Dekarbonisierung: Wasserstoff aus dem Kernkraftwerk
Grüner Wasserstoff wird mit Wind- oder Solarstrom hergestellt. Das scheint ein Gesetz zu sein. Doch die USA wollen es brechen. Das zum US-Energieministerium gehörende Argonne National Laboratory in Lemont im Bundesstaat Illinois hat sich mit dem Kraftwerksbetreiber Constellation Energy in Baltimore im Bundesstaat Maryland zusammengetan, um das Kernkraftwerk Calvert Cliffs in Lusby/Maryland zur nahezu emissionsfreien Produktion von Wasserstoff zu nutzen.
"Reale Lösungen" gegen den Klimawandel
"Sauberer Wasserstoff hat die Kraft, schwer zu dekarbonisierende Industrien zu transformieren", sagt Colleen Wright, Vice President of Corporate Strategy von Constellation. "Durch die Kombination der kohlenstofffreien Energieressourcen von Constellation mit Elektrolysetechnologien und der technischen Expertise des Argonne National Laboratory haben wir die Möglichkeit, reale Lösungen zur Bekämpfung der zunehmenden Bedrohungen durch den Klimawandel zu liefern."
Sieben Milliarden Dollar für grünen Wasserstoff
Argonne-Forscher Mark Petri sagt, die Vereinbarung werde seinem Labor helfen, dessen Forschung und Entwicklung stärker an den Bedürfnissen der Industrie auszurichten und gleichzeitig der Industrie Zugang zu den technischen Fähigkeiten und dem Fachwissen des Labors zu geben. Das Projekt wird vom US-Energieministerium unterstützt, das für Projekte zur Erzeugung von grünem Wasserstoff sieben Milliarden Dollar bereitgestellt hat.
Kernkraftwerk liefert Strom und Wärme
Auch im Kernkraftwerk Prairie Island in Red Wing im Bundesstaat Minnesota ist eine Wasserstoffproduktion geplant. Bloom Energy, ein Unternehmen im kalifornischen Sunnyval, das unter anderem Elektrolyseure für die Wasserstoffproduktion herstellt, will auf dem Kraftwerksgelände einen 240-Kilowatt-Elektrolyseur als Demonstrationsanlage erreichten. Die Hochtemperaturanlage, die effektiver arbeitet als die gängigen Elektrolyseure, bezieht nicht nur den Strom vom Kernkraftwerk, sondern auch Wärmeenergie in Form von Dampf, die im Reaktor erzeugt wird. Die Anlage soll Anfang 2024 in Betrieb gehen.
Vergleich der CO2-Emissionen
Tatsächlich liegt Kernenergie bei einer Gesamtbetrachtung bei den CO2-Emissionen gut im Rennen. Dabei wird die gesamte Kette betrachtet, vom Bau über den Betrieb, von der Brennstoffbeschaffung bis hin zum Abriss. Nach Angaben des Freiburger Öko-Instituts liegen sie bei 31 bis 61 Gramm pro Kilowattstunde, je nach Herkunft des eingesetzten Urans. Windkraftwerke kommen je nach Standort auf 22 bis 23, Solarzellen auf 25 bis 89 Gramm.
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