dem Vista-System noch nicht besonders ausgereift.
Der Vorgänger des XT3 arbeitet noch mit einem Core 2 Duo in der ULV-Ausführung, genauer gesagt: mit einem SU9400 mit 1,4 GHz. Damit vergleichbare Prozessoren gibt es heutzutage in Ultrabooks, aber selbst die sind dank Turboboost sehr viel schneller als die alten ULV-Prozessoren der Core-2-Duo-Serie. ULV-Prozessoren gibt es beim XT3 nicht mehr. Im Gehäuse unseres Testmusters arbeitet ein Core i7-2620M(öffnet im neuen Fenster) (2,7 bis 3,4 GHz).












Vorbei sind auch die Zeiten, in denen der Nutzer teure 1,8-Zoll-Festplatten oder -SSDs nutzen musste. Erstere sind vor allem langsam und eine große SSD-Auswahl gibt es in dem Format auch nicht. Unser XT3 ist mit einer 2,5-Zoll-SSD von Samsung (PM810) bestückt.
Größerer Bildschirm mit Multitouch
Wohl am auffälligsten ist die Konstruktion an sich. Statt 12 sind es nun 13 Zoll in der Bilddiagonalen. Das Latitude XT3 hat eine Auflösung von 1.366 x 768 Pixeln und ist damit auf Windows 8 und die Snap-Funktion vorbereitet. Der Vorgänger hatte noch 1.280 x 800 Pixel. Das Gewicht des Geräts ist mit fast 2,2 Kilogramm durch die neue Konstruktion leider deutlich höher als das des Vorgängers mit 1,73. Das XT3 ist mit 33 mm zudem sehr dick. Dafür lässt sich das Display jetzt in beide Richtungen drehen.
Die restliche Ausstattung entspricht den hohen Anforderungen von Firmen. Ein 3G-Modem - allerdings ohne CDMA-Option - gibt es genauso wie eine Dual-Band-WLAN-Karte von Intel. Einen Anschluss für Expresscards gibt es für Erweiterungen ebenfalls, ebenso eine Hintergrundbeleuchtung. Die Ausstattung variiert zum Teil sehr stark, da sich der Nutzer selbst seine Komponenten aussuchen kann.
Das XT3 ist nun kompatibel zu einigen Dockinglösungen der Latitude-E-Serie. Der Vorgänger bot das nicht an. Es gibt aber auch weiterhin ein Media Slice für das System mit dem Namen XT3 Media Base (PDF)(öffnet im neuen Fenster) . Die Option stand uns nicht zur Verfügung, wir wissen aber vom Vorgänger sowie HPs Lösung, wie praktisch das beim Transport ist. 530 Gramm wiegt so eine Unterschnallbasis, sie ist 16 mm hoch und lässt sich auch unterwegs mit Akku nutzen. Im Unterschied zu HPs Lösung lässt sich aber kein Unterschnallakku in Kombination nutzen und es gibt nur zwei USB-Anschlüsse plus Laufwerk in der Base, die somit nicht mehr als Dock angesehen werden kann, denn der Monitor muss immer noch einzeln am Notebook angeschlossen werden.
Das XT3 ist nicht mehr portabel
Uns gefällt die neue Konstruktion des XT3 nicht. Während das alte XT2 klein, elegant und gleichzeitig unauffällig war, ist das neue Modell recht klobig, selbst für ein 13-Zoll-Notebook. Zudem setzt Dell nun auf einen Haken, der per Magnet herausgezogen wird. Die Konstruktion kennen vor allem Apple-Nutzer, aber auch Anwender von HPs Elitebook-27x0p-Serie. Das ist prinzipiell stabiler als der Verschlussmechanismus des XT2, allerdings sahen wir beim Testen die gleichen Macken, die auch das HP 2740p und 2710p in unserer Redaktion hatten. Mitunter schafft der Magnet es nicht, den Haken korrekt herauszuziehen und einrasten zu lassen. Daher kann schon nach kurzer Zeit eine lästige Reparatur nötig werden. Bei unseren HP-Notebooks mit dem gleichen Verschluss musste mehrmals das gesamte Display ausgetauscht werden.
Wacom-Digitizer versus N-Trig-Digitizer
Zum Vergleich haben wir sowohl ein Convertible von Lenovo (X220t) als auch HPs 2740p (mit Windows 7 und Windows 8) zur Verfügung. Die beiden Geräte sind produktiv im Einsatz, wir kennen also die Macken der Notebooks - und eine der Hauptmacken dieser beiden Geräte heißt leider Wacom.
Ebenfalls in unserem Portfolio gibt es ein Samsung Series 5 Slate. Es ist ein Tablet-PC mit Wacom-Digitizer, aber Samsung schafft es, Wacom-Hardware zu verbauen, die sehr präzise ist. Und das, obwohl Samsung in dem Bereich neu ist. HP und Lenovo konnten ihre Erfahrung nicht nutzen, um einen guten Digitizer zu ermöglichen. Tendenziell haben wir mit dem X220t aber weniger Ärger als mit dem HP-Notebook und der Lenovo-Stift ist auch etwas präziser, wenngleich auch er im Randbereich zu krummen Linien neigt.
Der große Nachteil von N-Trig-Digitizern ist übrigens verschwunden: Adobe Photoshop funktioniert jetzt mit der Druckempfindlichkeit des Stifts, was wir anhand der Version CS 5.1 und CS 6 bestätigen konnten. Früher waren nur einzelne Anwendungen wie Artrage oder das Windows-Journal kompatibel mit N-Trig-Stiften. Artweaver, das ebenfalls auf die Wintab-API setzt, funktionierte aber nicht mit dem N-Trig-Stift.












