Deepfake: Putin, der Meister der KI-Propaganda
Schon der für zahlreiche Völkermorde, Terror gegen die eigene Bevölkerung und Propaganda durch Bildmanipulation bekannte Josef Stalin soll Doppelgänger gehabt haben, wohl um sich selbst zu vor Anschlägen zu schützen. Auch über den russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin heißt es immer wieder, dass er Doubles einsetze, womit der ehemalige KGB-Offizier Putin nun in seiner Jahrespressekonferenz kokettierte. Allein durch IT-Buzzword-Bingo und geschickte Inszenierung sät Putin dabei digitale Propaganda, die aufzugehen scheint.
Denn anders als noch Stalin setzt Putin dabei auf die aktuellen Themen KI und Deepfake. Das zumindest will der Machtapparat des Präsidenten die Welt durch eine geschickte Inszenierung glauben lassen, ohne dies selbst genau so zu sagen. Der Wahrheitsgehalt ist dabei aus Sicht der Propaganda wie so oft völlig nebensächlich, es geht allein um die Wirkung, die sie entfaltet.
In dem fraglichen Ausschnitt der Pressekonferenz, den internationale Medien weltweit weitgehend unkommentiert zitieren und weiterverbreiten, taucht dabei in einer Art Publikumsfrage ein offensichtlicher Doppelgänger Putins auf, der den echten Putin fragt, ob dieser viele Doppelgänger habe und welche Gefahren er in künstlicher Intelligenz sehe.
Putin nutzt Gerüchte aus
Seit Jahren wird auch international darüber spekuliert, ob Putin sich insbesondere bei Auftritten mit Menschen und bei möglicherweise unvorhergesehenen Situationen doubeln lässt. Derartige Berichte tauchen vermehrt seit Beginn des Überfalls russischer Truppen auf die Ukraine im Jahr 2022 auf.
Unterfüttert werden derartige Gerüchte mit der Erzählung um eine mögliche schwere Erkrankung Putins. Das geht bis hin zu der Verschwörungstheorie(öffnet im neuen Fenster), dass der echte Wladimir Putin längst tot und durch einen Doppelgänger ausgetauscht worden sei, um das Regime weiter aufrechtzuerhalten.
Minimaler Einsatz, große Wirkung
All diese Gerüchte einerseits sowie den aktuelle KI-Hype und die damit verbundenen Sorgen um die politische Landschaft in Demokratien andererseits bespielt Putin dabei gekonnt in einer verblüffenden Leichtigkeit – in weniger als einer Minute Video.
Wohl nicht nur Golem.de-Redakteure fragen sich, ob es sich bei dem gezeigten Doppelgänger in der Pressekonferenz wirklich um einen Deepfake handelt und wie sich dies erkennen lassen könnte. Oder auch, ob Russland überhaupt über die technischen Fähigkeiten und die dazu notwendige Hardware verfügt, um solche Deepfakes zu erstellen. Gleiches gilt für die zugegeben sehr abgehackt und gebrochen klingende Stimmenimitation des Doppelgängers.
Einige Medien übergehen diese Fragen unbekümmert und stellen das Double direkt als KI-generierten Deepfake hin, ohne dies auch nur ansatzweise näher zu begründen. Allein das ist als schon als großartiger Propagandaerfolg der Maschinerie rund um Putin zu werten.
Doch auch darüber hinaus ist es bezeichnend für die politische Entwicklung, dass schon der unterschwellige Hinweis ausreicht, es könne sich bei dem falschen Putin um einen KI-Fake handeln, um Wirkung zu erzielen.
FUD als internationale Propaganda
Diese eigentlich aus der Industrie bekannte Kommunikationsstrategie wird als FUD (Fear, Uncertainty and Doubt; Furcht, Ungewissheit und Zweifel) bezeichnet und ist spätestens im KI-Hype-Jahr 2023 auch auf politischer Bühne fest verankert, wie Putin zu Propagandazwecken demonstriert.
Statt wie bisher aktiv Falschbehauptungen verbreiten und stützen zu müssen, reicht es für Despoten wie Putin oder andere, die dies werden wollen, offensichtlich aus, ausreichend Zweifel zu säen, ob Inhalte mithilfe von KI manipuliert sein könnten oder nicht.
Diese Manipulation hin zu einer Welt, in der alles gelogen sein könnte und Medieninhalten jedweder Art prinzipiell nicht mehr getraut werden darf, hat Chaos zum Ziel. Wie dies auch mit digitalen Mitteln erreicht werden könnte, hat Putin in seiner Jahrespressekonferenz gezeigt.
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