Wir hatten dafür auf den Wacom-Tablets Schwierigkeiten mit der Druckempfindlichkeit. Beim HP 2740p unter Windows 8 war die Druckempfindlichkeit nur im Windows Journal und bei Artrage mit deaktiviertem Wintab vorhanden und Photoshop funktionierte auch nicht. Das ist ein Hinweis auf Wintab-Probleme. Mit Windows 7 haben wir den Digitizer zum Teil besser im Griff gehabt. Allerdings sind dann Treiber notwendig, die nicht von HP sind, und der Nutzer muss bei der Reihenfolge der Installation aufpassen. Wir haben die Druckempfindlichkeit gelegentlich einfach verloren, ohne dass der Grund ersichtlich war.
Beim X220t mit Windows 7 hingegen funktionierte Photoshop genauso wie das Windows Journal. Artrage ließ sich hingegen nicht zur Mitarbeit bewegen, unabhängig von der Wintab-Einstellung. Artweavers Druckempfindlichkeit funktionierte bei uns bei keinem der Convertibles.
Die Probleme zeigen ganz gut, dass auf Microsofts Tablet-PC-Plattform auch nach Jahren noch nicht alles so ist, wie es sein sollte. Tablet-PCs sind weiterhin mit viel Arbeit bei der Konfiguration und Recherche verbunden. Dells XT3 ist aber besser zu handhaben als die Konkurrenz.
Damit übertrifft Digitizer-Hersteller N-Trig im XT3 erstmals die Bedienbarkeit von Wacom-Convertibles. Für N-Trig spricht zudem die Präzision des Stifts. Wacom frustriert mit unnötig viel Konfigurationsarbeit den Anwender. Wer einen alten Stift von N-Trig hat, kann diesen übrigens beim XT3 nicht mehr benutzen. Die batteriebetriebenen und per Induktion versorgten N-Trig-Stiftsysteme sind zueinander inkompatibel.
Akkulaufzeit enttäuscht
Die Akkulaufzeit enttäuscht. Bei einem Gewicht von 2,2 kg konnten wir nicht länger als 4 Stunden mit dem System arbeiten, in der Praxis sind es eher weniger als 3 Stunden. In einem Test war das Notebook nach 2:59 Stunden aus, dabei war die Helligkeit auf Maximum und das Mobilfunkmodem aktiv. Das liegt an dem 44-Wattstunden-Akku - einem erstaunlich kleinen Energiespender, obwohl das Notebook so schwer ist. Dieser schafft es nicht, das recht helle Display und andere Komponenten lang genug mit Energie zu versorgen. Wer das Notebook bei mittlerer Helligkeit und aktivem WLAN nur stehen lässt, kommt auf maximal 6 Stunden. Da der Prozessor aber wegen des Turboboosts schnell hochtaktet, sind die Werte in der Praxis kaum erreichbar.
Laut Datenblatt gibt es noch einen 76- und einen 93-Wattstunden-Akku. Letzterer ist ein Unterschnallakku. In Kombination dürfte sich die Laufzeit vervierfachen lassen. Das Notebook wird dann allerdings noch schwerer.
Lüfter geht an und aus
In vielen Situationen bleibt der Lüfter des Latitude XT3 komplett abgeschaltet. Wird der Prozessor doch zu warm, wird der Lüfter hochgefahren. Dann ist er aber hörbar. Wir würden uns wünschen, dass Dell den Lüfter langsam drehen lassen und dafür früher anschalten würde.
Verfügbarkeit und Fazit
Dells Latitude XT3 ist bereits verfügbar. Der Einstiegspreis liegt bei etwas über 1.200 Euro inklusive drei Jahren Vor-Ort-Service am nächsten Arbeitstag.
Fazit
Eigentlich ist das Latitude XT3 ein gutes Convertible. Der Digitizer ist präzise und wurde verglichen mit den Vorgängern deutlich in der Präzision verbessert. Er ist damit definitiv besser als die Wacom-Digitizer, die wir kennen und die zum Teil zu krummen Linien neigen. Auch die Verarbeitungsqualität des XT3 ist hervorragend.
Das zusätzliche Gewicht ist sehr störend, insbesondere, da Dell es nicht geschafft hat, die Akkulaufzeit zu verbessern. Der kleine 44-Wh-Akku wiegt rund 300 Gramm, wie bei anderen Notebooks auch. Bei einem Gesamtgewicht von 2,2 kg ist das Missverhältnis aber zu groß. Immerhin ist Dell aber von den ULV-Prozessoren weggekommen. Im XT3 steckt ein Normalspannungsprozessor.
Dazu kommt, dass das Notebook zu groß ist. Es hat ein normales Notebookdesign im 13-Zoll-Format mit einer Dicke, die sonst nur bei Notebooks mit Laufwerken zu finden ist. Zwar ist ein Tablet per se dicker, vor allem wegen des wegdrehbaren Displays, aber Dell schafft es leider nicht, die Basis dünn zu halten. Die Eleganz und Leichtigkeit der Vorgänger Latitude XT oder XT2 geht damit verloren.
Wer ein Convertible sucht, das gut im Arm getragen werden kann, hat nun einen Kandidaten weniger zur Auswahl. Das XT3 ist allenfalls für Notebooknutzer gedacht, die nur sehr selten den Tabletmodus nutzen. Alle anderen finden ähnlich flexible Lösungen mit Zusatzakku und Docks nur bei Lenovo und HP. Hier sind die unpräzisen Wacom-Digitizer dem präzisen N-Trig-Digitizer aus rein praktischen Gründen vorzuziehen.



